Eibisch - Heilpflanze mit langer Tradition

Im Sommer zwischen Juni und September, steht Eibisch in voller Blüte und lockt mit seinen strahlenden, weißen oder rosa Blüte nicht nur zahlreiche Bienen an, sondern ist dank seiner vielfältigen positiven Eigenschaften auch für den Menschen interessant. Warum so zahlreiche Insekten die Blüten umschwirren ist klar: sie wollen an den leckeren süßen Nektar der Blüten.

Aber warum sind die Blüten des Eibischs auch für uns Menschen so interessant ? Den Zweibeinern geht es nicht um den Nektar oder den süßen Geschmack der Blüten, sondern so komisch wie es auch klingt, um den Schleim. Zerreibt man nämlich die Eibisch-Blätter zwischen seinen Fingerspitzen, spürt man schnell den weichen Pflanzenschleim der aus den Blättern austritt.

Dieser Blätterschleim ist es, was den Eibisch so wertvoll macht, denn er wirkt lindernd bei jeglichen Schleimhautbeschwerden. Darum ist die Eibisch-Pflanze in der Volksheilkunde auch mit der Bezeichnung „Die Pflanze, die Husten in fünf Tagen heilt“ bekannt geworden.

Eibisch-schon lange als Heilpflanze bekannt

Selbst in der Steinzeit war Eibisch bereits für seine positiven Eigenschaften bekannt oder hatte zumindest eine wichtige Bedeutung für die Urmenschen. Forscher fanden nämlich in einem Grab eines Neandertalers, welches auf 60.000 Jahre v. Chr. datiert wurde, Spuren der Pflanze als Grabbeigabe. Auch der griechische Arzt Hippokrates nutze die Pflanze um Wundheilungen zu behandeln. Wann der Eibisch als Heilpflanze von Griechenland auch den Rest der Welt eroberte, ist allerdings ungeklärt. Aufzeichnungen über die Heilpflanze findet man allerdings in den Berichten der Äbtissin Hildegard von Bingen, die im 12. Jahrhundert lebte und schon damals ein umfangreiches Wissen über allerlei Pflanzen und Heilmittel besaß. Eibisch ist also schon lange als Heilpflanze bekannt und heutzutage ist ihre positive Wirkung.

Woher die Eibisch-Pflanze allerdings geographisch ursprünglich stammt ist immer noch ungeklärt. Man vermutet, dass sie zuerst im Mittelmeerraum heimisch war. Heute ist Eibisch jedoch fast überall auf der Welt zu finden: vom Mittelmeer bis hin nach Sibirien. Die Pflanze fühlt sich mit feuchten Böden am wohlsten, daher findet man sie oft auf Feuchtwiesen oder in der Nähe von Gewässern.

Auch wenn man die Pflanze im eigenen Garten anbauen möchte, ist sie recht genügsam und belohnt auch Hobbygärtner nach kurzer Zeit schon mit dekorativen weißen oder rosa Blüten. Für den perfekten Standort der Pflanze sollte man einen feuchten Boden auswählen, denn da gedeiht der Eibisch am besten.

Eibisch wird im englischen als Marshmallow bezeichnet

Marshmallows – sind das nicht die kleinen weißen, schaumigen und zuckersüßen Leckereien, die in Deutschland besser als Mäusespeck bekannt sind? Ja, richtig Marshmallows sind Süßigkeiten aber auch die Eibisch-Pflanze ist zumindest in englischsprachigen Ländern unter dem Namen Marshmallow bekannt.

Das hat den einfachen Grund, dass früher die etwas gummiartigen und zuckersüßen Leckereien eben aus den Wurzeln der Eibisch-Pflanze hergestellt wurden. Denn die Wurzel des Eibisch ist nicht nur schön schleimig, sondern auch sehr süß, weshalb besonders Diabetiker auf den Genuss von Eibischwurzeln verzichten sollten.

Heute wird Eibisch allerdings nicht mehr zur Produktion des Mäusespecks eingesetzt, aus Kostengründen wird heutzutage nämlich eher Gelatine verwendet um das Gemisch aus Zucker und Farbstoffen zusammen zuhalten. Trotzdem bestehen die Blätter des Eibischs natürlich auch heute noch aus bis zu 6-10 % klebrigen Schleimstoffen und die Wurzel enthält sogar bis zu 20 % Schleim.

Von Entzündungen bis Reizhusten

Der Schleim aus Wurzeln und Blätter des Eibischs wirkt lindert auf alle Entzündungen und Problemen mit den Schleimhäute, denn der Schleim legt sich wie ein schützender Film auf die entzündeten Stellen. Daher eignet sich Eibisch hervorragend für die Behandlung von Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenbereich und auch bei Halsschmerzen und Zahnfleischentzündungen kann Eibisch die Beschwerden lindern. Außerdem sind Blätter und Wurzeln der Eibischpflanze bei der Heilung von trockenem Reizhusten effektiv. Die Wurzel nützen darüber hinaus wegen ihres hohen Schleimstoffanteils von 20 % auch gegen Entzündungen in der Magenschleimhaut.

Auch äußerlich, bei Problemen mit der Haut, kann Eibisch die Beschwerden linden. Mit Eibisch-Bädern aus den Blättern hilft die Pflanze leichte Verbrennungen zu schneller heilen und kann auch bei rissiger Haut und nass-feuchten Ekzemen kleine Wunder bewirken.
Hier noch mal alle Beschwerden, bei denen Eibisch zu einer Linderung beitragen kann auf einen Blick:

  • Husten
  • Heiserkeit
  • Mundschleimhautentzündungen
  • Magenschleimhautentzündungen
  • Blasenentzündung
  • leichte Verbrennungen
  • rissige, trockene Haut
  • feuchte und nässende Ekzeme
  • Insektenstiche- und bisse

Eibisch als wirksames Teegetränk

Tee aus Eibischblättern wirkt nicht nur in der kalten Jahreszeit kleine Wunder, sondern ist abgekühlt auch im Sommer ein wirkungsvolles Getränk. Bei Reizungen der Mund- und Rachenschleimhaut oder bei trockenem Reizhusten ist ein Tee aus Eibisch ein gutes Mittel um Abhilfe zu schaffen.

Für die Zubereitung sollte man die Blätter der Pflanze klein schneiden und etwa einen gehäuften Teelöffel (ca. 2 g) mit heißem Wasser übergießen. Danach sollte man das Gemisch durch ein Sieb geben, um so die Blätterstückchen heraus zu filtern. Um eine Wirkung zu erzielen, sollte mehrmals täglich eine Tasse des Eibisch-Tees getrunken werden.

Auch aus den Wurzeln der Pflanze kann man einen Tee herstellen. Dabei sollte man die Eibischwurzeln ebenfalls in kleine Stücke schneiden und ca. 3g der Wurzeln mit kalten Wasser übergießen. Auf keinen Fall heißes oder kochendes Wasser verwenden, denn durch die Hitze werden die Schleimstoffe in der Wurzel zerstört und der Tee verliert seine Wirkung. Nach dem Aufguss muss dieser dann ca. eine Stunde ziehen und kann dabei gelegentlich umgerührt werden. Ist das Gemisch gut durchgezogen, sollte man auch dieses wieder durch ein Teesieb geben. Nun kann man den Tee kalt genießen oder wenn man möchte auch aufwärmen.

Von der Wurzel bis zum Blatt

Generell können von der Eibisch-Pflanze alle Bestandteile von der Wurzel bis hin zum Blatt medizinisch verwendet werden. Die Blätter der Pflanze findet man heutzutage allerdings vorwiegend nur noch in verschiedenen Tees. So sind die Blätter aber auch die Wurzel oft Bestandteil von verschiedenen Teemischungen gegen Erkältungen oder Husten.

Für andere Medikamente wie zum Beispiel Tabletten oder Sirup, wird meist ein Extrakt aus der Eibischwurzel verwendet. Gerade in vielen Hustenstillern ist oft ein Anteil von Eibisch enthalten. Dabei sollte man vor Gebrauch natürlich immer einen Blick in den Beipackzettel und auch auf die Inhaltsstoffe des Medikaments werden. In der Regel liegt eine Tagesdosis von Eibischwurzeln, mit der schon eine gute Wirkung erzielt werden kann, bei ca. 6 g.

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