kleine Ausgaben über Kredite finanzieren

Aktuelle Untersuchungen ergeben, dass immer mehr Verbraucher in Deutschland selbst kleinere Ausgaben über Kredite finanzieren. Die wesentliche Ursache dafür sind natürlich die geringen Kreditzinsen, zu denen beispielsweise Ratenkredite heutzutage erhältlich sind. Darüber hinaus locken inzwischen zahlreiche größere Onlineshops oder auch Einzelhändler mit einer Ratenzahlung, die sogar oftmals im Zuge einer sogenannten Null-Prozent-Finanzierung kostenlos für den Kunden ist. Dass dieses Verhalten aber auch gefährlich sein kann, ist den meisten Kunden nicht bewusst. Immerhin kann es bei zahlreichen Kreditarten passieren, dass Sie die Übersicht verlieren und sogar in die Überschuldung geraten.

Kleine Ausgaben über Kredite finanzieren wird immer beliebter

In früheren Zeiten war es meistens so, dass Kredite ausschließlich für größere Ausgaben aufgenommen wurden. Dazu gehörte natürlich die Immobilienfinanzierung, durch die der Kauf oder Bau eines Eigenheims finanziert werden sollte. Ferner waren typische Anlässe, zu denen bis vor einigen Jahren vor allem ein Kredit aufgenommen wurde, die folgenden:

  • Autokauf
  • Neue Wohnzimmer- oder Schlafzimmereinrichtung
  • Kostspielige Auslandsreise (Urlaubsreise)
  • Umzug
  • Größere Reparaturen am Auto oder Haus

Diese klassischen Finanzierungszwecke gibt es zwar heute noch, aber auf der anderen Seite existiert ein Trend hin dazu, dass auch kleinere Ausgaben über einen Kredit finanziert werden. Somit werden heute zahlreiche Sachwerte und Produkte über einen Kredit finanziert, vom Auto über ein Smartphone bis hin zum eigenen Haus.

Welche kleineren Ausgaben werden über Kredite finanziert?

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Mit kleineren Ausgaben sind in erster Linie Käufe im Konsumbereich gemeint, bei deren der Gegenwert oftmals lediglich zwischen 300 und 1.000 Euro beträgt. Zwar können solche Ausgaben natürlich in vielen Fällen über den Dispositionskredit, also über die Kontoüberziehung des Girokontos, finanziert werden. Jedoch wird immer mehr Verbrauchern bewusst, wie teuer eine solche Kontoüberziehung eigentlich ist, sodass sie stattdessen entweder zum Ratenkredit greifen oder das Angebot zahlreicher Verkäufer nutzen, nämlich eine Ratenzahlungsvereinbarung zu treffen.

Ohnehin besteht gerade beim klassischen Ratenkredit der Filial- und Direktbanken das Problem darin, dass es dort meistens eine Mindestkreditsumme von 3.000 oder sogar 5.000 Euro gibt. Demzufolge kommt für kleinere Konsumausgaben, die über einen Kredit finanziert werden sollen, meistens im Bereich der Bankkredite lediglich ein sogenannter Kleinkredit infrage. Diese spezielle Darlehensvariante funktioniert wie ein klassischer Ratenkredit, nur dass die Darlehenssummen oftmals bereits ab 500 Euro beginnen.

Zu den Konsumausgaben, die heutzutage immer öfter über einen Kredit oder eine Ratenzahlungsvereinbarung finanziert werden, gehören beispielsweise:

  • Handykauf
  • Kauf eines PC oder Laptop
  • Kleinere Urlaubsreise
  • Anschaffung von TV- und Mediengeräten
  • Kauf von Haushaltsgeräten, beispielsweise Waschmaschine
  • Verschiedene Freizeitausgaben

Zwar ist nach wie vor der häufigste Grund für eine Kreditaufnahme im Konsumbereich der Kauf eines Neu- oder Gebrauchtwagens. Die zuvor aufgelisteten Finanzierungszwecke nehmen jedoch immer weiter zu, wobei insbesondere die Finanzierung über den jeweiligen Händler einen immer größeren Zuspruch erfährt.

Bankkredit vs. Händlerfinanzierung

Wer in der heutigen Zeit kleinere Konsumausgaben, beispielsweise den Kauf eines neuen Smartphones, über einen Kredit finanzieren möchte, dem stehen grundsätzlich mindestens zwei Alternativen zur Verfügung. Zum einen ist es möglich, über sogenannte Kleinkredite oder auch über den Dispokredit das benötigte Kapital zu erhalten. Die andere Alternative, die mittlerweile immer öfter angeboten wird, ist die sogenannte Händlerfinanzierung. Dahinter steckt kein Kredit im eigentlichen Sinne, sonder stattdessen vereinbart der jeweilige Verkäufer des Produktes mit dem Kunden eine Ratenzahlungsvereinbarung. So muss das Smartphone dann beispielsweise nicht sofort beim Kauf bezahlt werden, sondern stattdessen teilt der Verkäufer den Kaufpreis von beispielsweise 800 Euro in acht monatliche Raten zu jeweils 100 Euro auf.

Für nicht wenige Kunden stellt sich an dieser Stelle die Frage, was für sie günstiger ist: der Bankkredit oder doch die Händlerfinanzierung? In vielen Fällen spricht einiges für die Händlerfinanzierung, insbesondere dann, wenn es sich um eine sogenannte Null-Prozent-Finanzierung handelt. Mit dieser arbeiten immer mehr Verkäufer, weil sie den Kunden damit auch bezüglich der Finanzierung an sich binden können. Allerdings wurde in den letzten Monaten in den Medien durchaus häufiger darüber berichtet, dass eine solche Null-Prozent-Finanzierung auch Nachteile haben kann, selbst wenn es sich um ein zinsfreies Darlehen handelt.

Gibt es nämlich Probleme mit dem Produkt, sodass dieses beispielsweise zurückgegeben werden muss, kann es dennoch passieren, dass die im Zusammenhang mit der Finanzierung bereits angefallenen Kosten nicht erstattet werden. Es ist allerdings in der Summe häufig so, dass die Händlerfinanzierung finanziellen günstiger als ein Bankkredit ist.

Tipp:
Dennoch sollten Sie hier in jedem Einzelfall die infrage kommenden Angebote miteinander vergleichen und vor allem bei der Händlerfinanzierung auch auf eventuelle Zusatzkosten achten. Diese können beispielsweise in folgender Form vorhanden sein:

  • Bearbeitungsgebühren
  • Kosten bei vorzeitiger Rückzahlung
  • Kosten für Versicherung, beispielsweise Handy- oder PC-Versicherung
  • Kosten für Kreditversicherung (Restschuldversicherung)

All diese eventuellen Kosten können in der Summe dazu beitragen, dass die Händlerfinanzierung trotz eines nominal geringeren Zinssatzes letztendlich doch teurer als die Finanzierung des Kaufs über einen Bankkredit ist.

Sparen ist nach wie vor günstiger als eine Finanzierung

Im heutigen Zeitalter sind es nur wenige Verbraucher, die auf eine bestimmte Ausgabe hinsparen. Die Verfügbarkeit von Krediten und die wachsende Anzahl von angebotenen Händlerfinanzierungen führen dazu, dass nahezu jeder Kauf sofort getätigt werden kann, da er zu finanzieren ist. Trotzdem ist es natürlich nach wie vor so, dass das vorherige Sparen mit dem Ziel, den Kauf aus eigenen Mitteln heraus zu finanzieren, preiswerter als die Aufnahme eines Kredites ist. Dies trifft selbst in einer Situation zu, in der es für Guthaben auf Spar-, Tagesgeld- oder Festgeldkonten kaum noch Zinsen gibt.

Allerdings ist auf der anderen Seite festzuhalten, dass es gerade bei Null-Prozent-Finanzierungen kaum noch einen finanziellen Vorteil gibt, wenn Sie mit dem Kauf warten und den Kaufpreis dann später bar bezahlen können, weil Sie über die ausreichenden Eigenmittel verfügen. Daher ist es durchaus verständlich, dass der Trend weiterhin in die Richtung geht, selbst kleinere Ausgaben über Kredite zu finanzieren. Ändern wird sich dies vielleicht erst dann wieder, wenn ein deutlicher Wirtschaftsaufschwung im EU-Raum zu erkennen ist und die Europäische Zentralbank dazu übergeht, die Leitzinsen wieder zu erhöhen. Dann dürften die Banken nämlich auch ihre Zinsen für Ratenkredite wieder anheben, sodass eine Finanzierung möglicherweise selbst bei Händlern wieder teurer wird.

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