Das blaue Wunder – der Lavendel

Lavendel ist ein Kraut, das bereits im Mittelalter in der Kräuterkunde eingesetzt wurde. So ist es nicht verwunderlich, dass sich dieses blaue Kraut auch heute noch großer Beliebtheit erfreut. Natürlich wird es nicht nur zur Heilung eingesetzt. Ebenso selbstverständlich gibt es innerhalb der Gattung Lavendel noch unterschiedliche Arten, die ihre Eigenarten haben. Doch beginnen wir am Anfang.

Steckbrief des Lavendel

Der Lavendel (Lavendula) gehört zur Gattung der Lippenblütler (Lamiaceae). Die bekanntesten und am meisten verwendeten Arten sind der Echte Lavendel (Lavendula angustifolia), der Speik-Lavendel (Lavendula latifolia) sowie der Lavandin (Lavendula hybrida). Doch in den Vorgärten wird vorwiegend der Schopflavendel (Lavendula stoechas).  Alle Lavendelarten gehören zu den Sträuchern bzw. Halbsträuchern. Nur selten finden wir eine Lavendelart, die als ausdauernde, krautige Pflanze zu bezeichnen sind. Es zeigen sich vierkantige, junge Zweige. Das bekannte ätherische Öl ist in allen Pflanzenteilen vorhanden. Die Laubblätter sind gegenständig bis wirtelig angeordnet. Sie weisen ein ganzrandiges und dicht behaartes Erscheinungsbild auf. Aufgrund ihrer Struktur sondern sie das ätherische Öl stetig ab. Dieser Strauch wird bis zu ½ m hoch. Die Blütezeit befindet sich im Juli und August.

Sehr zur Freude der Insektenwelt tragen sie eine Vielzahl von zwittrigen Blüten. Doch nicht nur die Insekten sind für die Bestäubung der Pflanzen zuständig. Auch Vögel übernehmen diese Aufgabe sehr gerne. Wilde Vorkommen des Lavendel findet man im gesamten Mittelmeerraum, den atlantischen Inseln, Afrika, Südwestasien bis nach Indien. Davon sind sieben Arten in Europa heimisch. Nur vereinzelt finden sich wilde Vorkommen des Echten Lavendels nördlich der Alpen.

Die richtige Pflege des Lavendel

87072206 - fotolia.com - Floydine

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Zweimal im Jahr sollte man seinen Lavendel zurückschneiden. Der erste Schnitt erfolgt im Frühjahr, der zweite direkt nach der Blüte. Zweimal geschnitten breitet er sich gut aus und sorgt für eine reiche Blütenpracht. Beim ersten Schnitt, also nach dem letzten Frost und dem ersten Austrieb, kann bis zu zweidrittel zurückgeschnitten werden. Auch die verholzten und abgestorbenen Teile des letzten Jahres sind zu entfernen. Beim zweiten Schnitt ist jedoch darauf zu achten, dass man nicht in das alte Holz hineinschneidet. Dies führt oft zu einem sofortigen, neue Austreiben, was die Pflanze schwächen kann.

Grundsätzlich bevorzugt der Lavendel sonnige Standorte. Wer seinen Lavendel im Garten überwintern lassen möchte, muss beim Kauf darauf achten, dass es sich um eine winterharte Sorte handelt: Lavendula angustifolia ist die einzig wirklich winterharte Sorte. Andere Sorten wie Dwarf blue und Munstead haben sich diesbezüglich angepasst.

Gedüngt werden muss der Lavendel eigentlich nur wenig oder gar nicht. Nur geringe Dosen mit stickstoffarmen Dünger sind verträglich. Anderenfalls kann es dazu kommen, dass die Triebe in die Länge schießen, da der Stickstoff genau dies begünstigt. Hornspäne ist aus diesem Grunde nicht für die Düngung des Lavendel geeignet.

Lavendel wird über Stecklinge vermehrt. Diese werden am besten im Frühling geschnitten: Einfach einige Zweige abschneiden und die unteren Blätter entfernen. Man setzt sie in einen Topf mit Anzuchterde und spannt eine Folie oder eine durchsichtige Plastiktüte darüber, damit immer ausreichend Feuchtigkeit herrscht. Nun wird dieser Topf an einen warmen, aber nicht allzu sonnigen Platz gestellt. Es dauert einige Zeit, bis sich genügend Wurzeln gebildet haben, um die Stecklinge umzutopfen. Doch im Sommer sollte es bereits soweit sein. Wer die Stecklinge lieber direkt im Garten ziehen möchte, kann dies tun, indem er einen längeren Zweig abschneidet und ihn in die feuchte Erde steckt. Auch hier müssen die unteren Blätter entfernt werden. Sollte sich der Zweig biegen, ist er mit einem Steckholz aufzurichten.

Inhaltsstoffe des Lavendel

Als Hauptbestandteil wurde das angenehm duftende ätherische Öl der Blüten deklariert. Des weiteren sind Gerbstoffe, Flavonoide, Phytosterole und Cumarine.

Verwendung des Lavendel

Der Lavendel ist sehr vielseitig. Bereits im Garten, wo er wachsen und gedeihen darf, tut er gute Arbeit. Denn wo er gepflanzt ist, am besten in Kombination mit der Zitronenmelisse, vertreibt er recht zuverlässig Insekten aller Art, insbesondere aber die Mücken.

Soll der Lavendel als Heilkraut eingesetzt werden, wird anders vorgegangen. Geerntet wird die Pflanze, wenn die Blüten sich gerade zu entfalten beginnen. Es wird der Blühtrieb abgeschnitten. Am besten hängt man sie nun kopfunter an einem trockenen, aber dennoch kühlem Ort zum Trocknen auf. Wird die Pflanze zu schnell getrocknet, treten die ätherischen Öle relativ schnell aus und können nicht erhalten bleiben. Beim langsamen Trocknen jedoch werden sie in der Pflanze eingeschlossen und somit erhalten. Ist der Lavendelstrauss durch getrocknet, so werden die Blüten abgerebelt. Wie alle Kräutervorräte ist dieser am besten in einer großen Metalldose mit Apothekenzulassung oder einem großen braunen oder blauen Glas zu verstauen. Bei Bedarf kann man sie schnell öffnen, um gemäß der Dosierungsvorschrift ein wenig davon zu verwenden.

Das Kraut kann entweder in getrocknetem Zustand oder pulverisiert eingesetzt werden. Den häufigsten Einsatz erfährt das Lavendelkraut im Tee. Hierzu werden zwei gehäufte Teelöffel mit einem viertel Liter kochendem Wasser übergossen. Nach fünf bis zehn Minuten können die Blüten abgeseiht werden. Wie jeder Kräutertee sollte er möglichst ungesüßt getrunken werden. Geht es wirklich nicht anders, kann mit ein wenig naturreinem Honig gesüßt werden. Für Diabetiker stellt sich diese Frage natürlich gar nicht erst, da sie ihren Tee überhaupt nicht süßen sollten. Bei Magen- und Darmproblemen ist es grundsätzlich angeraten, ihn nicht zu süßen.

Wofür wird der Lavendeltee eingesetzt?

Aufgrund seiner vielfältigen Wirkung kann der Lavendel bei vielen Symtomen eingesetzt werden. Lange gezogen und langsam getrunken wirkt er beruhigend auf das gesamte Nervensystem. Dadurch hat er nicht nur auf die Nerven und die Seelen einen Einfluss, sondern auch auf die Funktion verschiedener Organe, die durch zu starkem Stress in Mitleidenschaft gezogen werden können. Hier ist insbesondere das Herz zu nennen. Doch auch Magen und Galle sowie der restliche Verdauungstrakt profitieren von dieser Wirkung.
Allgemein kann er bei Verdauungsproblemen wie Durchfälle oder Gärungsprobleme jeglicher Genese eingesetzt werden. Allerdings wird er, wie auch bei anderen Symtomenbildern, selten alleine eingesetzt. Für gewöhnlich finden wir den Lavendel als Bestandteil einer Kräuterteemischung. Denn er unterstützt auf der anderen Seite auch bestens die Wirkung anderer Kräuter. Der Lavendel kann vollkommen ohne Nebenwirkungen eingesetzt werden. Auch eine Langzeitanwendung ist durchaus praktikabel, sollte dann aber doch mit einem Arzt oder Heilpraktiker, der sich gut in Kräuterkunde auskennt, abgesprochen werden. Für die Selbstmedikation empfiehlt sich eine Daueranwendung von Kräutern allgemein nicht.

Wie wir wissen, ist der Lavendel schon seit vielen Jahren in der mitteleuropäischen Kräuterkunde bekannt. Daraus ergibt sich eine Vielzahl von unterstützenden Einsatzmöglichkeiten:

  • Appetitlosigkeit
  • Blutandrang zum Kopf
  • Blähungen
  • Kolik
  • Übelkeit
  • Schwindel
  • Ohnmacht
  • Migräne
  • Kopfschmerzen
  • Schlafanfall
  • Nervenschwäche
  • Gelbsucht
  • Leber- und Milzerkrankungen
  • Beginnende Wassersucht
  • Lähmungen
  • Gliederschmerzen
  • Rheuma
  • Gicht

Besondere Anwendungen des Krauts

Ein Lavendel-Bad ist etwas Besonderes. Hierfür werden 50 – 60g Blüten mit einem Liter Wasser übergossen und zum Sieden gebracht. Nach gut zehn Minuten wird abgeseiht und der Sud einem Vollbad zugefügt. Besonders Menschen mit einem niedrigen Blutdruck (Hypotoniker) werden durch dieses Bad erfrischt. Auch Personen mit überreizten Nerven erfahren durch das Lavendelbad Entspannung und eine ausgleichende Beruhigung.

Auch der Lavendelspiritus kommt recht häufig zur Anwendung. Denn er verschafft Erleichterung bei rheumatischen Erkrankungen. Die betroffenen Gliedmaßen werden bei Bedarf mit dem Lavendelspiritus eingerieben.

Das Lavendelöl

Das Lavendelöl ist eine Herausforderung, der kaum ein privater Gärtner nachkommen kann. Denn um das echte, ätherische Öl aus den Lavendelblüten zu destillieren, ist ein großer technischer Aufwand notwendig. Zudem werden Unmengen an Lavendelblüten benötigt. Für einen Liter Lavendinöl werden 20 bis 40 kg Lavendelblüten der Sorte Lavendel Intermedia benötigt. Er ist äußerst ertragreich. Um einen Liter echten Lavendelöls herzustellen werden sogar 150 – 170 kg Blüten eingesetzt! Was allerdings auch für den Hobbygärtner möglich ist, ist die Herstellung von „einfachem“ Lavendelöl. Hierzu wird folgendes benötigt:

  • Trägeröl, wie hochwertiges Distelöl, Mandelöl oder Olivenöl. Geruchsneutrale Öle lassen sich allerdings besser für ein gutes Ergebnis einsetzen.
  • Ein gut verschließbares, großes Glas
  • Lavendel: Blüten, Blätter und Stengel

Der Lavendel wird locker in das Glas gefüllt. Damit das Öl die ätherische Öle besser aufnehmen kann, sollte der Lavendel im Vorwege ein wenig zwischen den Finger zerrieben bzw. gerollt werden, um die Poren zu öffnen. Nun wird mit dem Trägeröl aufgefüllt und das Glas fest verschlossen. An einem warmen Ort sollte es nun mindestens vier Wochen gelagert und täglich einmal geschüttelt werden. Danach ist es an der Zeit abzuseihen. Neu abgefüllt wird das Öl danach wie jedes andere Öl, kühl und dunkel, gelagert.  Dieses „einfache“ Lavendelöl kann wunderbar als Massageöl oder Badezusatz eingesetzt werden. Auch als Raumduft kann man es verwenden.

Lavendelöl, selber, aber auch professionell hergestellt, sollte immer in einer Glasflasche gelagert werden. Der Kontakt zu Kunststoffen oder Metall kann zu unerwünschten, chemischen Reaktionen führen, die für einen gewissen Zeitraum sogar unentdeckt bleiben können.

Lavendel öffnet Geist und Seele, so sagt man. Wer sich fühlt, als wäre er in einem Gedankenkreis gefangen oder käme nicht mehr zur Ruhe, egal, was er auch versucht, der sollte ein Tüchlein mit einigen Lavendelöl-Tropfen stets bei sich führen und bei Bedarf daran schnuppern. Diese Methode kann auch im Alltag zu einer schnellen Beruhigung führen. Gleichzeitig wird der Geist, also unser Verstand, in die Lage versetzt, sich auf die eigentlichen, aktuellen Anforderungen zu konzentrieren. Natürlich kann der Lavendel keine Alltagssorgen lösen oder gar von einem nehmen, aber er kann ein wenig mehr Licht und Freude in den Alltag bringen. Denn genau dies ist die Wirkung, die er auf grübelnde Menschen ausübt. Sie können sich zurücklehnen und ausatmen, um danach in Ruhe weiter zu machen. Diese Wirkung lässt einen auch erahnen, warum Lavendel in früherer Zeit so gerne von den Hausfrauen versorgt wurden. Nicht nur, dass dieser Duft alle Bewohner, aber auch Besucher des Hauses friedlich stimmt. So war es nicht verwunderlich, dass viele Häuser im Lavendelduft gebadet schienen.

Lavendel-Rezepte in der Küche

Auch wenn es nicht auf Anhieb plausibel erscheint, kann der Lavendel auch zum Backen und Kochen als Gewürz eingesetzt werden. Hier einige Beispiele:

  • Lavendel-Sirup
  • Lavendel-Haferflockenkekse
  • Lavendel-Honig-Eis
  • Lavendel-Kräuterbutter mit Honig und Balsamicocreme
  • Französische Lavendel-Limonade
  • Apfel-Lavendel-Gelee
  • Lavendel-Vollkornbrot
  • Mediterranes Gewürzsalz

Dies ist nur eine kleine Aufzählung der vielen Rezepte, die es zu diesem Gewürz gibt. Wer ihm verfallen ist, scheint kein Halten mehr zu kennen. Beschäftigt man sich intensiver mit allen gegebenen Möglichkeiten der Verwendung, wird man feststellen, dass er auch hier wieder seine vielfältige Seite zeigt.

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