Augentrost – Hilfe gegen trockene Augen?

Euphrasia officinalis, der Gemeine Augentrost, gehört zur Familie der Sommerwurzgewächse und gilt als halbschmarotzende Pflanze, die sich mit ihren so genannten Saugwurzeln von den umgebenden Graswurzeln ernährt und diese die Nährstoffe entzieht. Augentrost hat deshalb auch die Beinamen „Milchdieb“ und „Wiesenwolf“.

Der Name lässt es eigentlich schon vermuten: Augentrost soll die klassische Heilpflanze für Beschwerden der Augen sein. Da sie eine Hemmung von Entzündungen bewirken kann, wird sie aber auch bei Beschwerden anderer Schleimhäute in der Volksmedizin eingesetzt. Eine Anwendung ist dabei sowohl äußerlich als auch innerlich möglich.

Augentrost – Kleine Pflanzenkunde

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Augentrost ist eine einjährige Pflanze, welche eine Wuchshöhe von etwa 30 Zentimetern erreicht und im mitteleuropäischen und asiatischen Raum beheimatet ist. Der Gemeine Augentrost gedeiht vor allem auf Wiesen, an Ufern, an Berghängen, auf Weiden und in Wäldern.

Der botanische Name des Gemeinen Augentrosts, Euphrasia, stammt vom griechischen Wort „euphrosyne“ ab, welches mit „Freude“, „Frohsinn“ oder auch „Wohlbefinden“ übersetzt wird. Der Name der Art, „officinalis“, weist auf seine Verwendung als Heilpflanze hin.

Der aufrechte, einfache oder auch verzweigte Stängel bildet sich aus dem Rhizom (Wurzelstock) mit seinen Saugwurzeln. Am Stängel finden sich gegenständig angeordnete, grasgrüne Blätter. Sie weisen eine längliche, ovale und lanzettliche Form auf, welche scharf gesägte Ränder mit drei bis sechs Zähnen zeigt. Die Blätter des Gemeinen Augentrosts haben eine durchschnittliche Länge von etwa 17 Millimetern.

Die Blütezeit ist von Juni bis Oktober, während dieser entstehen die weißen, gelben und violetten Blüten, welche in Ähren angeordnet sind und sich in den obersten Blattachseln befinden. Sie bestehen aus einem Kelch mit vier Zähnen und einer Blumenkrone mit zwei Lippen. Die Krone ist etwa zwei Zentimeter lang, die Oberlippe ist zweilappig, helmförmig und gewölbt. Sie zeigt einen zurückgeschlagenen Saum. Die Unterlippe der Blüte weist violette Längsstreifen oder Äderchen mit hellem oder dunklem Fleck auf und verfügt über drei Zipfel. Unter der Oberlippe sind zudem vier Staubgefäße zu finden, aus denen eine Narbe hervorragt.

Kleine Kapseln bilden die Früchte des Gemeinen Augentrosts. In ihnen sind viele, eiförmige und braunfarbene Samen enthalten.

Geschichte des Augentrosts als Heilpflanze

Bereits seit dem Mittelalter schätzt die Augenheilkunde den Gemeinen Augentrost. Wissenschaftliche Studien über die heilende Wirkung gibt es über die Pflanze bislang jedoch noch nicht, weshalb sie nur in der alternativen Heilkunde (z. B. Homöopathie und Anthroposophie) zur Linderung von Augenbeschwerden eingesetzt wird.

Schon die Kelten, eines der größten und auch einflussreichsten Völker in der Frühgeschichte Europas und der Antike, kannten Euphrasia als „Augenkraut“. Erst im Mittelalter wurde die Heilpflanze jedoch in Kräuterbüchern beschrieben.

Paracelsus (1493 – 1541), ein berühmter Schweizer Arzt und Alchemist, interpretierte seinerzeit die Blüte von Augentrost aufgrund ihrer Erscheinung als Signatur der Augen. Kräuterbücher aus dem 16. und 17. Jahrhundert empfehlen Augentrost zur Behandlung von Gelbsucht und auch bei Augenausfluss. Auch Pfarrer Kneipp nutzte Augentrost, zu seiner Zeit aber als Mittel zur Stärkung des Magens.

Augentrost – Herstellung von pharmazeutischen Produkten

Das in der Blütezeit oberirdische Kraut wird für die Herstellung von pharmazeutischen Produkten verwendet und zwischen Juni und Oktober geerntet. Geeignet sich vor allem die größeren Pflanzen, denn in ihnen ist die Konzentration der wirksamen Inhaltsstoffe am höchsten. Die Pflanzenteile werden nach der Ernte gebündelt und an einem luftigen und schattigen Platz zum Trocknen aufgehangen.

Aus dem Gemeinen Augentrost gewonnene pharmazeutische Mittel bestehen also aus dem oberirdischen, getrockneten Augentrostkraut. Die Droge enthält neben den Blättern auch den Stängel sowie die Blüten und sehr vereinzelt auch die Fruchtkapseln. „Euphrasia herba“ ist die Drogenbezeichnung des Augentrostkrauts. In der Heilkunde finden neben „Euphrasia officinalis“ auch die Arten „Euphrasia rostkoviana“ und „Euphrasia stricta“.

Augentrost und seine Inhaltsstoffe

Zur medizinischen Verwendung kommt das oberirdische Kraut des Gemeinen Augentrosts während der Blütezeit zum Einsatz. Die darin enthaltenden, wirksamen Inhaltsstoffe sind Iridoidglykoside (Aucubin), Gerbstoffe (Gallotannine), Lignane, Flavonoide, Phenalcarbonsäuren, Alkaloidspuren, Bitterstoffe sowie eine geringe Menge an ätherischen Ölen.

Augentrost und seine Wirkung

Den Inhaltsstoffen des Gemeinen Augentrosts werden folgende Wirkungen nachgesagt:

  • entzündungshemmend
  • wundheilend
  • antibakteriell
  • verdauungsfördernd
  • appetitanregend
  • zusammenziehend (adstringierend)
  • kräftigend
  • abschwellend

In der alternativen Heilkunde wird Augentrost aus diesem Grund sehr oft zur äußerlichen Behandlung von Augenentzündungen, Konjunktivitis (Bindehautentzündung), Gerstenkörnern, Entzündungen des Lidrandes (Blepharitis) oder auch bei müden und überanstrengten Augen sowie Augenbrennen angewendet.

Innerlich angewendet soll Augentrost in Form von Tees auch bei Erkältungen gegen Husten, Schnupfen, Halsschmerzen sowie Heiserkeit oder auch bei Verdauungsproblemen hilfreich sein.

Die Kommission E des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte hat aus hygienischen Gründen eine Negativbewertung zu Euphrasia officinalis für die äußerliche Anwendung ausgesprochen, auch wenn es mittlerweile eine Studie über die Verträglichkeit von Augentrost bei Behandlungen von Bindehautentzündungen gibt.

Die ärztliche Erfahrungsheilkunde bildet die Basis für die traditionelle Anwendung von Augentrost in der Volksmedizin.

Hat Augentrost Nebenwirkungen? Wann sollte Augentrost nicht verwendet werden?

Wird Augentrost richtig angewendet und dosiert, ist nicht mit Nebenwirkungen zu rechnen. Selten kann es zu einem Brennen, einer Rötung und Juckreiz oder auch einem Fremdkörpergefühl in den Augen kommen. In der Regel verschwinden diese Probleme aber innerhalb kürzester Zeit wieder. Es ist jedoch notwendig, einen Arzt aufzusuchen, sofern nach zwei Behandlungstagen mit Augentrost keine Besserung der Symptome eintritt.

Von einer Anwendung wird abgeraten, wenn Menschen empfindlich auf Augentrost reagieren. Während Schwangerschaft und Stillzeit sollte keine innerliche Anwendung von Augentrost erfolgen, da hier keine wissenschaftlichen Studien zur Unbedenklichkeit vorliegen.

Augentrost und seine Anwendung in Phytotherapie und Volksmedizin

Seit jeher verwendet die traditionelle Volksmedizin Euphrasia officinalis als Heilpflanze. Hier kommt sie sowohl innerlich als auch äußerlich bei Augenkrankheiten (z. B. Entzündungen, Gerstenkörner) zur Anwendung. Auch bei Infekten und Erkältungserkrankungen wird Augentrost in der Volksmedizin eingesetzt. Typische Anwendungsgebiete sind zudem Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Magenbeschwerden oder auch Erkrankungen der Haut.

In der Apotheke sind unterschiedliche Fertigpräparate mit Euphrasia officinalis erhältlich. Vorrangig werden hier Tropfen angeboten, aber auch loses Augentrostkraut für die Zubereitung von Tees ist erhältlich. Allerdings sollte ein Augentrost-Tee nie zur Spülung der Augen angewendet werden, hierfür sind konservierte Euphrasia-Präparate besser geeignet.

Zubereitungsmöglichkeiten für Augentrost

Augentrostkraut kann auf vielfältige Weise zubereitet und angewendet werden. Zur äußerlichen Waschung wird es gern als Tee für Waschungen und Auflagen zubereitet, doch auch innerlich kann Tee zur Anwendung kommen.

Augentrost-Tee

Augentrost-Tee wird mit etwa zwei Gramm (ein bis zwei Teelöffeln) getrockneten Augentrostkrauts und 250 Milliliter kaltem Wasser angesetzt und dann aufgekocht. Für etwa zehn Minuten sollte der Aufguss köcheln, bevor das Kraut durch ein Sieb abgeseiht wird. Drei Mal täglich kann von dem Tee eine Tasse zwischen den Mahlzeiten getrunken werden.

Umschläge und Auflagen mit Augentrost-Tee

Für Umschläge und Auflagen wird der Tee aus fünf Esslöffeln getrocknetem Augentrostkraut und etwa 250 Milliliter kaltem Wasser angesetzt und aufgekocht. Nach einer Köchelzeit von etwa zehn Minuten wird das Kraut abgeseiht und der Tee in noch warmen, möglichst sogar heißen Zustand angewendet. Hierzu wird ein Wattepad (alternativ: Mullbinde, Umschlag, Kompresse) mit dem Aufguss getränkt und auf die geschlossenen Augen gelegt. Die Anwendung kann zwei- bis dreimal täglich erfolgen.

Waschungen mit Augentrost-Tee

Für Waschungen mit Augentrost-Tee wird ein Teelöffel getrocknetes Augentrostkraut mit etwa 150 Milliliter kaltem Wasser angesetzt und aufgekocht und muss etwa fünf bis zehn Minuten köcheln, bevor es abgeseiht wird. Eine Waschung kann drei- bis viermal täglich erfolgen.

Kompressen mit Augentrost-Tee

Kompressen mit Augentrost-Tee werden mit einem Stofftuch (Baumwolle oder Leinen) gemacht. In eine Schüssel oder Glasschale werden hierzu etwa fünf bis 20 Milliliter des Tees und 500 Milliliter heißes Wasser gegeben und dann das saubere, weiche Stofftuch mit dem Aufguss getränkt. Die Flüssigkeit wird anschließend ausgedrückt und das Tuch auf die geschlossenen Augen gelegt. Der Vorgang wird wiederholt, sobald das Tuch abgekühlt oder getrocknet ist.

Alkoholische Tinktur mit Augentrostkraut

Um eine alkoholische Tinktur mit Augentrost herzustellen, wird ein verdünnter Weingeist, Wodka oder auch Korn benötigt. Augentrost und Alkohol werden dann in einem Verhältnis von 20 zu 100 in eine Flasche oder ein Schraubdeckel-Glas gegeben. Die Mischung muss etwa fünf bis zehn Tage ziehen und wird danach in eine dunkle Flasche abgeseiht und filtriert. Die Tinktur hält sich etwa fünf Jahre und kann äußerlich angewendet werden. Hierfür werden etwa zehn bis 30 Tropfen der Tinktur in Wasser aufgelöst.

Augentrost im heimischen Garten anbauen

Der Gemeine Augentrost ist gut zum Anbau im heimischen Garten geeignet. Hinsichtlich der Beschaffenheit des Bodens sowie beim Standort sollten aber einige Bedingungen erfüllt sein, um die krautige einjährige Pflanze gut gedeihen zu lassen. Bereits bei der Aussaat sollte bedacht werden, dass es sich um einen so genannten Halbschmarotzer handelt, welcher seine Versorgung durch Wasser und Nährsalze der benachbarten Pflanzen sicherstellt. Diese gedeihen also schlechter, weshalb Gras- und Rasenflächen für die Anpflanzung bevorzugt werden sollten. Die bestehenden Flächen werden hierzu etwas aufgelockert, die Anpflanzung kann aber auch in größeren Schalen erfolgen.

Der Gemeine Augentrost ist ein so genannter Licht- und Kaltkeimer. Die Samen sollten also nur leicht in den Boden gedrückt werden, um die Keimung zu ermöglichen. Kaltkeimer benötigen eine längere Kälteperiode, damit sie überhaupt keimen können. Die Aussaat erfolgt also bestenfalls Mitte Oktober bis Anfang November. Beim Standort ist Euphrasia officinalis vergleichsweise anspruchslos. Der Boden muss nicht nährstoffreich, dafür aber locker bis sandig und durchlässig sein. Gedüngt werden muss die Pflanze nicht, da sich dies sogar negativ auf das Wachstum auswirken könnte, denn Augentrost stirbt bei einem Übermaß an Nährstoffen leicht ab.

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