Kamillenöl – Entzündungshemmend und wundheilend?

Die echte Kamille (Matricaria chamomilla) gilt bereits seit Jahrtausenden als eine der wichtigsten Heilpflanzen und wird bei Beschwerden wie Schnupfen, Entzündungen oder Reizungen der Atemwege, Verdauungsproblemen oder auch Hautbeschwerden gern von der Pflanzenheilkunde verwendet. In der Pflanze sind Inhaltsstoffe enthalten, die ihr verschiedenste Wirkungen auf unterschiedliche Erkrankungen verleihen sollen.

Die echte Kamille gehört zur Familie der Korbblütler und stammt ursprünglich aus Süd- und Osteuropa sowie dem Nahen Osten. Die recht anspruchslose Kamille, die bis zu 40 Zentimeter lange Stängel bildet, findet sich inzwischen aber auch in den gemäßigten Klimazonen der ganzen Welt, wo sie vorzugsweise an Weg- und Ackerrändern wächst. Die aus etwa 400 bis 500 gelben und bis zu vier Millimeter langen Rohrblüten bestehenden Blütenköpfchen werden von etwa 15 weißen Strahlenblüten umgeben. Die Kamille blüht zwischen Mai und Juni.

Gewinnung von Kamillenöl

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Kamillenöl wird aus den getrockneten Blüten der Kamille durch Wasserdampfdestillation gewonnen. In einem Wasserbad werden die getrockneten Blüten erhitzt, wodurch die ätherischen Stoffe nach oben steigen und im Anschluss vom Kondenswasser getrennt werden. Aus einer Menge von etwa 150 bis 300 Kilogramm Blüten kann ein Liter des ätherischen Öls hergestellt werden.

Wie wirkt Kamillenöl?

Schon seit Jahrhunderten macht sich die Volksheilkunde die ätherischen Öle aus der Kamille für Heilzwecke zunutze. Die Naturheilkunde verwendet vor allem wild wachsende Pflanzen. Dem Kamillenöl werden hier unterschiedliche Wirkungen nachgesagt. So soll es

  • entzündungshemmend
  • schmerzstillend
  • fiebersenkend
  • schweißtreibend
  • blähungsmindernd

wirken.

Außerdem soll Kamillenöl eine positive Wirkung auf Magen-Darm-Beschwerden, bei Unruhe und Stress bei Schlafstörungen oder auch bei depressiven Stimmungen haben.

Anwendungsbereiche für Kamillenöl

Die Pflanzenheilkunde setzt Kamillenöl bei folgenden Beschwerden ein:

  • Verdauungsprobleme, Gastritis
  • Erkältungskrankheiten
  • Wundheilungsstörungen (entzündete oder auch schlecht heilende Wunden)
  • Hautentzündungen, Sonnenbrand, Abszesse, Allergien
  • Menstruationsbeschwerden
  • Hämorrhoiden
  • Schlafstörungen, Angstzustände, Hysterie, Depressionen

Weiterhin wird Kamillenöl gern in Duftlampen sowie bei Meditationen und Hypnose verwendet.

Bei bekannten Allergien gegen Korbblütler sollte eine Anwendung von Kamillenöl vermieden werden.

Inhaltsstoffe von Kamillenöl

In Kamillenöl sind die in den Blüten enthaltenen ätherischen Öle Chamazulen und α-Bisabolol vorhanden. Diese beiden Stoffe gelten bei Kamillenöl als wirksamkeitsbestimmend. Auf diesen Inhaltsstoffen soll die Wirkung des Öls beruhen. Enthalten sind zudem Cadinen, Cumarin, Farnesen, Matricarianol und Mycren.

Eigenschaften von Kamillenöl

Kamillenöl wird meist aus der echten Kamille gewonnen und zeigt in diesem Fall eine blaue Färbung. Das Öl aus der römischen Kamille hingegen ist gelblich bis grünlich und weist einen fruchtigen, würzigen und heuigen Duft auf und harmoniert gut mit Melissen-, Rosen-, Geranien- oder auch Lavendelöl.

Da Kamillenöl oxidiert, wenn es zu lange der Luft ausgesetzt wird, kann es bei der Verwendung auf der Haut dann zu Reizungen kommen. Von einer Verwendung eines oxidierten Öls wird deshalb abgeraten.

Kamillenöl in Naturkosmetik

Kamillenöl wird gern in der Naturkosmetik verwendet. Das hier verwendete Öl hat allerdings nichts mit dem ätherischen Kamillenöl zu tun. Es handelt sich dabei vielmehr um ein Mazerat (Kaltauszug in einem Pflanzenöl) aus den Blüten der Kamille. Als Basis kommen hiefür meist Oliven- oder Jojobaöl zur Anwendung. In diesem Ölauszug fehlt das blau färbende Chamazulen. Verwendet wird dieser Ölauszug in der Kosmetik vor allem in Sonnenschutzprodukten wie Sonnenschutzcremes und After-Sun-Lotionen.

Das Öl der römischen Kamille wird in einer sehr geringen Menge auch zur Aromatisierung von Likören eingesetzt.

Kamillenöl in der Medizin

Kamillenöl bildet die Basis für verschiedene Fertigarzneimittel, die als begleitende Therapie für die Förderung der Gesundheit in Apotheken angeboten werden. Aufgrund der zugeschriebenen Wirkungen wird Kamillenöl in Präparaten eingesetzt, welche der Wundbehandlung dienen. Auch zur Pflege und Regeneration der Schleimhäute (z. B. Mundschleimhaut) wird Kamillenöl gern verwendet. Ebenso findet es in der Pflanzenheilkunde Anwendung in Form von Inhalationen und Bädern.

Ob eine Anwendung von Kamillenöl sinnvoll ist, sollte jedoch von einem Arzt beurteilt werden. Entscheidend ist zudem die korrekte Dosierung entsprechend der Hinweise des jeweiligen Präparats. Bei Unklarheiten zur Verwendung von Kamillenöl sollte immer mit einem Arzt oder dem Apotheker Rücksprache gehalten werden.

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