Senföl - Ein pflanzliches Antibiotikum?

Schon vor 3.000 Jahren wurde Senföl in China verwendet, ursprünglich soll es jedoch aus Indien stammen. „Sinapsis“, die alte Bezeichnung für Senföl, ist im Sanskrit verankert.

Es handelt sich bei Senföl allerdings nicht um ein klassisches Öl, es zählt zu den ätherischen Ölen und wurde ursprünglich vor allem zur Geschmacksverstärkung verwendet. Noch heute ist es in der indischen Küche ein wichtiger Bestandteil. Auch in Europa ist es mittlerweile in immer mehr Küchen zu finden. Zudem werden dem goldgelben Öl auch positive Wirkungen auf die Gesundheit nachgesagt, welche jedoch nicht wissenschaftlich belegt sind. Nicht selten wird Senföl zu den pflanzlichen Antibiotika gezählt.

So wird Senföl gewonnen

Aus den Samen von Kreuzblütlern sowie Kapuzinerkressegewächsen (z. B. Senf, Meerettich, Kapuzinerkresse) wird Senföl gewonnen. Zwar kommt das Öl auch in Brunnen- und Gartenkresse, Rucola sowie Raps vor, allerdings werden diese Pflanzen nicht zur professionellen Senfölgewinnung verwendet.

Senföl entsteht in schonender Kaltpressung, bei der ein geringer maschineller Aufwand betrieben wird. Chemische Extraktionsmittel fehlen komplett, weshalb alle wertvollen Inhaltsstoffe in Senföl enthalten bleiben. Für die Pressung wird eine so genannte Schneckenpresse eingesetzt.

125121297 – fotolia.com – Artem Shadrin

Für gute Ergebnisse ist es wichtig, dass die Senfsaat absolut sauber ist. Deshalb ist zunächst eine Befreiung der Saat von Sand, Steinen, Metallen und anderen Rückständen notwendig. Nur so lässt sich eine absolut hohe Qualität erzielen. Vor der Kaltpressung ist es sinnvoll, den Feuchtigkeitsgehalt der Senfsaat auf etwa sechs bis acht Prozent zu reduzieren, wodurch die Saat auch über mehrere Monate haltbar ist. Außerdem wird so die Ausbeute erhöht.

Inhaltsstoffe in Senföl

Es enthält eine Vielzahl an ungesättigten und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Proteinen (essenzielle sowie nicht essentielle Aminosäuren), Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen sowie Ballaststoffe, Kohlenhydrate und Schleimstoffe.

Zu den Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen in Senföl gehören

In Senföl finden sich außerdem ätherische Öle, welche auch für den scharfen Geschmack in Senf oder Meerrettich verantwortlich sind. Senföl selbst hat jedoch zunächst keinen Geschmack, denn die Stoffe, die für die Schärfe zuständig sind, sind nicht in Öl löslich. Eine gewisse Schärfe entsteht erst, wenn dem Öl Flüssigkeit hinzu gegeben wird.

Wirkungen und Anwendungsgebiete, die dem Senföl zugeschrieben werden

Senföl lässt sich auf unterschiedliche Weise verwenden. So bestätigte die Kommission E/ESCOP (European Scientific Cooperative of Phytotherapy), dass Senföl bei folgenden Beschwerden hilfreich sein kann:

  • Erkältungen, Bronchitis
  • Nebenhöhlenvereiterung
  • Mandelentzündung
  • Blasenentzündung

Weiterhin wird Senföl nachgesagt, dass es bei folgenden Beschwerden eine lindernde Wirkung haben soll:

  • äußerlichen Prellungen
  • Entzündungen der Mundschleimhaut
  • Hauterkrankungen
  • Menstruationsbeschwerden

Es handelt sich dabei allerdings nicht um fundierte wissenschaftliche Beweise, sondern lediglich um Erfahrungen von Anwendern sowie traditionelle Überlieferungen.

Senföl werden unterschiedliche Wirkeigenschaften nachgesagt. So soll es

  • schmerzstillend
  • antibakteriell
  • schleimlösend
  • krampflösend
  • verdauungsregulierend
  • pilzabtötend
  • harntreibend
  • schweißtreibend
  • durchblutungsanregend
  • immunisierend
  • hautreizend

wirken können.

Auch kann Senföl das Wachstum der Haare unterstützen und Kopfhaut sowie Haare mit Feuchtigkeit versorgen. Das Haar soll aufgrund der Verwendung widerstandsfähiger gegen Spliss und Haarbruch werden.

Bei folgenden Problemen kann das Öl ebenfalls helfen:

  • bei Appetitlosigkeit
  • gegen Verdauungsbeschwerden (z. B. auch chronische Verstopfung, Blähungen)
  • zur Entgiftung
  • gegen Muskelkater, bei Rückenschmerzen
  • bei Kreislaufproblemen
  • bei Zahnschmerzen

Wie wird Senföl verwendet?

Senföl kann auf unterschiedliche Weise verwendet werden:

  • in purer Form
  • als Kapsel
  • als Tabletten
  • in Kosmetikprodukten

Senföl pur verwenden

Das reine Öl – also die pure Anwendung – ist die standardisierte Darreichungsform des Öls. Entscheidend ist natürlich, dass das Senföl in Kaltpressung hergestellt wurde

Senföl-Kapseln

Senföl-Kapseln enthalten eine bestimmte Menge an Senföl und sind magensäureresistent. Die Kapselhülle besteht aus Gelatine oder Zellulose. Sie enthält weder Gluten, noch Laktose oder Fructose und trägt so dazu bei, dass die Kapseln nicht nur für Veganer, sondern auch für Allergiker gut geeignet sind.

Senföl-Tabletten

Senföl-Tabletten bestehen aus Senfölextrakt in Pulverform. Alle Pflanzenteile durchlaufen bei der Herstellung der Tabletten einen schonenden Prozess der Trocknung. Sobald die Trocknung erfolgt ist, werden die Pflanzenteile gebrochen und zu Pulver verarbeitet. Zusammen mit Milchzucker werden die Pflanzenteile in Tablettenform gebracht.

Senföl in Kosmetikprodukten

Die Kosmetikindustrie verwendet Senföl gern in Massageölen, Seifen oder auch Haarwuchsmitteln. Hier wird es oft mit anderen Ölen kombiniert, um bessere Ergebnisse zu erzielen.

Hat Senföl Nebenwirkungen?

Senföl enthält Eurucasäure, welche dafür bekannt ist, für eine Verfettung des Herzens sorgen zu können. Deshalb gibt es für Produkte mit dieser Säure bestimmte Grenzwerte, die eingehalten werden müssen. Solange diese Grenzwerte nicht überschritten werden, ist mit Nebenwirkungen nicht zu rechnen.

Senföl im Ayurveda

Im Ayurveda – einer indischen Lebensweisheit – hat Senföl einen hohen Stellenwert. Hier wird es vor allem in der Küche, für Massagen sowie für die ganzheitliche Lebensphilosophie verwendet. Senföl wird im Ayurveda zur Reinigung und Entgiftung des Körpers eingesetzt, was sich mittlerweile auch bis nach Europa in Form von Entschlackungskuren durchgesetzt hat.

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