Agave – nicht nur ein Nahrungsmittel

Die Agave sieht auf den ersten Blick recht unscheinbar aus. Dass sie für den menschlichen Konsum von großer Bandbreite ist, ist ihr kaum zuzutrauen. In Mexiko beispielsweise, wird sie häufig für die lokale Küche genutzt und im gerösteten Zustand, können Süßigkeiten aus ihr produziert werden.

Mittlerweile gibt es 288 unterschiedliche Arten der Pflanze, wovon allein 274 im Süden Mexikos zu finden sind. Es gibt wildwachsende Agaven und auch kultivierte Pflanzen, wobei die Wachstumsphasen unterschiedlich lang sind. In der Regel wird die Agave angustifolia genutzt, die nicht sehr hoch wächst, und einen hohen Gehalt an verwertbaren Zuckern aufweist.

Die Geschichte der Agave

Besonders von den alten amerikanischen Völkern wird die Agave schon seit Jahrtausenden eingesetzt. Sie kann vielfältig verarbeitet werden. Aus der Pflanze wurde nicht nur Kleidung hergestellt, sondern auch Schuhe, Baumaterial, Werkzeuge und Papier.

Das Wissen, dass aus der Agave auch Alkohol gefertigt werden kann, brachten die Spanier nach Amerika. Auf den Ursprung weisen die arabischstämmigen Worte alambique (Destillierapparat) und alcohol hin.

Bei uns ist die Agave speziell als Zimmer – und Kübelpflanze bekannt. Je nach Art gibt es grüne, bläulich – grün gefärbte oder mehrfarbige Pflanzen. Das Wasser können Agaven in ihren dickfleischigen Blättern speichern, welches sie vor dem Austrocknen schützt. Längere Trockenphasen sind für sie also kein Problem.

Auffallend gut wächst die Agave in Wüsten und Halbwüsten. Auch im Mittelmeerraum oder den griechischen Inseln ist die Pflanze zu finden. Erkannt werden kann sie, an ihrem mächtigen Wuchs, denn in diesen Gebieten wächst sie überwiegend in der freien Natur.

Die Agave oder auch Sukkulente genannt, hat in Mexiko und in Mittelamerika bis heute eine enorme ökologische Bedeutung. Sie ist ein wichtiger Faserlieferant und zudem kennt auch hier jeder den gesunden Agavendicksaft. Für diejenigen, die dem Alkohol nicht abgeneigt sind, ist der Tequila, ein hochprozentiger Schnaps, ein weiteres begehrtes Produkt, das aus Agaven gewonnen wird.

Inhaltsstoffe der Agave

Die Agave ist auch eine Heilpflanze, die bei Verstopfung und anderen Beschwerden hilfreich eingesetzt werden kann. Hierzu wird die artenreichste Art der Agave genutzt, die aus der Familie der Spargelgewächse kommt. Die Asparagaceae ist eine Unterfamilie, wobei es wiederum verschiedene Unterarten gibt. Die Agave selber, ist leicht giftig und wirkt:

  • harntreibend
  • schweißtreibend
  • hautreizend
  • antibakteriell
  • abführend

Unter anderem enthält die Pflanze folgende Inhaltsstoffe:

Saponine wie Hecogenin
Oxalsäure
scharfes ätherisches Öl
Rhamnose
Xylose
Polysaccharide, überwiegend Inulin

Hinweis:
Da die Pflanze in geringem Maß giftig ist, kann der Saft trotzdem zu schweren Hautreizungen und sogar zu Bindehautentzündungen führen, wenn dieser über die Hände in die Augen gelangt. Tritt Saft ungewollt aus der Pflanze heraus und kommt mit der Haut in Berührung, müssen sofort die Hände gründlich gesäubert werden.

Im Jahr 1609 erkannten die südamerikanischen Indianer bereits die heilende Wirkung bei Warzen und sogar krebsartige Geschwüre sollen angeblich damit geheilt worden sein. Fakt ist, der Saft hat eine antiseptische Wirkung und die Blätter, können nicht nur bei Verbrennungen, sondern auch bei Wunden oder Pilzerkrankungen für Linderung sorgen. Hierzu sollten die Blätter längs aufgeschnitten und auf die betreffenden Stellen gelegt werden.

Anwendungsgebiete der Agave

In Deutschland kommt überwiegend der Dicksaft der Agave zum Einsatz. Dieser ist für Diabetiker ein geeigneter Zuckerersatz und überaus beliebt bei Veganern und Rohkostlern. Der Saft wird aus unterschiedlichen Arten der Pflanze gewonnen.

Da der Saft nach der Gewinnung aus dem inneren Kern nicht lange haltbar wäre, wird er zuerst gefiltert und danach erhitzt. So entsteht der eigentliche Dicksaft, der eine Sirup artige Konsistenz aufweist, in der Farbe dunkelgelb ist und einen sehr hohen Fructoseanteil aufweist. Er besitzt deutlich weniger Glucose, daher hat Agavendicksaft den niedrigsten glykämischen Index unter allen Süßungsmitteln, die es auf dem Markt gibt.

Zudem wird seine verdauungsregulierende und abführende Wirkung als Naturprodukt geschätzt, er kann also hilfreich sein bei Verstopfungen und bei Magengeschwüren. Allerdings sollte er nicht überdosiert eingenommen werden, denn dann kann der Saft, zu heftigen Verdauungsstörungen führen.

Achtung:
Schwangere sollten unbedingt auf den Genuss von Agavendicksaft verzichten. Wegen der abführenden Wirkung, kann es gerade in den ersten Monaten einer Schwangerschaft, ansonsten zu Komplikationen kommen.

Folgende Anwendungsgebiete können mit dem Dicksaft behandelt werden:

Innere Anwendung:Äußere Anwendung:
Osteoporose VorbeugungVerbrennungen
allgemeine SchwächeWunden
VerstopfungenPilzerkrankungen der Haut
Augenleiden 
Rückenschmerzen

In Tee Mischungen sollte die Agave nur niedrig dosiert genossen werden. Sie ist äußerlich und innerlich anzuwenden und kommt gerade in der Homöopathie zum Tragen. Agavensirup oder der Dicksaft werden in der Hauptsache zur Produktion von Tequila eingesetzt, haben sich bei uns jedoch als natürliches Süßungsmittel durchgesetzt. Die heilenden Wirkungen, die der Agave zugesprochen werden, liegen an folgenden Inhaltsstoffen:

Fructose:

Agavensirup hat einen enorm hohen Anteil an Fructose. Dieses ist ein Fruchtzucker, durch den der Sirup sehr süß wird. Aus diesem Grund wird der Saft als natürliches Süßungsmittel eingesetzt. Beim Kauf sollte darauf geachtet werden, dass das Produkt keine weiteren künstlichen Zuckerstoffe beinhaltet. Der Fruchtzuckeranteil liegt bei rund 90 Prozent.

Glucose:

Ebenso findet sich im Agavensirup Glucose. Hiervon sind es lediglich gut 10 Prozent. Da Glucose ein Grundbaustein für die Stärke im menschlichen Körper ist, kann diese geringe Menge keinen Schaden anrichten.

Inulin:

Weiterhin ist Agavendicksaft reich an Polysaccharid (Inulin), dieser besteht aus 9 Fructose – und einem Glucose Anteil. Inulin sorgt dafür, dass der Saft außerordentlich süß ist und daher als Ersatz für herkömmlichen Zucker dienen kann. Zudem ist das ein Grund, dass auch Diabetiker ihn ohne Probleme verwenden können.

Kohlenhydrate:

Agavensirup hat jede Menge Kohlenhydrate, die der Körper dringend benötigt. Sie helfen unter anderem den Stoffwechsel in Schwung zu bringen und außerdem reinigen sie den Darm, sowie auch den Magen.

Eiweiß:

Im Agavensirup findet sich Eiweiß, das für den Muskelaufbau zuständig ist. Sportler wissen aus diesem Grund den Sirup zu schätzen, denn er kann ebenso die Muskeln reparieren und sie stärken. Unter anderem hilft das Eiweiß auch, das menschliche Knochengerüst aufzubauen.

Diese Wirkungen kann der Agavensirup haben

Die Agave ist für den menschlichen Körper ein wertvoller Energiespender. Die wichtigen Inhaltsstoffe sorgen dafür, dass die Pflanze etliche Wirkungen besitzt. Durch den hohen Zuckeranteil, ist sie ein guter Energielieferant. Fructose kann direkt umgesetzt und in Energie umgewandelt werden. Sportler wissen das zu schätzen, denn schon nach kurzer Zeit erfolgt ein wahrer Energieschub.

Agavensirup kann weiterhin lange gelagert werden. Er besitzt eine außerordentlich gute Gefrierfähigkeit, denn durch das Absenken der Temperatur, kristallisiert der Sirup und der Nutzer kann ihn aus diesem Grund lange in der Gefriertruhe aufbewahren. Genauso kann er gut als Zuckerersatz zur Herstellung von Marmelade und Gelees genutzt werden.

Prädestiniert ist der Sirup, wegen dem Fehlen jeglicher tierischer Stoffe, gerade für Veganer. Da sie keine Teile von lebenden und toten Tieren verzehren, können sie sogar Honig mit ihm ersetzen. Zudem ist der Agavensirup, eine Möglichkeit für Diabetiker, nicht auf einen Süßstoff zu verzichten. Da sich im Sirup Inulin befindet, kann er anstelle von Zucker verwendet werden.

Eventuelle Nebenwirkungen

Agavensirup hat positive Wirkungen auf die Gesundheit des Menschen, es kann jedoch auch zu Nebenwirkungen kommen. Da der Sirup einen ziemlich hohen Fruchtzuckeranteil besitzt, ist damit zu rechnen, dass der Blutzucker erhöht wird. Personen, die schon einen hohen Blutzuckerspiegel aufweisen, sollten vorsichtig mit dem Sirup umgehen. Zudem müssen Diabetiker angemessene Dosen verzehren.

Vorsicht:
Bei Überdosierungen kann es wegen dem hohen Fruchtzuckeranteil durchaus zu Leberschäden kommen. Der Fruchtzucker hat eine ähnliche Wirkung wie Alkohol und kann sich darum schädigend auf das Organ auswirken. Wer regelmäßig zu hohe Dosen verzehrt, kann damit rechnen, dass größere Mengen in der Leber abgelagert werden. Dieses kann wiederum zu Leberschäden, wie beispielsweise einer Leberzirrhose führen.

Der Fruchtzucker birgt noch ein weiteres Risiko, denn er kann Gicht hervorrufen. Grund dafür ist, dass sich der Zucker in den Gelenken ablagert und diese nicht mehr entsprechend durchblutet werden. Grundsätzlich gilt dies für Diabetiker und ältere Personen, die ohnehin schon zu Gelenkschmerzen neigen.

Dosierungsvorschläge

In Supermärkten erhältlich, sind unterschiedliche Arten von Agavensirup und Agavendicksäften. Je nach Zweck sollte zu verschiedenen Varianten gegriffen werden. Diese reichen von durchsichtiger bis dunkler oder roter Farbe mit mehreren Konsistenzen.

Der mittelstarke Sirup ist geeignet für Speisen und Getränke, da er über einen leicht karamellartigen Geschmack verfügt. Bei Getränken ist er ein beliebtes Süßungsmittel, der ihm nochmals eine besondere Note geben kann. Alternativ darf auch der durchsichtige Sirup zum Einsatz kommen, der ist nicht nur geschmacksneutral, sondern kann auch bei mild gewürzten Speisen eingesetzt werden.

Um Waffeln, Kuchen oder Pfannkuchen aufzuwerten, sollte es die dickflüssige, dunkle Variante sein. Diese schmeckt äußerst karamellig und ist zudem sehr süß. Trotzdem muss auf eine genaue Dosierung wert gelegt werden, damit entsprechende Nebenwirkungen gar nicht auftreten. Vor dem Gebrauch sollten Patienten, mit einem hohen Blutzuckerspiegel oder einer Lebererkrankung, die Nutzung mit ihrem Arzt besprechen.

Die Alternative zu herkömmlichen Zucker

Die Agave wird in der Regel zu Agavendicksaft verarbeitet und dieser ist eine Alternative für unseren normalen Zucker. In der Küche wird der Saft als natürliches Süßungsmittel eingesetzt und erfreut sich, gerade in den letzten Jahren, bei uns immer größerer Beliebtheit.

Schon die Azteken wussten die vielen positiven Eigenschaften der Agave zu schätzen, denn der Ursprung der Pflanze liegt in Mexiko. In unseren Breitengraden wird die Agave eher als dekorative Pflanze geschätzt. Doch gerade bei Vegetariern und Veganer wird sie als Süßungsmittel ohne tierische Stoffe genutzt.

Weiterhin ist die Agave eine Heilpflanze und ein bekanntes Naturheilmittel, die bei der Beschleunigung der Wundheilung gute Dienste leistet. Ebenso ist sie in der Lage, Entzündungen zu reduzieren.

Hinweis:
Die Agave wirkt antibakteriell, harn – und schweißtreibend und wird gern bei Verstopfung genutzt. Da sie jedoch eine leicht toxische Wirkung besitzt, darf der Pflanzensaft nur in niedrigen Dosen verabreicht werden.

Einsatzmöglichkeiten

Die Pflanze kann bei folgenden Erkrankungen und Beschwerden eingesetzt werden:

  • Brandwunden, Verbrennungen
  • Abgeschlagenheit, Erschöpfungszuständen, Schlappheit, allgemeine Schwäche
  • Gelenkentzündungen, Gelenkschmerzen
  • Knochenschwund
  • Hautkrankheiten
  • Rheuma
  • Schürfwunden
  • Rückenschmerzen
  • Übergewicht, Fettleibigkeit, Fettsucht
  • Zahnschmerzen

In der heutigen Zeit wird die Agave gern in unseren Regionen gepflanzt. Gärtner sollten sich jedoch im Klaren sein, dass die Pflanze eine Höhe von bis zu 3 Metern erreichen kann. Ihre Lebenserwartung liegt bei rund 20 Jahren, wobei sie kurz vor dem Absterben, einen mehrere Meter hohen Blütenstand erreicht.

Bevorzugt wird von der Agave ein trockener Untergrund, wobei die Pflanze im Stande ist, enorme Wassermengen zu speichern. Ein Ausdörren wird verhindert, da die Agave über fleischige, stachelige Blätter verfügt. Darum ist sie auch in heißen Zonen heimisch, sogar in der Wüste ist es für sie ein Leichtes, über einen langen Zeitraum zu überleben.

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