Rittersporn – Mehr als nur eine Zierpflanze

Rittersporn ist vor allem als Zierpflanze bekannt und beliebt. Mit seinen filigranen und doch bizarren Blüten und einer starken Blühkraft bezaubert der Rittersporn Pflanzenliebhaber. Früher sehr oft als Heilpflanze verwendet, wird der Rittersporn heute aufgrund seiner Giftigkeit nicht mehr als medizinische Pflanze angewendet.

Bereits Dioscurides beschrieb eine bestimmte Art des Rittersporns als Gegengift und Mittel zur Empfängnisverhütung und von einer anderen Art ist bekannt, sie könne Skorpione lähmen.

Im Mittelalter war Rittersporn Wundheilmittel und sollte auch bei Augenleiden hilfreich sein. Von Hieronymus Bock wurde die Pflanze bei Harnsteinen empfohlen und auch viele andere Ärzte verwendeten den heute als Heilpflanze nicht mehr gebräuchlichen Rittersporn.

Rittersporn – Ausflug in die Pflanzenkunde

Der Rittersporn (botanischer Name: Delphinium) wird der Familie der Hahnenfußgewächse zugeordnet und ist auch unter den Namen Aderblume, Hornkümmel, Lerchenklau und Ottilienblume bekannt. Rittersporn erreicht je nach Art eine Wuchshöhe von 20 bis 40 Zentimetern oder bis zu zwei Metern. Er bildet einen kräftigen Wurzelstock mit faseriger Struktur. Der aufrecht wachsende Stängel ist rund und zeigt starke Verästelungen sowie mehrfach handförmig geteilte Laubblätter, die schmal und länglich sind.

Die Blütezeit von Rittersporn liegt zwischen Juni und August, wo sich je nach Art weiße, blaue oder rote Blüten ausbilden. Sie wachsen traubenartig und sitzen aufrecht in einem lockeren Blütenstand. Die Blüten tragen einen langen Sporn, der einem Stachel ähnlich ist.

Der Rittersporn ist eine meist mehrjährige Pflanze, die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammt. Von den rund 350 Arten des Rittersporn sind jedoch einige einjährig, andere zweijährig. Bevorzugt wächst die Pflanze in lichten Wäldern, zu finden ist er aber auch auf Feldern, Äckern und an Wegrändern. Rittersporn ist recht anspruchslos, bevorzugt für sein Gedeihen aber kalk- und humusreichen Lehmboden und einen hellen, sonnigen Standort. Sehr viele Arten gelten als Zierpflanzen in Gärten. Bestimmte Arten können sogar in Steppen gedeihen oder in Höhen von 6.000 Metern noch immer wachsen.

Rittersporn: Inhaltsstoffe und medizinische Anwendung

In Rittersporn sind Flavonoide, Bitterstoffe und Gerbstoffe enthalten. Aufgrund dieser Stoffe kam Rittersporn lange Zeit auch für medizinische Zwecke zum Einsatz. Allerdings enthält Rittersporn auch die giftigen Alkaloide Lycoctonin, Delcosin, Delsonin und Ajaconin. Diese befinden sich in allen Teilen der Pflanze, vorrangig aber in den Samen.

Dem Rittersporn wird nachgesagt, er sei blutreinigend und harntreibend. Die Naturheilkunde verwendet auch heute noch die alkaloidarmen Blüten des Rittersporns als Heilmittel, auch wenn Belege über die Wirksamkeit nach wie vor fehlen. Sehr oft kommen die blauen, getrockneten Blüten als so genannte Schmuckdroge in Teemischungen (vor allem Blasen- und Nierentees) vor. Die Volksmedizin verwendet den Garten-Feldrittersporn zudem als Aufguss zur Behandlung von Herzbeschwerden.

In der Naturheilkunde kommt Rittersporn zudem bei

  • Ödemen
  • Appetitlosigkeit
  • Wurmerkrankungen

zum Einsatz.

Aufgrund der Giftigkeit ist Rittersporn nicht für die Selbstmedikation geeignet. Eine Verwendung sollte also nur nach therapeutischer Anweisung unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. In Teemischungen ist Rittersporn allerdings als unbedenklich anzusehen.

Zur äußerlichen Anwendung kann der Saft der Pflanze bei der Reinigung von Wunden angewendet werden. Auch bei Beschwerden mit der Prostata kann ein Aufguss des frischen Pflanzenkrauts durch äußerliche Anwendung für Linderung sorgen.

Da die Unverträglichkeit, die von Rittersporn ausgeht, in seiner getrockneten Form verloren geht, kann ein aus getrocknetem Rittersporn hergestelltes Pulver in Wasser gelöst möglicherweise auch bei Husten, Sodbrennen sowie Verstopfung hilfreich sein. Auch von einer wohltuenden Wirkung bei Koliken wird immer wieder berichtet. Bekannt ist zudem, dass aus den Samen eine Tinktur hergestellt werden kann, welche gegen Läuse und Nissen im Haar helfen soll.

Für medizinische Zwecke innerhalb der Naturheilkunde und der Homöopathie wird ausschließlich der einjährige Rittersporn – Delphinium ajacis (oder Consolida ambigua) verwendet. Hier konnte inzwischen auch eine heilende Wirkung nachgewiesen werden. Alle anderen Arten kommen nicht für medizinische Zwecke zum Einsatz.

Die Homöopathie verwendet den Scharfen Rittersporn im homöopathischen Mittel Staphisagria. Dabei wird die Pflanze stark potenziert und somit gesundheitlich unbedenklich. Empfohlen wird dieses Mittel nach Operationen zur Linderung von Schmerzen sowie bei Schwermut und Depressionen. In den Potenzen D3 bis D12 ist der homöopathisch aufbereitete Rittersporn sehr geläufig.

Rittersporn und mögliche Nebenwirkungen

Anzeichen einer Vergiftung durch Rittersporn sind folgende:

  • Taubheitsgefühle von Zunge und Gliedmaßen
  • Kribbeln in Händen und Füßen
  • verstärkter Speichelfluss
  • Blutdruckabfall und Benommenheit
  • Magen- und Darmreizungen
  • Durchfall und Erbrechen
  • Bewegungsstörungen
  • Unruhezustände
  • Hautirritationen
  • Verlangsamung von Atem- und Herzfrequenz

Schlimmstenfalls kann es auch zu einem Angriff des Herzmuskels kommen. Werden nach Verwendung von Rittersporn derartige Anzeichen bemerkt, ist unverzüglich der Notarzt zu verständigen. Zudem muss die Giftnotrufzentrale kontaktiert werden. Dies ist auch deshalb wichtig, da es unter Umständen auch zu einer Atemlähmung und dadurch zum Tod kommen kann.

Auch für Tiere ist Rittersporn giftig. So können bei Hunden, Katzen, Kleintieren wie Hasen, Meerschweinchen und Hamstern sowie Pferden und Rindern ähnliche Symptome wie beim Menschen auftreten.

Rittersporn als edle Gartenpflanze

Gerade in so genannten Bauerngärten gilt Rittersporn als sehr beliebte Staude. Die blauen, weißen oder auch violetten Blütenkerzen verleihen jedem Garten ein eindrucksvolles Aussehen. Familien mit Kindern sollten aufgrund der Giftigkeit von Rittersporn beim Pflanzen allerdings mit Vorsicht vorgehen.

Im Garten sollte Rittersporn nicht an Standorten mit Schatten gepflanzt werden, da es dort zur Bildung von Krankheiten wie Echtem Mehltau kommen kann. Normale Gartenerde ist für den Rittersporn ausreichend. Wichtig ist allerdings eine gute Versorgung des Bodens mit Nährstoffen, organische Dünger wie Hornspäne oder auch mineralischer oder flüssiger Volldünger sind dafür gut geeignet und sollten im März zu zwei Drittel und nach dem Rückschnitt im Sommer zu einem Drittel gegeben werden.

Rittersporn kann problemlos in Gruppen gepflanzt werden, die Aussaat kann zwischen Mai bis September durchgängig erfolgen, zwischen Juni und August blüht er allerdings. Wird Rittersporn im Sommer gestutzt, treibt er noch einmal neu aus und blüht im Spätsommer ein zweites Mal. Hierzu werden die Blütenstiele direkt im Anschluss an die Blüte bis auf etwa 20 Zentimeter zurück geschnitten. Ein zu starkes Zurückschneiden bis kurz über den Erdboden kann aber zum Eingehen des Rittersporns führen. Ein nicht zurück geschnittener Rittersporn kann Wuchshöhen von bis zu zwei Metern erreichen, kann aber aufgrund der Windempfindlichkeit dann auch leichter umknicken. Da einige Sorten besonders hoch werden können, sollten diese direkt an einen windstillen oder windgeschützten Ort gepflanzt werden.

Rittersporn gilt zwar als anspruchslos und pflegeleicht. Während der Schnittphase und auch im Frühjahr ist er jedoch gefährdet, denn Schnecken lieben die Pflanze. Allerdings kann gegen die Schädlinge nichts gemacht werden, außer diese von der Pflanze zu sammeln. Auf Sandböden ist die Gefahr eines Befalls jedoch geringer.

Gut für den Garten geeignete Sorten des Rittersporns sind Delphinium elatum und Delphinium belladonna. Beide Arten unterscheiden sich vor allem im Aufbau der Blütenrispen. Während Delphinium elatum eher nach oben wächst, fallen Belladonna-Sorten eher kompakt und niedriger aus.

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