Geld anlegen im Niedrigzinsumfeld

Europa befindet sich aktuell in einer Niedrigzinsphase, die Experteneinschätzungen zufolge wohl noch einige Zeit anhalten wird. Für Sparer bedeutet dies, dass aktuell mit klassischen Kapitalanlagen wie Sparbuch oder Sparbrief kaum mehr Rendite erreicht werden kann. Um der Geldentwertung zu entgehen, die bei höheren Inflationswerten droht, sollten daher alternative Anlagen genutzt werden. Neben Aktien, Immobilien und Zertifikaten stehen Anlegern auch Investmentfonds zur Verfügung, die individuell auf die Risikoneigung der Anleger ausgerichtet werden können.

Geld anlegen: Europa verharrt bei historischen Tiefstzinsen

Um die Finanz- und Wirtschaftskrise in Europa nach 2008 zu bekämpfen, hat die Europäische Zentralbank in mehreren Schritten die Leitzinsen von damals 4,25 Prozent auf nun nur noch 0,05 Prozent gesenkt. Für die Kreditinstitute in Europa bedeutet dies, dass Geld von der Zentralbank nahezu zum Nulltarif geliehen werden kann. Hierdurch soll es den Banken leichter fallen, Kredite an Unternehmen und Privatpersonen zu vergeben und damit die Wirtschaft anzukurbeln. Mittlerweile müssen Banken sogar Strafzinsen bezahlen, wenn sie die Kreditvergabe nicht unterstützen und Geld bei der EZB „parken“. Daher sind sie kaum noch daran interessiert, dass Sparer Gelder auf Sparkonten oder Tagesgeldkonten verwalten, da diese dann wiederum als Kredite vergeben oder bei der EZB angelegt werden müssen. Mit Mini-Zinsen versuchen die Institute daher, Sparer abzuschrecken. Obwohl sich die Wirtschaft in Europa durch die Niedrigzinsen bereits erholt hat, sind vor allem Länder wie Spanien, Portugal und Griechenland nach wie vor auf die niedrigen Zinsen angewiesen. Experten gehen daher davon aus, dass diese noch einige Monate anhalten werden.

Kaum noch Rendite bei klassischen Sparformen

Aufgrund der oben genannten Entwicklungen ist es aktuell bei Sparkonten oder Sparbriefen kaum noch möglich, Rendite zu erzielen. Liegen die Konditionen bei Spar- und Tagesgeldkonten vielfach bei 0,05 – 0,25 Prozent, erzielen Sparer bei ein- oder zweijährigen Festanlagen nur noch 0,2-0,4 Prozent. Mit diesen Anlagen ist es damit nicht einmal mehr möglich, die aktuelle Inflationsrate zu erreichen. Das Geld wird demnach Jahr für Jahr weniger, auch wenn es auf dem Papier auf den ersten Blick natürlich Bestand hat. Man spricht in diesem Zusammenhang von „schleichender Enteignung“, die mittlerweile immer mehr Sparer betrifft. Da die Geldentwertung schneller voranschreitet und größer ausfällt als der Zinsertrag, verlieren Sparer Geld, auch wenn sie sich für sichere Geldanlagen entschieden haben. Es ist daher wichtig, nach Alternativen zu suchen und hiermit den Ertrag zu steigern.

Alternative Geldanlagen bieten Chancen und Risiken

Grundsätzlich gilt im Bereich der Geldanlage die Devise: „Ohne Risiko keine Rendite“. Diese Aussage zeigt deutlich, dass Sparer zumindest begrenzte Risiken eingehen sollten, um ihren Ertrag zu erhöhen. Auf dem Markt für Geldanlagen gibt es hierfür verschiedene Möglichkeiten, bei denen jeweils auf die Chancen und Risiken geachtet werden sollte.

Anlage in Aktien
Eine gern genutzte Möglichkeit der Geldanlage ist die Investition in Aktien. Dabei entscheiden sich Anleger für ein Aktienunternehmen, an dem sie sich beteiligen. Diese Papiere werden an der Börse gehandelt, wobei die Kurse sowohl steigen wie auch fallen können. Ob die Entwicklung positiv oder negativ ist, hängt maßgeblich mit dem Geschäftserfolg des Unternehmens zusammen. Kann dieses Gewinne verbuchen und sind die Aussichten positiv, wird der Aktienkurs steigen und Anleger können ihre Aktie später zu einem höheren Preis verkaufen. Sollte das Unternehmen jedoch weniger erfolgreich sein, kann ein Aktienkurs auch sinken, was für Anleger Verluste bedeutet. Damit sind Aktienanlagen vergleichsweise risikoreich und nur für Anleger zu empfehlen, die sich am Aktienmarkt auskennen und entsprechendes Wissen mitbringen.

Anlage in Investmentfonds
Eine bessere Alternative, vor allem für bislang unerfahrene Anleger, sind Investmentfonds. Sie investieren je nach Ausrichtung in Aktien und festverzinsliche Wertpapiere und können damit ebenfalls die Chancen am Kapitalmarkt nutzen. Im Unterschied zur Einzelinvestition in Aktien wird hier nicht nur eine einzige Aktie gekauft, sondern der Fonds investiert in viele unterschiedliche Papiere. Dies ergibt eine breite Streuung, wobei Verluste eines Wertes mit Gewinne in anderen Bereichen ausgeglichen werden können. Risikobereite Anleger nutzen in diesem Zusammenhang Aktienfonds, die ausschließlich am Aktienmarkt agieren. Eher sicherheitsorientierte Anleger hingegen greifen auf Fonds mit festverzinslichen Papieren oder mit einer Mischung aus Aktien und Renten zurück.

Immobilien als Wertanlage
Immobilien gelten in Europa vielfach als „Betongold“. Sie sind in ihrer Wertentwicklung weitgehend stabil und Anleger haben die Möglichkeit, Mieteinnahmen zu generieren. Auch die eigene Immobilie kann als Wertanlage sinnvoll sein, etwa um Mietzahlungen zu sparen und sich vor steigenden Mieten zu schützen. Bei einer Investition in Immobilien sollte allerdings beachtet werden, dass die Preise oft nur in größeren Metropolen ansteigen, auch die Vermietungssicherheit kann oft nur dort erreicht werden. Auf dem Land hingegen herrscht vergleichsweise hoher Leerstand, sodass eine Immobilie hier durchaus zum Kostenrisiko werden kann. Eine gute Alternative zum Direktinvestment sind auch hier Fonds. Offene Immobilienfonds investieren in verschiedene Objekte und senken so das Risiko einer Einzelinvestition.

Geschlossene Beteiligungen als langfristiges Investment
Speziell für Anleger mit langfristigem Anlagehorizont haben die Banken geschlossene Beteiligungen entwickelt. Sie investieren die Gelder der Anleger in ein einziges Objekt, etwa ein Einkaufszentrum, ein Flugzeug oder ein Unternehmen und versuchen im Anschluss, dieses gewinnbringend zu vermieten oder zu verpachten. Die Renditeaussichten bei derartigen Anlagen sind durchaus positiv, allerdings sollten Anleger die oft langen Laufzeiten von bis zu 20 Jahren sowie die relativ hohen Risiken beachten. Sollten die Erträge nämlich nicht nach Plan erzielt werden können, drohen Verluste, die bis hin zum Totalverlust reichen können.

Eigenes Risikoprofil und Anlagezeitraum beachten
Es gibt also verschiedene Kapitalanlagen, die durchaus als Alternative zu Sparbrief und Festgeld genutzt werden können. Bevor sich Anleger jedoch für eine dieser Alternative entscheiden, sollten wichtige Fragen geklärt werden:

  • Wie lange können die Gelder angelegt werden?
  • Welches Risiko bin ich bereit einzugehen?
  • Wie gehe ich mit eventuellen Verlusten um?
  • Ist mir Sicherheit wichtiger als Rendite?

Diese Fragen kann jeder Anleger für sich ganz individuell beantworten. Zur Frage der Laufzeit etwa ist es wichtig zu wissen, wie lange die Gelder zur Verfügung stehen und ob sie zu einem festen Zeitpunkt wieder gebraucht werden. Hintergrund ist die Tatsache, dass viele oben genannten Anlagen Kursschwankungen aufweisen können. Wird das Geld dann kurzfristig gebraucht, sind Anleger womöglich darauf angewiesen, mit Verlust zu verkaufen. Wer hingegen langfristig anlegen kann, könnte eventuelle Kursschwankungen „aussitzen“ und so eine durchschnittlich höhere Rendite erreichen. Für eher kurzfristig orientierte Anleger mit einem Anlagehorizont von zwei bis drei Jahren eignen sich daher nur eher sichere Anlagen in Form von Rentenfonds. Wer hingegen länger als fünf Jahre anlegen kann, kann auch das Risiko erhöhen und etwa in Aktienfonds, Mischfonds mit hohem Aktienanteil oder Immobilienfonds investieren. Neben dem Anlagehorizont sollte allerdings auch die eigene Risikoeinstellung überprüft werden. Anleger, die bereits bei kleinsten Verlusten in Panik ausbrechen, sollten trotz geringer Rendite eher auf Spareinlagen setzen. Wer hingegen Kursschwankungen von einigen Prozentpunkten ruhig hinnehmen kann, kann in risikoreichere Kapitalanlagen investieren. In den meisten Fällen werden Kursschwankungen ohnehin wieder ausgeglichen, wichtig ist lediglich, dass Anleger Geduld und Ausdauer mitbringen.

Kapitalanlagen sollten breit gestreut werden

Getreu dem Motto: „Lege nicht alle Eier in einen Korb“ ist es auch bei der Geldanlage wichtig, nicht nur in eine einzige Kapitalanlage zu investieren. Sinnvoll ist eine breite Streuung aus Aktien, festverzinslichen Papieren und Immobilien. Um diese Streuung zu erreichen, ist es einerseits möglich, selbst unterschiedliche Aktien oder Renten auszuwählen und diese individuell ins Depot zu legen. Als Alternative bieten sich professionelle Vermögensverwaltungen oder auch offene Investmentfonds an. Die Fondsmanager kümmern sich hier um die Zusammensetzung der Anlagen und nehmen bei Bedarf Änderungen vor. Sollte sich der Aktienmarkt etwa in einer Aufwärtsphase befinden, werden die Fondsmanager den Aktienanteil erhöhen und so die Chancen für die Anleger steigern. In Zeiten von Kursverlusten hingegen wird der Aktienanteil gesenkt, um die Risiken zu reduzieren. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, Fonds zu wählen, die bereits in der Vergangenheit überzeugen konnten. Ein Blick auf die Outperformance, also die Entwicklung des Fonds gegenüber einem Vergleichsindex, kann helfen. Viele Fondsvergleichsseiten geben hierzu Informationen und zeigen auch die jeweiligen Kosten an. So können Anleger zielgerichtet passende Anlagen finden und diese für ihr Depot auswählen.

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