Lindenblüten – Hilfreich bei Erkältungskrankheiten

Lindenblüten – das sind die Blüten der Sommer- und Winterlinde (Tilia cordata und Tilia platyphyllos) – gelten seit jeher als traditionelle Heilmittel gegen fiebrige Erkältungen, Katarrhe (Entzündungen der Schleimhaut der oberen Atemwege) sowie erkältungsbedingten Husten. In ihnen finden sich ätherische Öle, Flavonoide, Gerb- und Schleimstoffe. Allen Inhaltsstoffen wird nachgesagt, dass sie in Kombination schweißtreibend, reizlindernd und auswurffördernd wirken können. Auch leicht beruhigend und schmerzlindernd sollen Lindenblüten sein, weshalb sie in der traditionellen Naturheilkunde auch bei Unruhe und leichtem Stress zur Anwendung kommen. Außerdem nutzt die Volksheilkunde Lindenblüten bei Blasen- und Nierenleiden.

Lindenblüten – Ausflug in die Geschichte der Heilpflanze

Die Linde galt schon bei den alten Germanen als heiliger Baum. Er wurde mit der Göttin Freya in Verbindung gebracht und war in Mitteleuropa in vielen Orten der Mittelpunkt des Dorfes.

Tilia europaea L., ein herrlich hoher Lindenbaum, der als Dorflinde einst das Zentrum für Kommunikation darstellte, kommt als im Mai blühende Sommer- und als im Juni beziehungsweise Juli blühende Winterlinde vor. Als Heilpflanze in der Naturheilkunde werden die Blüten beider Lindenarten verwendet.

Doch erst im 18. Jahrhundert wurde mit der Verwendung der Lindenblüten und –blätter für Heilzwecke begonnen. Bis dahin wurde lediglich die Rinde abgekocht, wenngleich auch hier erstaunliche Ergebnisse bei kolikartigen Schmerzen von Nieren-, Blasen- und Gallensteinleiden beobachtet werden konnten.

Lindenblüten – Sommer- und Winterlinde gleichermaßen verwendbar

In der Naturheilkunde können sowohl die Blüten der Sommer- als auch der Winterlinde verwendet werden. Der botanische Name „Tilia“ lässt sich vom griechischen Wort „tilos“ für „Faser“ ableiten und lässt sich mit der Baumrinde in Verbindung bringen, welche sehr viele Bastfasern enthält. Heimisch sind Linden in Europa und dem westlichen Teil von Asien, wo sie als Straßenbaum gepflanzt werden oder auch in Laubwäldern vorkommen.

Die Winterlinde

Bei der Winterlinde handelt es sich um einen sommergrünen Laubbaum, welcher Wuchshöhen von bis zu 25 Metern erreicht, eine rundliche Krone besitzt und ein Alter von bis zu 1.000 Jahren erzielen kann. Junge Triebe der Winterlinde weisen feine Haare auf. Die Blätter sind wechselständig angeordnet und haben die Form eines Herzens. Die Unterseite der Winterlinden-Blätter ist rosarot und braunbärtig behaart, die obere Seite ist kahl und dunkelgrün.

Der Blütenstand der Winterlinde ist am Grund mit einem gelben Tragblatt verwachsen. Er besteht aus drei bis 16 gestielten und rispenartigen Blüten, welche eine weißgelblich-grüne Farbe aufweisen. Die Blüten sind radiär und verfügen über bis zu 30 Staubblätter. Eine kugelige Achäne stellt die Frucht der Winterlinde dar. Dabei handelt es sich um eine Sonderform der Nussfrucht, die einer kleinen Kugel ähnlich ist.

Die Sommerlinde

Verglichen mit der Winterlinde zeigt die Sommerlinde größere Früchte sowie Blätter, die an der unteren Seite weiße Härchen tragen. Die Blütenstände sind nicht so reichhaltig und bestehen nur aus zwei bis acht Blüten. Die Sommerlinde erreicht Wuchshöhen von bis zu 30 Metern und verfügt über dunkelbraune Äste mit behaarten Trieben. Die Blätter sind grün und herzförmig. Während sich an der Unterseite weißbärige Härchen befinden, zeigen sich an der oberen Seite kurze Härchen.

Die mit zwei bis acht gelblich-weißen Blüten versehenen, gestielten Blütenstände wachsen aus den Blattachseln heraus und verfügen über ein häutiges, zungenförmiges Hochblatt. Die Blüten sind fünfzählig und radiär mit vielen Staubblättern. Als Früchte zeigen sich rundliche, holzige und filzige Achänen.

Lindenblüten und ihre Inhaltsstoffe sowie Wirkungen

Lindenblüten enthalten eine Vielzahl an Inhaltsstoffen, welche in Kombination für die besondere Wirkung von Lindenblüten verantwortlich zu sein scheinen.

Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen gehören:

  • Flavonoide
  • Hydroxyzimsäurederivate
  • Schleimstoffe
  • Gerbstoffe
  • Glykoside
  • ätherische Öle
  • Saponine

Den Inhaltsstoffen der Lindenblüten werden dabei folgenden Eigenschaften nachgesagt:

  • schweißtreibend
  • Hustenreiz lindernd
  • entkrampfend
  • fiebersenkend
  • schmerzlindernd (z. B. auch bei Kopfschmerzen)
  • entwässernd
  • beruhigend (auch bei Magenbeschwerden und Unruhezuständen)
  • entzündungshemmend (z. B. bei Katarrhen der oberen Atemwege, Nierenentzündung)

Lindenblüten und ihre Anwendungsbereiche in der Naturheilkunde

Die Naturheilkunde setzt Lindenblüten zur Behandlung von Erkältungskrankheiten und damit einhergehendem Husten sowie bei Fieber ein. Hierzu gibt es sogar vertiefende Kenntnisse. Weiterhin werden Lindenblüten zur Linderung von Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, leichten Krämpfen oder auch Rückenschmerzen und Rheuma verwendet.

Hauptsächlich kommen dabei Tee-Zubereitungen aus getrockneten Lindenblüten zum Einsatz. Aber auch Teemischungen mit anderen Heilpflanzen (z. B. Malve, Kamille, Holunder, Hagebutte) sind möglich. In der Apotheke sind zudem Fertigpräparate, Arzneitees mit Lindenblüten sowie getrocknete Lindenblüten erhältlich. Ebenso finden sich mittlerweile auch Präparate für Inhalationen sowie Badezusätze mit Lindenblüten.

Sowohl die Kommission E als auch ESCOP geben die Empfehlung zur Verwendung von Lindenblüten bei Erkältungskrankheiten sowie Reizhusten aufgrund der langjährigen traditionellen Anwendung und der entzündungshemmenden Wirkung. Allerdings konnte der genaue Wirkmechanismus der Lindenblüten bislang nicht erforscht werden.

Lindenblüten – Wie wird die Droge gewonnen?

Lindenblüten werden während der Blütezeit geerntet. Die Blütenstände beider Lindenarten werden kurz nach dem Aufblühen mit dem hauchdünnen Hochblatt an einem möglichst sonnigen Tag gepflückt und im Anschluss im Schatten getrocknet. Die Ernte sollte etwa ein bis vier Tage nach dem Aufblühen erfolgen, denn dann ist der Gehalt an Wirkstoffen am höchsten. Während des Trockenvorgangs müssen die Blüten mehrfach gewendet werden. Zwar darf das Trocknen nicht zu lange dauern, Temperaturen über 45 °C sind aber für die empfindlichen Lindenblüten nicht von Vorteil. Sobald die Blüten getrocknet sind, werden sie klein geschnitten und sollten in luftdicht verschlossenen Gefäßen aufbewahrt werden. So bleiben Wirksamkeit und aromatischer Duft erhalten.

Die Droge selbst besteht aus den getrockneten, grünlich-gelben Lindenblütenständen von Sommer- und Winterlinde. Für die Schnittdroge sind die gelblich-grünen, netzadrigen Hochblätter ebenso charakteristisch, wie die gelblich-weißen oder bräunlich-weißen Blütenteile. Die Droge zeigt einen süßlich Geschmack und einen schwach aromatischen Geruch.

Lindenblüten-Rezepte

Lindenblüten lassen sich sehr vielfältig anwenden. Aus ihnen lassen sich Tees, Tinkturen, Umschläge und Bäder zubereiten, die dann ihre Wirkstoffe entfalten. In getrocknetem Zustand sind Lindenblüten nur ein Jahr lang haltbar (auch Lindenblüten aus der Apotheke).

Lindenblütentee

Für den Lindenblütentee wird eine Hand voll getrocknete Lindenblüten mit einem Liter heißem Wasser übergossen. Für fünf Minuten muss der Tee zugedeckt ziehen, anschließend wird er abgeseiht. Die Wirkung kann mit einem Lindenblütenhonig oder –sirup noch verstärkt werden. Der Tee kann in kleinen Schlucken und heiß bei einer herannahenden Erkältung getrunken werden. Wird die gleiche Menge Holunderblüten mit aufgebrüht, dann kann der schweißtreibende Effekt verstärkt werden.

Lindenblütensirup

Zur Herstellung von Lindenblütensirup werden 840 Gramm brauner Zucker in eineinhalb Litern Wasser aufgekocht. Dann werden 150 Gramm Bio-Honig und eine Hand voll frische Lindenblüten hinzu gegeben. Der Sirup muss nun abkühlen. Im Anschluss werden zwei Scheiben Bio-Zitrone sowie 30 Gramm Zitronensäure dazu gegeben. Die Lösung muss nun für fünf Tage an einem kühlen dunklen Ort zugedeckt ziehen. Zum Schluss wird der Sirup abgeseiht und in dunkle Flaschen abgefüllt. Fest verschlossen ist der Lindenblütensirup im Kühlschrank etwa ein halbes Jahr haltbar.

Alkoholische Lindenblüten-Tinktur

Um eine alkoholische Lindenblüten-Tinktur herzustellen, wird verdünnter Weingeist, Korn oder Wodka benötigt. In einem Verhältnis von 20 Teilen Lindenblüten zu 100 Teilen Alkohol wird alles in eine Flasche oder ein Schraubdeckel-Glas gegeben und muss darin für etwa fünf bis zehn Tage ziehen. Im Anschluss wird die Mischung in eine dunkle Flasche abgeseiht und noch filtriert. Die Tinktur ist so etwa fünf Jahre haltbar.

Wässrige Lindenblüten-Tinktur

Zur Herstellung eines wässrigen Auszugs werden zwei bis zehn Teile getrocknete Lindenblüten auf 100 Teile kaltes Wasser genutzt. Die Mischung muss fünf bis zehn Tage ziehen und wird anschließend in dunkle Flaschen abgeseiht und filtriert. Im Gegensatz zur alkoholischen Tinktur ist der wässrige Auszug nur für kurze Zeit haltbar.

Lindenblütenbad

Für ein Lindenblütenbad werden vier Hand voll getrocknete Lindenblüten mit zwei Litern kochendem Wasser übergossen. Nach einer Ziehzeit von fünf Minuten wird der Aufguss direkt durch ein Sieb in die bereits gefüllte Badewanne abgeseiht. Das Lindenblütenbad sollte bei 36 bis 38 °C etwa 15 Minuten erfolgen, im Anschluss sollte direkt ins Bett gegangen werden.

Lindenblüten – Was spricht gegen eine Anwendung?

Derzeit sind keine Gegenanzeigen für die Anwendung von Lindenblüten bekannt. Auch während Schwangerschaft und Stillzeit können sie bedenkenlos verwendet werden, ebenso sind keine Anwendungsbeschränkungen für Kinder bekannt. Jedoch sollte die Anwendung während Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kindern immer mit einem Arzt besprochen werden.

Bei einer bekannten Allergie gegen Lindenblüten ist jedoch von einer Verwendung abzusehen. Obwohl es derzeit keine bekannten Nebenwirkungen durch Lindenblüten gibt, sollte bei einer allergischen Reaktion umgehend ein Arzt informiert werden. Bei einer bestimmungsgemäßen Anwendung (zwei bis vier Gramm) dürfte es allerdings nicht zu Überempfindlichkeitsreaktionen kommen.

Bei der Anwendung von Lindenblüten sollte beachtet werden, dass es sich nicht um die Blüten der Silberlinde (Tilia tomentosa) handelt. Sie kommen auch auf den Markt, enthalten aber keinerlei arzneiliche Inhaltsstoffe.

Lindenblüten aus dem eigenen Garten? – Anbautipps

Linden sind sehr große Bäume, die auch schnell wachsen und deshalb auch nur in größeren Gärten angepflanzt werden sollten. Mittlerweile bieten einige Garten-Baumschulen auch kleinere Arten der Winterlinde an, welche nicht nur langsamer wachsen, sondern auch nur Wuchshöhen von etwa zehn Metern erreichen.

Lindenbäume gelten als pflegeleicht und robust, sie sind winterhart und überstehen somit auch sehr strenge und kalte Winter.

Eine gute Pflege kann dazu beitragen, dass die laubabwerfenden Bäume bis zu tausend Jahre alt werden können. Sie benötigen für ihr Wachstum allerdings viel Platz, weshalb sich ein abgelegener Winkel im Garten am besten für die Anpflanzung eignet. Das Erdreich sollte möglichst tief, kühl und nährstoffreich sein, der Standort schattig. Am besten werden die Baumpflanzen im Herbst gesetzt, so dass eine direkte Sonneneinstrahlung zunächst vermieden wird.

Nach seiner Anpflanzung im Herbst werden Lindenbäume ab und an mit Wasser begossen, die Wurzeln in der Erde dürfen keinen Wassermangel erleiden. Erst im Frühling sollte die Erde auch regelmäßig gedüngt werden, um die Wurzeln mit ausreichend Nährstoffen zu versorgen. Auch wenn Linden immer wieder von Blattläusen befallen werden, sind die Bäume eher unanfällig für Parasiten und Erkrankungen.

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