Malve – Unkraut oder Heilkraut?

Sowohl die wilde Malve als auch die Wegmalve gelten bereits seit der Antike als Heilpflanzen und wurden bei vielen Beschwerden verwendet. In der heutigen Zeit werden Malven eher als Unkraut angesehen, auch wenn dies nicht wirklich berechtigt ist. Die Malve, welche auch als Käsepappel bezeichnet wird, enthält hochwertige Schleimstoffe und gilt deshalb in der Naturheilkunde auch als gutes Heilkraut bei grippalen Infekten und Husten sowie bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum. Doch nicht nur heilende Kräfte werden der Malve nachgesagt, auch als Küchenkraut ist sie durchaus gut geeignet.

Malve und ihre Merkmale

Wird von der Malve gesprochen, dann handelt es sich in der Regel um die wilde Malve (Malva sylvestris) oder um die Wegmalve (Malva neglecta). Als Heil- und auch Küchenkraut kommt aber die wilde Malve wesentlich häufiger zum Einsatz.

Bei der wilden Malve handelt es sich um eine recht weit verbreitete Pflanze, die sich in vielen europäischen Ländern und auch in den subtropischen Zonen der Nordhalbkugel finden lässt. Ursprünglich stammt sie auch dem südlichen Eurasien, von wo aus sie nach und nach in den Norden gebracht wurde. Heutzutage sind Malven in Deutschland und auch in anderen mitteleuropäischen Ländern in verwilderter Form anzutreffen.

Sowohl wilde Malven als auch Wegmalven wachsen an Wegrändern, Häuserwänden und –mauern, Schuttplätzen, Hängen und an Rändern von landwirtschaftlich bewirtschafteten Feldern.

In der Botanik gelten Malven als eigenständig: Sie bilden nicht nur eine eigene Pflanzenordnung, sondern auch eine eigene Pflanzenfamilie. Kakao und auch der Affenbrotbaum gehören ebenfalls zur Familie der Malvengewächse, wilde Malve und auch Wegmalve werden dabei der Gattung der Echten Malven (Malva) zugeordnet, von denen es zwischen 20 und 30 Arten gibt. In Deutschland wachsen außerdem die Moschusmalve (Malva moschata) und die kleinblütige Malve (Malva pusilla), welche aber nicht als mögliche Heilkräuter in Frage kommen.

Buschmalven, Strauchmalven, Bechermalven, Eibisch und Hibiskus gehören zwar auch zu den Malvengewächsen, die Zierpflanzen gehören aber nicht zur Gattung der Echten Malve.

Bei der wilden Malve handelt es sich um eine zwei- bis mehrjährige Pflanze, welche Wuchshöhen von 40 bis 140 Zentimetern erreicht. Meist wachsen wilde Malven aufrecht und sind mit einer spindelförmigen Wurzel im Boden verankert. Der Wurzelstock zeigt einige wenige, aber recht große Nebenwurzeln, die etwa ein Viertel der Größe der Hauptwurzel ausmachen.

Die wilde Malve zeigt meist fünflappige Blätter, die wechselständig am Stängel angeordnet sind. Sie erreichen eine Länge von bis zu sieben Zentimetern und eine Breite von bis zu sechs Zentimetern. Stängel und auch Laubblätter sind komplett mit dichten Haaren bedeckt. Äußerlich lassen sich die Blätter von wilder Malve und Wegmalve kaum voneinander unterscheiden.

Die Malve blüht zwischen Anfang Juni und Mitte September und bildet in dieser Zeit blaue, violette oder rosarote Blütenköpfe mit einer Größe von etwa fünf Zentimetern aus, welche i den Blattachseln wachsen. Die Blüten bestehen aus fünf Kronblättern und Kelchblättern sowie aus drei Hüllblättern. Am äußeren Rand sind die Kronblätter eingekerbt und zeigen an der Oberfläche eine auffallende Maserung. Die Blüten von wilder Malve und Wegmalve sind grundsätzlich zwittrig, lediglich die weiße bis schwachrosa Farbe der Wegmalven-Blüten lässt eine Unterscheidung der beiden Arten zu.

In der Fruchtreife bildet die wilde Malve Spaltfrüchte mit einer Länge von acht bis zwölf Millimetern aus. In jeder dieser Spaltfrüchte sind bis zu zwölf Samen (Nüsse) von dunkelbrauner bis fast schwarzer Farbe enthalten.

Malve und ihre Verwendung als Heilkraut

Seit der Antike sind Malven ein fester Bestandteil der Arzneimittel römischer sowie griechischer Ärzte gewesen. Dioskurides empfahl beispielsweise die tägliche Einnahme von Malvensaft zur Vorbeugung gegen viele Krankheiten. Sowohl in den Kräuterbüchern von P. A. Matthioli als auch im „Garten der Gesundheit“ finden sich Aufzeichnungen über die Verwendung von Malve bei vielen Erkrankungen und Beschwerden. Dabei war die Pflanze sehr vielseitig einsetzbar und konnte sowohl innerlich als auch äußerlich angewendet werden. Malve kam seinerzeit bei Lungenerkrankungen, Magen-Darm-Beschwerden oder auch Hautgeschwüren zum Einsatz. Auch gegen Schlangenbisse wurde die Malve als Wundauflage verwendet.

In der heutigen Zeit kommt die Malve vor allem in der Natur- und Volksheilkunde bei Erkältungsbeschwerden zum Einsatz. Auch Entzündungen des Mund- und Rachenraums lassen sich damit lindern, denn die Malve enthält Schleimstoffe, welche für die heilende Wirkung verantwortlich sind.

Da die Malve neben Schleimstoffen auch Gerbstoffe und ätherische Öle enthält, werden ihr außerdem folgende Wirkungen auf den Körper nachgesagt:

  • antibakteriell und antientzündlich
  • reizlindernd
  • schleimhautschützend

Es konnte bereits beobachtet werden, dass die antibakterielle Wirkung der Malve auch bei bestimmten Bakterienstämmen wie Staphylococcus aureus, Erwinia carotovora oder Entrococcus faecali hilfreich sein kann. Jedoch fehlen hier noch einige Forschungen, die diese Wirkung bestätigen.

Zur Anwendung kommen für heilkundliche Anwendung die Blüten der Malve, nur selten die Blätter. Dabei kommt vor allem Malventee zum Einsatz, aber auch Tinkturen, Kaltauszüge und Salben werden gelegentlich genutzt. Die Naturheilkunde, die Volksheilkunde und auch die Homöopathie verwendet die Malve bei folgenden Beschwerden:

  • Erkältungen und grippale Infekte, Husten
  • Durchfall und Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt
  • Magen- und Darmgeschwüre
  • Mund- und Rachenentzündungen
  • Entzündungen der Magenschleimhaut
  • Sodbrennen
  • Hämorrhoiden
  • Wundbehandlung

Gerade bei Wundbehandlungen wird oft die Verwendung von frischen Blättern empfohlen. Jedoch kann die Medizin dies nicht mehr vertreten, denn die Gefahr einer Infektion auf sekundärem Weg über mögliche Fremderreger auf der Oberfläche der Blätter ist sehr hoch.

Im nahen Osten wird die Malve in Form von Salben auch heute noch traditionell zur Wundbehandlung und bei Verbrennungen verwendet. Einige Studien konnte auch schon nachweisen, dass tatsächlich eine Verbesserung eingetreten ist, wenngleich auch hier noch eine Vielzahl an Untersuchungsergebnissen notwendig sind.

In einigen Tests konnte zudem festgestellt werden, dass konzentrierter Malvenextrakt das Wachstum von Pilzen unterdrücken könne. Verglichen wird die Wirkung der Malve mit Lavendel und Zimt.

Malventee und seine Zubereitung

Für einen Malventee werden 1,5 bis 2 Teelöffel Malvenblüten mit 250 Millilitern heißem Wasser übergossen. Nach etwa acht bis zehn Minuten Ziehzeit kann der Tee schluckweise getrunken werden. Zur Süßung kann etwas Honig verwendet werden. Die Naturheilkunde empfiehlt etwa zwei bis drei Tassen täglich über einen Zeitraum von maximal sieben bis acht Tagen bei trockenem und festsitzendem Husten und grippalen Infekten.

Für Entzündungen im Mund- und Rachenraum kommen meist Kaltwasserauszüge mit Malve zur Anwendung, die aus 1,5 bis 2 Teelöffeln Malvenblüten oder –blättern und 250 Millilitern handwarmem Wasser hergestellt werden und zunächst für etwa sieben bis neun Stunden ziehen müssen. Nach dem Abseihen kann der Auszug gegurgelt oder getrunken werden.

Muss mit Nebenwirkungen gerechnet werden?

Bislang sind keine Nebenwirkung bei der Verwendung von Malventee oder Kaltauszügen bekannt, sofern bei der Einnahme auf die Empfehlungen geachtet wird. Bei einer Anwendung über den maximalen Einnahmezeitraum hinaus kann es dazu kommen, dass die effiziente Verwertung von Nahrung verschlechtert wird.

Malve und ihre Verwendung in der Küche

Zwar ist die Malve als Küchenkraut eher wenig bekannt, dennoch ist sie sowohl nutzbar als auch essbar. Junge Malvenblätter wurden früher auch in Salaten verarbeitet. In der heutigen Zeit werden sie eher nicht mehr geschätzt, denn die Schleimstoffe sind durchaus spürbar und wirken vermutlich abschreckend beim Essen. Dennoch kann es sich lohnen, junge Blätter zu probieren, denn sie zeigen einen milden und angenehmen Geschmack. In Italien oder auch Spanien werden Malvenblätter typischerweise mitgekocht oder auch angebraten.

Malve für die Schönheit

Die in der Malve enthaltenen Inhaltsstoffe sollen auch eine antioxidative Wirkung haben. Nicht nur für Schleimhäute ist dies gut, sondern auch für die Haut und andere Gewebe des Körpers. Malvenextrakte sollen dazu in der Lage sein, schädigende Einflüsse abzuwehren und das Elastin – also die Festigungselemente der Haut im Inneren – zu schützen. Malvenextrakt ist deshalb inzwischen ein patentrechtlich geschütztes Mittel gegen Falten, trockene Haut, Rötungen im Gesicht und auch Akne. Wird Malvenextrakt mit anderen Heilpflanzen wie beispielsweise Pfefferminze verwendet, soll es die Haut aufhellen und störende Verfärbungen der Haut ausgleichen können. Jedoch fehlen dafür noch klinische Studien.

Malve kaufen – Worauf sollte geachtet werden?

Wilde Malve und auch Wegmalve werden von einigen Gärtnern als Zierpflanze sehr geschätzt. Wer die gesundheitsfördernden Eigenschaften der Malve kennt und schätzt, kultiviert sie ebenfalls gern im Garten oder auf dem Balkon.

Für die Anpflanzung kann zwischen Frischpflanzen und Samen gewählt werden. Um Tee oder Kaltauszüge herzustellen, finden sich in Fachgeschäften und Apotheken aber auch getrocknete Blüten und Blätter der Malve. Grundsätzlich sollte bei Malvenpflanzen und anderen Malvenprodukten immer genauer hingeschaut werden.

Bei frischen Malven sollten immer die Blätter unter die Lupe genommen werden. Kleine weiße oder größere rötlich-braune Pusteln auf der Ober- oder Unterseite der Blätter deuten auf Malvenrost hin. Bei Saatgut findet sich oft nur die wilde Malve, die Preise hierfür sind in der Regel recht günstig.

Beim Kauf ist es wichtig, möglichst auf den botanischen Namen zu achten, wenn man wilde Malve oder Wegmalve kultivieren möchte. Oft werden im Handel auch andere Arten angeboten, die dann aber einer anderen Gattung angehören und nicht für Heilzwecke angewendet werden dürfen.

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