Aktuelle Bauzinsen steigen wieder leicht an

Das Jahr 2016 war bisher von sinkenden und historisch niedrigen Bauzinsen geprägt. Seit der Wahl in den USA sind jedoch einige Banken dazu übergegangen, die Zinsen für die Immobilienfinanzierung wieder anzuheben. Diese Entwicklung wird durch die jüngste Leitzinserhöhung der amerikanischen Notenbank wohl noch verstärkt. Aktuell sind es lediglich kleine Zinsschritte, die die Kreditinstitute vornehmen, insbesondere bei längeren Laufzeiten. Ob es sich hierbei um eine Trendwende oder lediglich eine Korrektur handelt, müssen die kommenden Wochen und Monate zeigen. Ein überstürzter Vertragsabschluss ist jetzt in keinem Fall angeraten.

So werden aktuelle Bauzinsen ermittelt

Die Zinsen für eine Baufinanzierung sind der wohl wichtigste Faktor in diesem Bereich. Sie geben an, wie teuer das Darlehen wird und welche Kosten für die Immobilienfinanzierung insgesamt anfallen. Der Jahreszins, den Kreditnehmer zu übernehmen haben, wird dabei allerdings nicht pauschal berechnet, sondern ist von folgenden Faktoren abhängig:

  • Aktuelles Zinsniveau
  • Einnahmen- und Vermögenssituation der Antragsteller (Bonität)
  • Dauer der Zinsbindung
  • Werthaltigkeit der Grundschuld

Der wohl wichtigste Faktor zur Ermittlung der Hypothekenzinsen ist das aktuelle Zinsniveau. Es gibt an, zu welchen Konditionen Banken bei der Europäischen Zentralbank Geld leihen können. Gleichzeitig ist das Zinsniveau Grundlage für die Zinsen bei Pfandbriefen, die den Kreditinstituten zur Refinanzierung dienen. Damit gilt, dass aktuelle Bauzinsen umso niedriger sind, je geringer das allgemeine Zinsniveau ist. Aber auch die Bonität der Antragsteller sowie die Werthaltigkeit der Grundschuld spielen bei der Zinsberechnung eine wichtige Rolle. Je risikoreicher die Kreditvergabe ist, desto mehr Geld müssen die Banken für etwaige Insolvenzen zurücklegen. Da dies wiederum Geld kostet, werden die Kreditzinsen teurer. Letztlich achten die Banken natürlich auch auf die Dauer der Zinsbindung. Da auf längere Zeiträume große Änderungen möglich sind, heben die Institute auch hier die Konditionen an.

Tipp: Vergleichen Sie verschiedene Angebote unterschiedlicher Banken, nicht selten ergeben sich große Zinsunterschiede, die deutliche Einsparungen mit sich bringen können.

Die aktuelle Entwicklung bei Bauzinsen

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Da die Höhe der Zinsen bei einer Baufinanzierung mit eingetragenem Grundpfandrecht enorm wichtig ist, sollten Kreditsuchende natürlich die Entwicklung der Bauzinsen im Blick behalten. Bislang war der Sollzins einer Finanzierung extrem niedrig, da die Europäische Zentralbank die Leitzinsen auf 0 Prozent gesenkt hat. Gleichzeitig wurden Strafzinsen erhoben, sollten die Banken Geld bei der EZB deponieren. Die Institute haben daher ihre Kredite für die Immobilie besonders günstig angeboten, um Kreditnehmer für sich zu begeistern. Seit der Wahl von Donald Trump in den USA hat sich diese Entwicklung jedoch leicht umgekehrt. Zwar ist es nach wie vor möglich, günstige Konditionen im Vergleich zu erhalten, es ist jedoch eine Aufwärtstendenz zu erkennen. Immer mehr Banken gehen kleinere Schritte und erhöhen ihre Konditionen um 0,1-0,3 Prozent. Diese Entwicklung wird sich in den kommenden Wochen wohl noch verstärken, denn die Federal Reserve, die Notenbank in Amerika, hat am 14. Dezember 2016 den Leitzins um 0,25 Prozent angehoben. Dieser Schritt war erwartet worden, denn die Wirtschaft in den USA ist seit Monaten stabil und kann höhere Zinsen durchaus verkraften. In Europa hingegen wird die EZB wohl kurzfristig keinen Zinsschritt durchführen, denn die Voraussetzungen hierfür sind aktuell noch nicht gegeben.

Verbraucher sollten in Ruhe überlegen

Trotz der leicht steigenden Zinsen in den USA sollten Verbraucher in Deutschland die Ruhe bewahren. Hierzulande sind es lediglich kleine Zinsschritte, die vollzogen werden. Auch hat die Zentralbank erst kürzlich verkündet, alles tun zu wollen, damit die Inflation endlich angehoben werden kann. Dieses Ziel ist derzeit noch in weiter Ferne, weshalb eine Zinswende in Europa nicht absehbar ist. Hinzu kommt, dass viele südeuropäische Länder nach wie vor unter hohen Schulden ächzen, eine Leitzinserhöhung könnten diese Länder kaum finanzieren. Zudem waren leichte Zinserhöhungen auch bereits im September zu erkennen, als die Fed die jetzt durchgeführte Leitzinserhöhung angekündigt hat. Die Brexit-Entscheidung hingegen hatte sogar für niedrigere Zinsen gesorgt. Bauherren und Interessenten, die sich für eine Immobilie interessieren, können nach wie vor auf günstige Sollzinsen zurückgreifen. Bei einwandfreier Bonität ist es möglich, je nach Darlehensbetrag und Zinsbindung Angebote von durchschnittlich ein Prozent Jahreszins zu erhalten. Ein Vergleich ist dabei allerdings unabdingbar, denn die Unterschiede zwischen den einzelnen Banken sind gravierend. Unabhängige Gegenüberstellungen, bei denen der Nettodarlehensbetrag sowie die Laufzeit identisch sind, können hier die wichtigsten Fakten zeigen.

Unabhängige Vergleiche können Entscheidung erleichtern

Verbraucher, die günstige Immobilienkredite suchen, sollten die Möglichkeit nutzen und Angebote online vergleichen. Zu beachten ist dabei, dass viele Banken mit Werbezinsen agieren, die sich nach Einreichung aller Unterlagen noch verändern können. Wie bereits erwähnt, orientieren sich aktuelle Bauzinsen nach der Bonität der Antragsteller, der Werthaltigkeit der Immobilie sowie der Dauer der Zinsbindung. Es ist daher wichtig, den Instituten alle Angaben zur Verfügung zu stellen, um eine tatsächliche Zinsermittlung ermöglichen zu können. Erste Anhaltspunkte gibt es häufig bereits nach dem Ausfüllen des Kreditantrages, in dem die Höhe des Einkommens, der Wert des Hauses und weitere wichtige Fakten für die Kreditberechnung angegeben werden können. Eine endgültige Entscheidung sowie eine Zinsberechnung kann jedoch erst nach dem Einreichen aller Unterlagen erfolgen. Auch die Abfrage der Schufa ist in diesem Zusammenhang obligatorisch.

Tipp: Achten Sie darauf, dass Banken und Kreditvermittler die Abfrage der Schufa lediglich als „Kondition anfragen“ starten. So nehmen auch mehrere Vergleiche keinen Einfluss auf die Bonität.

Darauf sollten Verbraucher beim Vertragsabschluss achten

Da das Risiko steigender Zinsen aktuell vergleichsweise hoch ist, sollten Verbraucher beim Abschluss einer Immobilienfinanzierung verschiedene Faktoren beachten. Wichtig ist in diesem Zusammenhang beispielsweise, dass die Zinsbindung nicht nur fünf Jahre vereinbart wird. Im Anschluss an diesen Zeitraum müssen die vorhandene Restschuld nämlich zum aktuellen Bauzins prolongiert werden, was sehr teuer werden kann. Es ist daher ratsam, die Zinsbindung auf mindestens zehn, besser 15 oder 20 Jahre zu vereinbaren. Auf Wunsch ist es sogar möglich, die Zinsen für die gesamte Laufzeit festzuschreiben. Als Alternative zum klassischen Annuitätendarlehen mit Grundschuld bietet sich in diesem Zusammenhang auch ein Bausparvertrag an, der zusätzlich abgeschlossen wird. Am Ende der Zinsbindung ist dieser zuteilungsreif und kann für die Ablösung genutzt werden. Weiterhin sollten die aktuell niedrigen Bauzinsen genutzt werden, um die Ersparnis bei der Finanzierung in die Tilgung zu investieren. Wer lediglich ein Prozent anfängliche Tilgung wählt, muss mit Laufzeiten vom 40-45 Jahren rechnen. Bei einer Anhebung auf zwei oder drei Prozent anfängliche Tilgung können die Laufzeiten deutlich reduziert und die gesamte Kreditbelastung gesenkt werden.

Darauf sollte beim Kreditabschluss geachtet werden:

  • Möglichst lange Zinsbindung, um Risiken der Anschlussfinanzierung zu vermeiden
  • Höhere anfängliche Tilgung für kürzere Laufzeiten
  • Bei Abschlussfinanzierung auf Forwarddarlehen setzen

Steht in den kommenden Jahren eine Prolongation, also eine Anschlussfinanzierung, an, sollte überlegt werden, ob diese nicht bereits heute vereinbart werden kann. Möglich ist dies mit so genannten Forwarddarlehen, die bis zu fünf Jahren vorher abgeschlossen werden können. Sie werden mit den heutigen günstigen Konditionen vereinbart, die Auszahlung jedoch erfolgt erst bei Fälligkeit des derzeitigen Kredites. So lassen sich die jetzt niedrigen Zinsen langfristig sichern und für die Zukunft vereinbaren.

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