Braunhirse – Ein glutenfreies naturbelassenes Supertalent?

Hirse gilt als älteste Sorte unter den kultivierten Getreidearten. Seit Urzeiten gilt sie als wertvolles Lebensmittel. In der Hirsefamilie nimmt die Braunhirse eine besondere Stellung ein. Zwar sind Braunhirsemehle bekannt und auch ein roher Verzehr als Korn ist möglich, jedoch sind Nahrungsergänzungsmittel mit dieser Hirseart wesentlich bekannter. Dabei soll Braunhirse bei verschiedenen Beschwerden hilfreich sein, wenngleich auch oft behauptet wird, ihr Verzehr würde sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Doch was ist dran an den Wirkungen und den Bedenken dazu?

Braunhirse – Botanischer Ausflug

Ist von Braunhirse die Rede, dann geht es dabei um die rotorange Form der Rispenhirse. Sie gehört zur Gattung der Rispenhirsen und damit zur Familie der Süßgräser. Bekannt ist die Braunhirse auch unter den Namen Rothirse sowie im englischen Sprachraum unter Red Millet, Proso Millet und Common Millet. Von anderen Hirsearten unterscheidet sie sich in der rötlich-braunen Farbe der Schale.

Grundsätzlich erfolgt die Kultivierung von Braunhirse aus ursprünglichem Saatgut. Es erfolgen also weder Genmanipulationen noch Hybridbehandlungen oder auch Züchtungen. In Bezug auf ihren Nährstoffgehalt unterscheidet sich die Braunhirse deshalb auch von vielen anderen Hirsearten. Sie gedeiht hervorragend auf erwärmbaren humosen und lehmigen Sandböden, reagiert aber auf Bodenverdichtungen eher sensibel. Auf den Erhalt der Nährstoffe haben ein boden- sowie umweltschonender Anbau und auch eine organische Düngung positive Auswirkungen. Gleiches gilt für eine Fruchtfolge mit hohem Anteil an Hülsenfrüchten.

Da die Reifung der einzelnen Körner von der Rispenspitze aus erfolgt, lässt sich für die Braunhirse kein genauer Erntezeitpunkt bestimmen. Oft sind vor allem die oberen Körper in Gegenden mit viel Wind schon ausgefallen, während die unteren Körner noch unreif sind. Erntereif ist die Braunhirse in der Regel gegen Ende August und Anfang September. Das Dreschen muss unter geringer Feuchtigkeit erfolgen, anschließend ist eine schnelle Trocknung notwendig.

Braunhirse – Ein glutenfreies Nährstoffwunder

Zunächst ist die Braunhirse vor allem Eines: Frei von Gluten. Für Menschen mit Zöliakia ist das von Vorteil, aber auch andere Menschen ohne Zöliakie vertragen Gluten nicht unbedingt. Durch das Klebereiweiß werden unterschiedliche Symptome wie Bauchschmerzen, Durchfall, Blähungen, Verstopfung, Erbrechen oder auch Veränderungen der Haut, Kopfschmerzen, Müdigkeit sowie Reizbarkeit, depressive Verstimmungen, Blutarmut und Gewichtsverlust ausgelöst.

Da Braunhirse glutenfrei ist, stellt sie eine gute Beilage zu verschiedenen Speisen dar und kann auch ohne Bedenken als Nahrungsergänzung zum Einsatz kommen.

Doch nicht nur die gute Verträglichkeit zeichnet die Braunhirse aus. Sie enthält zudem eine Vielzahl an Mikronährstoffen, die für den menschlichen Organismus wichtig sind. So finden sich in Braunhirse neben Wasser, Kohlenhydraten, Ballaststoffen, Eiweißen und Fetten auch folgende Vitamine sowie Mineralstoffe und Spurenelemente:

  • Eisen
  • Flour
  • Kalium
  • Kalzium
  • Kieselsäure
  • Magnesium
  • Natrium
  • Phosphor
  • Schwefel
  • Zink
  • Vitamin B1
  • Vitamin B2
  • Vitamin B6
  • Folsäure
  • Niacin
  • Pantothensäure

Vor allem in der Schale sind die Inhaltsstoffe in konzentrierter Form enthalten. Da gemahlene Braunhirse nicht geschält wird, können die Nährstoffe dem Körper natürlich hervorragend zugeführt werden. Ungemahlen werden die Hirsekörner allerdings geschält und entspelzt, wodurch sie besser verdaulich werden. Jedoch gehen dabei eben auch viele der Mikronährstoffe verloren. Verarbeitet wird die Braunhirse deshalb auch zu Mehl, da sie ansonsten aufgrund der harten Randschichten unverdaulich wäre. Durch das feine Vermahlen werden dem menschlichen Organismus auch die wertvollen Inhaltsstoffe der Randschichten zugänglich und verwertbar gemacht.

Braunhirse – Eine Silizium-Quelle mit positiver Wirkung

Hirse gilt nicht nur als beliebtes Nahrungsmittel. Sehr oft wird sie auch wie ein Heilmittel beschrieben. In Naturkostläden sowie in Reformhäusern wird die Braunhirse als feines Mehl angeboten, welches esslöffelweise als Nahrungsergänzung eingenommen werden kann.

Silizium in Form von Kieselsäure gilt als einer der besonders wertvollen Mineralstoffe in Braunhirse. Vor allem in der Haut, im Bindegewebe und auch in den Knochen kommt Silizium vor – pro Kilogramm Körpergewicht befinden sich etwa 20 Milligramm davon im menschlichen Organismus.

Der offizielle Tagesbedarf eines Erwachsenen liegt geschätzt bei 30 Milligramm Silizium, Alternativmediziner raten sogar zu einer täglichen Aufnahme von 75 Milligramm. Schon in 100 Gramm Braunhirse sind bereits 500 Milligramm Silizium enthalten (Schwankungen sind je nach Anbaugebiet nicht auszuschließen), können nur 15 Gramm Braunhirse den Tagesbedarf Silizium decken.

Für den Körper des Menschen ist Silizium von enormer Bedeutung. Es spielt für das Wachstum von Haaren und Fingernägeln eine Rolle und kann geschwächtes Bindegewebe stärken und sich zudem positiv auf die Haut auswirken. Auch auf Gelenke und Knochen scheint Silizium gut zu wirken, da es auch an der Bildung von Knorpeln und Knochen beteiligt ist.

Aufgrund des hohen Siliziumgehalts kann Braunhirse bei folgenden Beschwerden möglicherweise hilfreich sein:

  • Arthrose: Erste Studien zeigen, dass eine gute Siliziumversorgung dazu beträgt, dass die Knochensubstanz auf- anstatt abgebaut werden kann und die Knochendichte mit höherer Siliziumzufuhr auch höher zu sein scheint. Weiterhin wird Silizium nachgesagt, es können die entzündlichen Phasen einer Arthrose lindern.
  • Arteriosklerose: In den Wänden der Blutgefäße befinden sich vergleichsweise hohen Siliziummengen. Ein Mangel kann zusammen mit einem Mangel an Vitamin C brüchige Gefäßwände hervorrufen, wodurch Herz-Kreislauf-Probleme und Arteriosklerose auftreten können. Gleichzeitig lässt sich das Arteriosklerose-Risiko vermutlich dadurch senken, dass die Ballaststoffe in der Braunhirse dazu beitragen, dass die Blutfettwerte gesenkt werden können.
  • Vorbeugung von Alzheimer: Studien (z. B. der „Keele University“ England) deuten darauf hin, dass Silizium eine Senkung des Alzheimer-Risiko bewirken kann, denn im Gehirn soll es vor Aluminium schützen. Im Gehirn soll Aluminium Plaque bilden, welches Alzheimer hervorrufen kann.

Ein Siliziummangel zeigt sich auch durch folgende Probleme, die mit der Einnahme von Braunhirse möglicherweise vermieden werden können:

  • Hämorrhoiden
  • Faltenbildung
  • Cellulite
  • Durchblutungsstörungen
  • Krampfadern
  • Schwindel
  • Schäden an den Bandscheiben
  • Neigung zu Knochenbrüchen

Braunhirse – Auch sekundäre Pflanzenstoffe wirken positiv

Obwohl Braunhirse zahlreiche gesunde Inhaltsstoffe aufweist, soll sie laut Bundesforschungsanstalt für Lebensmittel (BFEL) auch schädlich sein. Grund dafür sind die enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe, welche dazu beitragen sollen, dass die Verfügbarkeit anderer Inhaltsstoffe herabgesetzt wird.

Enthalten sind in Braunhirse Polyphenole (Flavonoide, Phenolsäuren, Tannine) sowie Phytinsäure – diese Substanzen gelten als bedenklich für den Menschen.

Doch so schlecht sind die sekundären Pflanzenstoffe gar nicht. Denn bekannt sind sie dafür, eine antioxidative Wirkung zu besitzen und damit vor den Folgen freier Radikale zu schützen.

Wenngleich sekundäre Pflanzenstoffe natürlich in isolierter Form sowie in hohen Mengen schädlich sein können, tragen sie doch dazu bei, negative Oxidationsprozesse einzudämmen. Da Braunhirse lediglich eine Komponente in einer ausgewogenen und möglichst naturbelassenen Ernährungsweise darstellt, ist nicht zu erwarten, dass die enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe schädlich für den menschlichen Organismus sind.

Der in Braunhirse enthaltenen Phytinsäure wird nachgesagt, sie bildet Komplexe mit anderen Mineralstoffen, wodurch diese vom Organismus nicht mehr aufgenommen werden können. Inwieweit dies tatsächlich der Fall ist und es zu einem Mineralstoffmangel kommt, ist sowohl von der aufgenommen Phytinsäure- als auch von der Mineralstoffmenge abhängig. Ein Mineralstoffmangel durch Phytinsäure ist nur möglich, wenn die Säure in großen Mengen aufgenommen wird (beispielsweise bei einer reinen Ernährung mit Sojaprodukten).

Kleinen Mengen Braunhirsemehl, -flakes, -flocken oder -keimlinge (z. B. ein bis vier Esslöffel pro Tag) stellen nur einen geringen Teil der täglichen Ernährung dar und dürften die Gefahr eines Mineralstoffmangels nicht begünstigen. Zudem liefert Braunhirse auch zahlreiche Mineralstoffe, wodurch die Komplexbildung wieder ausgeglichen werden kann.

Phytinsäure wird allerdings auch nachgesagt, sie besitze positive Eigenschaften. So soll sie auf das Verdauungssystem einen krebsschützenden Effekt haben. Zudem soll sie den Stärkeabbau im Körper hemmen, wodurch möglicherweise der Blutzuckerspiegel gemäßigter ansteigt. Somit dürfte Phytinsäure – ähnlich wie alle anderen Polyphenole – nur dann ein Risiko für die Gesundheit darstellen, wenn eine Ernährung ausschließlich mit Braunhirse erfolgen würde.

Kritisch werden auch die Tannine betrachtet. Tannine können dazu beitragen, dass der Körper nicht mehr auf wichtige Eiweiße zurückgreifen kann. Eine Versorgung mit ausreichend Eiweiß ist allerdings für den menschlichen Organismus wichtig. Zudem können Tannine die Magen-Darm-Schleimhaut reizen. Aber auch hier gilt: Die Menge ist entscheidend.

Verwendung von Braunhirse

Da Braunhirse aufgrund der harten Schale auch beim Kochen nicht weich wird, ist es empfehlenswert, dass direkt Braunhirsemehl gekauft wird. Bereits zwei Esslöffel täglich roh verzehrt oder auch gekocht tragen dazu bei, den Siliziumspeicher aufzufüllen und den Mineralstoffhaushalt im Gleichgewicht zu halten.

Braunhirsemehl kann problemlos roh verzehrt werden. Dabei kann es in Müsli, Obst- und Gemüsesäfte, Obstmus oder auch Salatmarinaden eingerührt oder über Obstsalat gestreut werden.

Bis zu 20 Prozent des in Brot- und Kuchenrezepten angegebenen Mehls kann zudem auch durch Braunhirsemehl ersetzt werden. Auch als Panade für Fleisch oder Fisch sowie als Bröselersatz auf dem Apfelkuchen ist es geeignet. Zudem lässt es sich gut in Gemüsesuppen, Lasagne, Soßen sowie bei Kartoffelspeisen und in selbst gemachten Nudeln und Spätzle (jeweils zehn Prozent als Mehlersatz) anwenden.

Braunhirse – Eine gute Nahrungsergänzung, aber kein Heilmittel

Wird Braunhirse roh verzehrt, soll sie eine Basen bildende Wirkung entfalten. Oft wird sie auch als Heilmittel verkauft. Doch es ist umstritten, dass Braunhirse wie ein Heilmittel wirkt. Zwar enthält sie eine Vielzahl an gesunden Inhaltsstoffen, die dem Organismus eine Unterstützung bei bestimmten Beschwerden sind, dennoch handelt es sich bei Braunhirse und den daraus hergestellten Produkten um kein Heilmittel, sondern lediglich um eine gute Nahrungsergänzung.

Ayursana Bio Braunhirse Keimlinge fermentierte...
  • 300 g gekeimte und fermentierte Bio Braunhirse Urkorn Wildform...
  • 100 % vegane Rohkost
  • ProEM.M Keim Ferment Food, sehr gut bekömmlich

 

Mehr zum Thema
© 1996-2018 | Zeitung.de - zeitungen und fachzeitschriften : regional und international - Impressum