Kamille – Ein wahrer Alleskönner?

Unter den Heilpflanzen gilt Kamille als sehr wertvoll, denn sie zeigt eine unglaubliche Vielfalt an Anwendungsmöglichkeiten. Zum Einsatz kommt Kamille gern bei Grippe, Magen-Darm-Problemen oder auch Harnwegsinfekten. Sie kann auch äußerlich bei Hautproblemen und schlecht heilenden Wunden verwendet werden. Die Anwendung erfolgt dabei als Tee, als Spül- und Gurgellösung oder aber in Form von Umschlägen.

Die Geschichte der Kamille

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Schon in der Antike wurde die Echte Kamille als universelle Heilpflanze eingesetzt. Im 3. Jahrhundert vor Christus linderten auch die Griechen verschiedene Beschwerden wie Blähungen, Krämpfe, Hauterkrankungen sowie Geschwüre mit den Blüten der Kamille. Die alten Ägypter verehrten die Kamille aufgrund ihrer sonnenförmigen Blüte als Blume des Sonnengottes Ra. Sie verwendeten das Extrakt der Pflanze zur Einbalsamierung der Toten und wendeten es zudem bei Erkältungen, Problemen mit dem Zahnfleisch sowie bei Frauenleiden. Im alten England trugen die zukünftigen Könige Kamille während der Krönungszeremonie bei sich, denn sie zählte dort zu den heiligen neun Kräutern.

Im Leipziger Kräuterbuch, das aus dem 15. Jahrhundert stammt, steht über die Kamille geschrieben: „Ihre Kraft sei, dass sie auflöst und weich macht und verfeinert, und was sie auflöst, das wird auch fließend gemacht und sie legt die Schmerzen, und erweicht die harten Glieder, und macht kleine Verdickungen der Haut wieder sanft und vertreibt Fieber, die durch cholerische Feuchtigkeiten entstehen.“

Die vielseitig beschriebenen Heilwirkungen der Kamille tragen zudem dazu bei, dass sich auch einige Mythen um die Heilpflanze ranken. So glaubte man, der Rauch der verbrannten Kamille könne Unglück fernhalten.

Die echte Kamille – Kleine Pflanzenkunde

Bei der Echten Kamille (Matricaria chamomilla) handelt es sich um eine einjährige, krautige Heilpflanze, die zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) gehört. Ursprünglich stammt sie aus dem südosteuropäischen Mittelmeerraum und Vorderasien, mittlerweile findet sich die Wildform aber in vielen Ländern.

Die aromatische Pflanze gedeiht vor allem auf sonnigen, nährstoffarmen bis nährstoffreichen Brachflächen, Wildwiesen und Ackerböden. Die Echte Kamille ist sehr anpassungsfähig, wächst aber bevorzugt auf Böden mit neutralem bis alkalischem pH-Wert. Sie wächst in Höhen von bis zu 1.300 Metern und zeigt wechselständig angeordnete, gelbgrün gefärbte und spitz zulaufende Laubblätter. Die aufrecht wachsenden Stängel sind nicht behaart, zwischen Mitte Mai und Anfang Oktober zeigt die Echte Kamille gelbe Blütenköpfchen, die von weißen Hüllblättern umgeben werden. Sind diese verblüht, bilden sich braune Nussfrüchte (Achäne).

Im Jahr 1987 wählte der Verband Deutscher Drogisten (VDD) die Echte Kamille zur ersten Arzneipflanze des Jahres, im Jahr 2002 war sie dann Heilpflanze des Jahres.

Weitere Kamille-Arten

Neben der Echten Kamille gibt es noch eine weitere Art, welche auch von medizinischer Bedeutung ist. Die Römische Kamille.

Die getrockneten Blütenköpfchen der Römischen Kamille (Anthemidis flos) werden als Droge verwendet. Sie enthalten ätherisches Öl mit Estern der Angelica- und Tiglinsäure und Hydroperoxide, bittere Sesquiterpenlacton vom Typ Germacranolid sowie Chamazulen.

Die Volksmedizin verwendet die Römische Kamille wie die Echte Kamille. Sie soll eine entzündungshemmende und krampflösende Wirkung aufweisen, die jedoch etwas geringer ist, als bei der Echten Kamille. Typische Beschwerden, die mit ihr behandelt werden, sind Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden, Menstruationsbeschwerden sowie Entzündungen von Mund- und Rachenschleimhaut.

Kamille und ihre Inhaltsstoffe

Je nach Herkunftsort weist das ätherische Öl der Kamille eine unterschiedliche Zusammensetzung auf. Grundsätzlich ist es reich an α-Bisabolol oder an Bisabololoxiden und Farnesen. Von medizinischer Bedeutung ist vor allem das blau gefärbte Chamazulen, welches sich erst bei der Gewinnung des Öls durch Wasserdampfdestillation oder auch bei der Bereitung von Aufgüssen aus seinen Vorstufen (z. B. Proazulen Matricin) bildet. In den Blüten sind zudem Flavonoide, Gerb- und Bitterstoffe, En-In-Dicylcloether und Hydroxycumarine enthalten.

Kamille – Wie wirkt die Heilpflanze?

Die Wirkung von Kamillenblüten soll sehr umfangreich sein. Ihnen werden folgende Eigenschaften zugeschrieben:

  • entzündungshemmend
  • krampflösend
  • blähungslindernd
  • antiseptisch
  • antibakteriell
  • blutreinigend
  • beruhigend
  • tonisierend

Für die medizinische Bedeutsamkeit der Kamille sind vermutlich die enthaltenden Sesquiterpene sowie die Flavonoide verantwortlich. So soll α-Bisabolol die Freisetzung des Verdauungsenzyms Pepsin hemmen können, wodurch eine Linderung der Magen-Darm-Beschwerden möglich wird. Zudem sollen die Eigenschaften der Kamille Hautproblemen hilfreich sein, da sie bei äußerlicher Anwendung den Stoffwechsel der Haut anregen können.

Kamille und mögliche Nebenwirkungen

In seltenen Fällen kann es bei der Verwendung von Echter Kamille zu allergischen Irritationen der Haut (z. B. Ausschlag, Juckreiz) kommen. Möglich sind zudem Reaktionen wie Schwellungen und schlimmstenfalls Atemnot oder Kreislaufkollaps. Allerdings ist dies eher dann der Fall, wenn es bei der Echten Kamille zu einer Verunreinigung mit anderen Arten wie beispielsweise der Hundskamille kommt. Deren Bestandteil Anthecotulid wirkt als Kontaktallergen und kann Beschwerden hervorrufen.

Grundsätzlich ist davon abzuraten, Echte Kamille für eine längerfristige Behandlung anzuwenden. Bei äußerlicher Anwendung kann es aufgrund der Inhaltsstoffe zu einer Austrocknung der Haut kommen. Auch Kamillentee sollte nicht über längere Zeiträume im Übermaß konsumiert werden, denn die geringe Konzentration an Pyrrolizidinalkaloiden kann eine erbgutschädigende Wirkung bei zu hoher Dosierung haben. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten hingegen sind nicht bekannt.

Kamille richtige anwenden und dosieren

Zu den wichtigsten Anbauländern der Echten Kamille gehören Ägypten, Argentinien, Bulgarien und Ungarn. Die Blütenköpfe werden hier so gezüchtet, dass ein möglichst hoher Anteil an ätherischen Ölen in ihnen enthalten ist und so auch die medizinisch wirksamen Stoffe Bisabolol und Chamazulen.

Zwischen Mai und Oktober, sobald zwei Drittel der Blüten am Köpfchen aufgeblüht sind, erfolgt die Ernte und anschließend sofort die Trocknung der Blüten bei milden Temperaturen. So bleiben die Inhaltsstoffe fast unverändert erhalten. Aus einem Kilogramm getrockneten Kamillenblüten lassen sich etwa vier Milliliter ätherisches Öl durch Wasserdampfdestillation gewinnen. Kamillentee hingegen besteht aus Blüten, Samen und Kraut der Heilpflanze.

Eine Anwendung der Echten Kamille ist sowohl äußerlich als auch innerlich möglich. Bei Magen-Darm-Beschwerden können drei bis fünf Tassen Kamillentee über den Tag verteilt Linderung verschaffen, Entzündungen im Mund- und Rachbereich können durch Gurgeln mit Kamillentee gelindert werden. Umschläge oder auch Spülungen werden aus drei- bis zehnprozentigen Aufgüssen hergestellt, jedoch sollte das ätherische Öl in konzentrierter Form ausschließlich in alkoholischen Auszügen enthalten sein, nicht aber in Tee. Im Tee sind lediglich die ebenfalls medizinisch bedeutenden Flavonoide zu finden.

Wie lässt sich Kamille zubereiten?

Kamille kann auf unterschiedliche Weise zubereitet werden. Zum einen lässt sich aus zwei bis drei Teelöffeln getrockneten Kamillenblüten mit einer Tasse siedendem Wasser ein Tee zubereiten, der nach Übergießen der Blüten etwa zehn Minuten ziehen muss und dann durch ein Teesieb gegossen wird. Der Tee kann Verdauungsprobleme lindern und auch bei Blasenproblemen soll er Besserung versprechen.

Kamillen-Dampfbäder gegen Stirnhöhlenentzündungen und bei Schnupfen sind ebenfalls sehr beliebt. Hierzu werden die heißen Kamillendämpfe eines starken Kamillentees inhaliert, indem der Kopf über eine Schüssel mit dem Tee gehalten und mit einem Handtuch abgedeckt wird. Der Dampf sollte nach Möglichkeit für etwa zehn bis 15 Minuten tief eingeatmet werden.

Auch Sitzbäder mit Kamille sind sehr üblich. Hierzu werden 50 Gramm Kamillenblüten mit zehn Liter Badewasser vermengt. Kamillenblüten-Sitzbäder sollen vor allem bei rheumatischen Erkrankungen, Gicht oder auch bei entzündeten Wunden Linderung verschaffen. Auch bei Erkrankungen im Anal- und Genitalbereich sollen Sitzbäder mit Kamille helfen können.

Kamille und ihre Anwendung in Phytotherapie, Volksmedizin und Homöopathie

Die Phytotherapie, also die Pflanzenheilkunde, setzte Echte Kamille unter anderem bei Verdauungsproblemen wie Durchfall, Blähungen, Magenkrämpfen, Darmkoliken, Verstopfung, Reizdarm oder auch Magengeschwüren ein. Aber auch bei Erkrankungen der Haut, der Schleimhäute, bei Juckreiz, bei Hautunreinheiten, bei Allergien, bei entzündeten Wunden, bei Menstruationsbeschwerden sowie bei Reizungen der oberen Atemwege findet die Echte Kamille in der Phytotherapie Anwendung.

Die traditionelle Volksmedizin in Südeuropa verwendet Echte Kamille vor allem als Beruhigungs- und auch Schlafmittel. Sowohl bei Nervosität als auch bei Neuralgien setzt die Volksmedizin auf die beruhigende und auch entkrampfende Wirkung der Heilpflanze. Zudem kommt sie in der Volksmedizin auch bei Fieber, Gicht, Kopfschmerzen oder auch Schwellungen der Lymphknoten zum Einsatz.

Auch die Homöopathie setzt auf die Echte Kamille. Hier wird sie vor allem gegen Zahnungsbeschwerden bei Kindern, gegen Entzündungen, gegen Schmerzen sowie gegen reizbare Verstimmungszustände eingesetzt. In der Homöopathie gilt sie vor allem dann als hilfreich, wenn der Patient schmerzempfindlich, nervös und jähzornig ist.

Echte Kamille – In welchen Medikamenten kommt sie zum Einsatz?

Die als Heilpflanze deklarierte Echte Kamille kommt in zahlreichen in der Apotheke erhältlichen Medikamenten vor. Diese sind in Form von Lösungen, Konzentraten, Tropfen, Gelen oder auch Tabletten erhältlich und finden auf Basis der Echten Kamille Anwendung bei den unterschiedlichsten Beschwerden. Teilweise erfolgt auch eine Kombination der Echten Kamille mit anderen Heilpflanzen.

Echte Kamille – Gibt es Studien zur Wirksamkeit?

In der Volksmedizin gibt es zahlreiche Erfahrungen über die Wirkungen der Echten Kamille als Heilpflanze. Klinische Studien liegen jedoch nur wenige vor, meist handelt es sich dabei auch lediglich um Labor- und Tierversuche, welche nur schwer auf den Menschen übertragen werden können. Vielmehr sind es Erfahrungswerte, welche über die Wirksamkeit der Echten Kamille bei verschiedenen Beschwerden Auskunft geben.

In einer aktuellen Studie wurde die Wirkung von Kamille in Kombination mit Myrrhe und Kaffeekohle untersucht. Diese Kombination soll bei den entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa helfen. In der Phytotherapie gilt die Kombination der drei Wirkstoffe als Alternative zur herkömmlichen Behandlung.

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