Melissenöl – Kostbares ätherisches Öl

Den sanften, zitronigen Duft der Melisse (Zitronenmelisse & Melissenöl) kennt fast jeder. Ganz unproblematisch wächst der krautige Strauch mit den kleinen weißen Blüten mittlerweile auch in vielen heimischen Gärten, wo er ohne große Ansprüche recht gut gedeiht.

Melissenkraut (Melissa officinalis) erreicht Wuchshöhen von 20 bis 120 Zentimetern und gehört zur Familie der Lippenblütler. Das Mittelmeer und der Orient sind die ursprüngliche Heimat der Melisse, die auf eine fast 2.000 Jahre alte Tradition zurückblicken kann. Durch Klosterfrau Melissengeist wurde die ausdauernde Pflanze, deren ätherisches Öl in den Blättern zu finden ist, bekannt. Der Ölgehalt ist sehr gering, weshalb reines Melissenöl auch zu den teuersten Ölen weltweit gehört.

So wird Melissenöl hergestellt

89006314 – fotolia.com – Ruslan Olinchuk

Für die Herstellung von Melissenöl wird die gesamte Pflanze verwendet. Bevor das Öl gewonnen wird, müssen die vor der Blüte geernteten Blätter getrocknet werden. Im Anschluss wird Melissenöl durch Wasserdampfdestillation aus dem Melissenkraut gewonnen, indem es im Wasserdampf zum Kochen gebracht wird. In dem aufsteigenden Dampf ist das ätherische Öl enthalten, welches danach vom Kondenswasser getrennt wird.

Es werden etwa acht Tonnen Melissenkraut benötigt, um ein Kilogramm Melissenöl herzustellen. Aufgrund dieser geringen Ausbeute ist ein zu 100 Prozent reines Melissenöl auch besonders hochwertig und entsprechend teuer. Oft wird das Melissenöl jedoch mit anderen Ölen gestreckt.

Warum ist Melissenöl so besonders?

In der Melisse selbst sind zwei Inhaltsstoffe enthalten, welche zunächst eigentlich eine gegensätzliche Wirkung besitzen.

Das sind zum einen Monoterpenaldehyde mit einem Anteil von etwa 25 bis 55 Prozent, welchen eine geistig anregende und stimulierende Wirkung nachgesagt wird.

Zum anderen finden sich in der Melisse Serquiterpene mit einem Anteil von etwa 40 bis 60 Prozent, denen wiederum eine beruhigende und krampflösende Wirkung zugeschrieben wird.

Die Eigenschaften von Melissenöl

Melissenöl weist einen leichten Duft nach Zitrone auf, der aber dennoch auch an Kräuter erinnert. Der Duft hält lange an und steigt schnell in die Nase. Melissenöl ist farblos und passt gut zu Kräutern wie Lavendel und Kamille. Es harmonisiert außerdem sehr gut mit Zitrusfrüchten und Rose.

Anwendung von Melissenöl

Melissenöl wird vor allem als Zusatz in Massageölen bei der Aromatherapie oder auch als Duftöl verwendet. Es ist zudem möglich, Melissenöl auf die Haut aufzutragen und einzureiben oder es mit etwas Wasser oder Tee einzunehmen. Dem Melissenöl werden als ätherisches Öl desinfizierende Eigenschaften nachgesagt.

Sofern Melissenöl entsprechend den Angaben des Herstellers angewendet wird, muss nicht mit unerwünschten Nebenwirkungen gerechnet werden. Bei einer Anwendung auf der Haut kann es aber unter Umständen zu Reizungen kommen.

Da es sich bei Melissenöl um ein ätherisches Öl handelt, wird von einer Anwendung bei Säuglingen und Kleinkindern – vor allem im Bereich des Gesichts – abgeraten.

Melissenöl ist in seiner reinen Form sehr intensiv. Ob in der Duftlampe oder als Zusatz in einem Massageöl (z. B. Jojobaöl): Wenige Tropfen sind bereits ausreichend, um den Duft des Öls zu verströmen.

Melissenöl in der Pflanzenheilkunde

In der Pflanzenheilkunde wird Melissenöl bei unterschiedlichen Beschwerden eingesetzt. Zur Anwendung kommt es sowohl innerlich als auch äußerlich.

Eine innerliche Anwendung erfolgt hier bei Beschwerden wie

  • Magen-Darm-Probleme (z. B. Blähungen, Krämpfe)
  • Allergien
  • Asthma
  • Bluthochdruck
  • Kopfschmerzen, Migräne
  • Nervosität

Äußerlich wird es bei folgenden Beschwerden angewendet:

  • Herpesbläschen
  • Insektenstichen
  • Allergien
  • Kopfschmerzen, Migräne
  • Menstruationsbeschwerden, Beschwerden während der Wechseljahre
  • Psychischen Spannungszuständen
  • Wetterfühligkeit

In der Pflanzenheilkunde werden dem Öl der Melisse folgende Wirkungen nachgesagt, die jedoch nicht wissenschaftlich belegt sind:

  • beruhigend
  • angstlösend
  • nervenstärkend
  • adstringierend
  • entstauend
  • antiviral und antibakteriell
  • antiallergisch
  • schmerzstillend
  • krampflösend
  • entzündungshemmend
  • regenerierend

Trotz des Einsatzes in der Pflanzenheilkunde ist Melissenöl kein zugelassenes Medikament. Offizielle Bewertungen der Wirksamkeit von Melissenöl (z. B. durch die Kommission E des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte) liegen bislang nicht vor. Lediglich den Blättern der Melisse wird die Wirksamkeit bestätigt.

In der Apotheke ist es in seiner reinen Form aber dennoch erhältlich. Da es aufgrund des hohen Preises jedoch auch in der Pflanzenheilkunde nur selten in reiner Form verwendet wird, kommt es vor allem als Bestandteil von Melissengeist zum Einsatz. Dieser setzt sich aus unterschiedlichen ätherischen Ölen sowie Alkohol zusammen und wird in der Pflanzenheilkunde zur Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens, zur Linderung von Belastungen des Herz-Kreislauf- und des Nervensystems sowie bei Schlafstörungen verwendet.

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