Enzian – gelbe Blüten mit heilenden Kräften?

Wer den Namen Enzian hört, denkt vermutlich zuerst an die blauen Blüten und den Enzianschnaps. Doch Enzian ist nicht nur das. Der Enzian, welcher arzneilich wirksame Eigenschaften besitzt, zeigt gelbe Blüten. Der botanische Name lautet Gentiana lutea. Der blau blühende Enzian gilt allerdings nicht als Heilkraut.

Hieronymus Bock beschäftigte sich seinerzeit bereits mit der Heilwurzel als hilfreiches Mittel bei Magenproblemen und nahm den Gelben Enzian in sein Kräuterbuch auf, Pfarrer Sebastian Kneipp kannte und empfahl ihn aufgrund seiner Heilwirkungen und auch in der Mythologie spielt der Gelbe Enzian eine wichtige Rolle.

Gelber Enzian – Kleine Pflanzenkunde

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Ursprünglich stammt Enzian aus Spanien, Frankreich und den Balkanländern. Der Anbau findet aber auch in kleinem Umfang in Deutschland statt. Der Bedarf an Enzian als Arzneimittel und auch in der Spirituosenindustrie ist so hoch, dass trotz des bestehenden Artenschutzes in einigen Regionen die Pflanzenbestände gefährdet sind. Aus diesem Grund werden nur die Wurzeln und Wurzelstöcke für medizinische Produkte verwendet.

Beim Gelben Enzian handelt es sich um eine mehrjährige krautige Pflanze, welche Wuchshöhen von bis zu 140 Zentimetern erreicht. Der Stängel ist fingerdick und hohl und trägt bläulich-grüne Blätter. Zwischen Juni und August zeigen sich die gelben Blüten, sie bilden reichblütige Trugdolden aus und tragen bis zu zehn einzelne Blüten. Enzian hat einen leicht süßlichen Geruch. Zudem bildet Enzian spitzkegelförmige Kapseln mit einer Länge von bis zu sechs Zentimetern aus. In diesen sind bi s zu 100 Samen enthalten, welche durch den Wind verbreitet werden. Eine einzelne Pflanze erzeugt bis zu 10.000 Samen.

Außerhalb der Blütezeit ähnelt der Gelbe Enzian dem stark giftigen Weißen Germer, weshalb hier Vorsicht gilt.

Die Hauptwurzel des Gelben Enzians kann mehr als einen Meter lang werden und im frischen Zustand ein Gewicht von bis zu sieben Kilogramm erreichen. Sie verströmt einen charakteristischen Geruch und weist einen starken und auch nachhaltigen bitteren Geschmack.

Nicht nur für medizinische Zwecke kommt der Gelbe Enzian zur Anwendung. Aus der frischen Wurzel wird auch ein starker Schnaps gebrannt, es lassen sich mit alkoholisch-wässrigen Auszügen aus getrockneter Enzianwurzel zudem auch Aperitifs herstellen.

Die Geschichte des Gelben Enzians als Heilpflanze

Seinen Namen verdankt der Enzian einer Sage nach dem König Genthius von Illyrien, welcher etwa 200 bis 150 v. Chr. lebte und die heilende Wirkung und fiebersenkenden Eigenschaften des Enzians entdeckt haben soll. Schon in der Antike war der Gelbe Enzian aufgrund seines hohen Bitterstoffanteils als Heilpflanze bekannt, selbst Plinius sowie der griechisches Arzt Dioskurides kannten seine Heilkräfte.

Als Heilpflanze wurde der Gelbe Enzian bei Bissen durch giftige Tiere, bei Sturzverletzungen, bei Seitenstechen und auch bei inneren Zerreißungen, Geschwüren und Krämpfen eingesetzt. Galenos von Pergamon, ein griechischer Arzt, sprach auch bei rheumatischen Beschwerden und Gicht die Verwendung von Enzian aus. In den Kräuterbüchern des Mittelalters wurden diese Behandlungsansätze auch übernommen.

Die Wurzeln des Gelben Enzians werden also seit Jahrhunderten für Heilzwecke genutzt. Im Jahr 1551 wurde der Gelbe Enzian vom deutsche Botaniker und Arzt Hieronymus Bock in seinem Kräuterbuch als die wichtigste und auch gebräuchlichste Heilwurzel bei Magenproblemen beschrieben. Als Pest- und Fiebermittel war Gelber Enzian im 16. und 17. Jahrhundert sehr bleibt und auch gegen Durchfallerkrankungen, bei Wurmbefall und gegen Koliken kam er zum Einsatz. Auch Pfarrer Sebastian Kneipp hat Gelben Enzian aufgrund seiner Heilwirkungen für den Anbau im heimischen Garten empfohlen.

Enzian und seine Inhaltsstoffe

Die Bitterstoffe im Gelben Enzian gelten als die wichtigsten Inhaltsstoffe. So enthält Gelber Enzian den bisher am bekanntesten und bittersten Naturstoff Amarogentin sowie verschiedene Zucker, Pektine, Xanthonderivate, Gerbstoffe, Flavonoide und ätherisches Öl.

Wie wirken die Inhaltsstoffe des Gelben Enzians?

Auf die Geschmacksnerven im Mund soll Gelber Enzian eine anregende Wirkung haben. Die enthaltenen Bitterstoffe der Enzianwurzel werden für die Wirkung verantwortlich gemacht. Sie sollen zudem die Bildung von Magensaft und Galle anregen und dadurch auch verdauungsfördernd wirken können. Den Bitterstoffen wird zudem eine antibakterielle Wirkung nachgesagt und sie können eine Unterstützung für das Immunsystem sein.

Enzian und seine Anwendungsgebiete

In der traditionellen Volksmedizin kommt der Gelbe Enzian als pflanzliches Arzneimittel bei vielerlei Beschwerden zum Einsatz, aufgrund langjähriger Erfahrungen hat sich gezeigt, dass Enzian-Extrakte bei folgenden Beschwerden hilfreich sein können:

  • bei vorübergehender Appetitlosigkeit
  • bei leichten Verdauungsstörungen
  • bei leichten Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen oder Völlegefühl

Wie wird Enzian eingenommen?

Je nach Arzneizubereitung gilt für die Dosierung des Gelben Enzians folgender Richtwert, wenn er oral eingenommen wird: Die maximale Tagesdosis sollte bei zwei bis vier Gramm liegen. Diese Dosierung gilt für Erwachsene, bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sollte Gelber Enzian nicht angewendet werden.

Wird Gelber Enzian als Fertigarzneimittel in Form von Tropfen oder Dragees angewendet, kann sich der Verbraucher nach den Angaben der Packungsbeilage richten.

In Form von Tee aus geschnittener Enzianwurzel sollte die Zubereitung wie folgt erfolgen: eine Einzeldosis von einem halbem Teelöffel Enzianwurzel (etwa ein bis zwei Gramm) mit einer Tasse kochendem Wasser (150 Milliliter) übergießen, fünf Minuten ziehen lassen und dann abseihen. Der Tee sollte etwas abkühlen, aber noch warm getrunken werden. Täglich können drei bis vier Tassen des Enziantees eingenommen werden.

An den Beschwerden, die mit Enzian gelindert werden sollen, richtet sich auch der Einnahmezeitpunkt aus: Zur Appetitanregung wird Enziantee etwa 30 Minuten vor einer Mahlzeit, zur Linderung von Verdauungsbeschwerden nach einer Mahlzeit getrunken.

Hinweise zum Umgang mit Enzian als Arzneipflanze

Folgende Hinweise sollten beim Umgang mit Gelbem Enzian als Arzneipflanze beachtet werden:

  • Gelber Enzian ist nicht nur für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ungeeignet, auch in Schwangerschaft und Stillzeit sollte von einer Anwendung abgesehen werden.
  • Arzneimittel mit der Wurzel des Gelben Enzians sind bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren nicht geeignet, da sie zu einer Verschlechterung der Beschwerden führen können.
  • Wird Enzian eingenommen, kann es zu Nebenwirkungen wie gelegentlichen Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Juckreiz oder auch Herzrasen kommen.
  • Es sind keine Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bekannt.

Die verschiedenen Enziansorten

Etwa 300 bis 400 Arten gehören zur Gattung der Enziane (Gentiana). Für die Drogengewinnung kommen neben dem Gelben Enzian (Gentiana lutea) auch die Arten Ungarnenzian (Gentiana pannonica), Purpurenzian (Gentiana purpurea) und Tüpfelenzian (Gentiana punctata) zum Einsatz. Ungarnenzian stammt aus den Karpaten sowie den östlichen subalpinen Regionen und zeit eine bläulich-purpurrote und schwarzrotpunktierte Blütenkrone sowie einen zurückgekrümmten Kelchzipfel. Der Purpurenzian ist durch eine purpurrote und innen gelbliche Blütenkrone gekennzeichnet, Tüpfelenzian stammt aus den österreichischen und Schweizer Alpen und ist für seine blassgelbe und schwarzpurpurfarbene Punktierung der Blütenkrone und den aufrechten Kelchzipfel bekannt.

Enzian im eigenen Garten anbauen – Worauf sollte man achten?

Für medizinische Zwecke wird der Gelbe Enzian in Deutschland, Frankreich und Spanien kultiviert. Blaublütiger Enzian hingegen findet nur als Zierpflanze Verwendung.

In freier Natur steht der Gelbe Enzian unter strengem Naturschutz, in Deutschland ist das Sammeln der Pflanze verboten. Jedoch ist die Anpflanzung im eigenen Garten möglich. Allerdings sollte dabei bedacht werden, dass es sich bei Enzian-Gewächsen um sehr anspruchsvolle Pflanzen handelt, wenn sie nicht in alpinen Regionen wachsen sollen.

Enziane benötigen einen kalkhaltigen, feuchten und lockeren Boden. Am einfachsten gestaltet sich die Anpflanzung einer fertigen Pflanze oder eines Wurzelstocks aus dem Handel. Erfolgt eine Aussaat, dann benötigt eine Enzianpflanze etwa acht bis zehn Jahre bis zur ersten Blüte. Setzlinge werden in den ersten Frühlingstagen in die nährstoffreiche, feuchte Erde gesetzt. Der Standort sollte möglichst kühl und leicht schattig sein, denn eine Sonnenbestrahlung über längere Zeit kann sich auf das Gedeihen negativ auswirken. Wer mehrere Enzian-Pflanzen setzen möchte, sollte dies in einem Abstand von 20 bis 40 Zentimeter tun, so dass es nicht zu einer gegenseitigen Behinderung des Wachstums kommt. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, dann kann ein Enzian auch im heimischen Garten ohne viel Pflegeaufwand gut wachsen, sofern der Boden nicht austrocknet.

Während der Wintermonate sollten gegen starke Kälte sowie Frost einige Schutzmaßnahmen getroffen werden, denn obwohl er eine Gebirgspflanze ist, mag er Kälte nicht.

Enziane sind gegen Schädlinge und auch Krankheiten recht resistent. Wichtig ist lediglich, dass die Wurzeln nicht in Staunässe stehen. Dann wäre die Pflanze für Pilzbefall anfällig und kann schnell eingehen.

Der Enzian – Spirituose aus dem Alpenraum

Unter dem Begriff „Enzian“ ist neben der eigentlichen Pflanze auch die aus dem Alpenraum stammende Spirituose gemeint, welche als Verdauungsschnaps aus den Wurzeln des Gelben Enzians gewonnen wird.

Der Schnaps gilt in Tirol als registriertes traditionelles Lebensmittel. Die UNESCO erkannte im Jahr 2013 das „Wissen um die Standorte, das Ernten und die Verarbeitung“ im Paznaun als immaterielles Kulturerbe an.

Bei Enzianschnaps handelt es sich um einen Wurzelbrand. Er wird aus der Maische der gehackten Wurzeln destilliert und weist einen Mindestalkoholgehalt von 37,5 Volumenprozent auf. Für einen Liter Schnaps werden etwa 60 bis 70 Wurzelstöcke benötigt. Aufgrund der unter Naturschutz stehenden Pflanzen und der aufwändigen Ernte liegt die Produktionsmenge einer mittelständigen Brennerei bei etwa 100 bis 300 Litern jährlich. Daher ist der Enzianschnaps auch deutlich teurer als ein Obstbrand.

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