Süßdolde – Würz- und Heilpflanze mit Lackritzgeschmack

Im Frühjahr schieben sich die weichen Triebe der Süßdolde (Myrrhis odorata) aus der Erde, wie die Pfoten von kleinen pelzigen Monstern. Sobald sich die Blätter entfalten, geht der Pelz der ersten Tage verloren, allerdings bleiben sie auch den gesamten Sommer über samtig weich. Der ausdauernde Doldenblütler zeigt eine helle unregelmäßige Zeichnung, das Laub ist farnartig mehrfach gefiedert und breitet sich in alle Richtungen locker aus. So wird die Süßdolde, die auch als Aniskerbel bekannt ist, zu einem fröhlichen Lichtblick in schattigen Bereichen des Gartens.

Doch nicht nur im Garten ist die Süßdolde eine gern gesehene Pflanze, auch Würz- und Heilkräfte werden ihr nachgesagt.

Die Süßdolde – Kleiner Ausflug in die Pflanzenkunde

Schon im März beginnt die Süßdolde, die zur Familie der Doldenblütler gehört, ihre ersten Triebe aus der Erde zu strecken. Etwa von April bis Mai schiebt sie dann ihre steifen Blütenstände nach oben, welche eine Höhe von bis zu 70 Zentimetern oder mehr erreichen können. Der Stängel der Pflanze verzweigt sich, es bilden sich mehrere unregelmäßige Dolden aus. Die Süßdolde weist weiße kleine Blüten aus, die aber aufgrund ihrer großen Anzahl wirken. Typischerweise trägt lediglich die Hauptdolde sowohl weibliche als auch männliche Blüten und bildet Samen noch während der Blüte der Nebendolden.

Die anfangs grünen und gefurchten Doppelfrüchte sitzen steif aufrecht auf den Stängeln und können bis zu drei Zentimeter lang werden. In diesem noch unreifen Stadium stellen sie eine leckere Nascherei mit einem intensiv süßen Lackritzgeschmack dar.

Herkunft der Süßdolde

Die Heimat der Süßdolde ist ursprünglich das Hochgebirge zwischen den Pyrenäen und dem Balkan. Hier wuchs die Pflanze in lichten Wäldern auf kalkhaltigen Böden. Das intensive Aroma trug dazu bei, dass die Pflanze in ganz Europa verbreitet wurde. So wurde sie von Mönchen in mittelalterlichen Klostergärten gepflanzt und von ihnen aufgrund ihrer heilenden Kräfte bei Husten und Magenschwäche verwendet. Auch bei Venenproblemen und zur Blutreinigung wurde sie eingesetzt. Und nicht nur das: Das enthaltene fette Öl in den Früchten trug dazu bei, dass aus der Süßdolde auch ein Poliermittel für Möbel hergestellt werden konnte.

Bald gelangte die Süßdolde auch in Bauerngärten, denn sie ist recht anspruchslos. Hier verwendeten die Menschen sie in der Küche und banden aus Blüten und Blättern Blumensträuße.

Zu finden ist die Süßdolde auf Weiden und Fettwiesen, in Grasgärten, an Waldrändern sowie in Hochstaudenfluren. Gesammelt werden zwischen Mai und August das Kraut und zwischen Juli und August die Samen.

Süßdolde und die ihre Anwendung als Heilpflanze

Schon seit Jahrhunderten ist die Süßdolde als Würz- und Heilpflanze bekannt. Lange Zeit geriet die Pflanze in Vergessenheit, in der Volks- und Erfahrungsheilkunde wird sie aber gern bei folgenden Beschwerden eingesetzt:

  • Husten
  • Appetitlosigkeit, Magenschwäche
  • Blutreinigung
  • Rekonvaleszenz (Regenerationsphase nach Krankheit)

Hier kommt die Pflanze als Arzneimittel mit der Bezeichnung „Herba Cerefolii hispanica“ (Aniskerbel-Kraut) zum Einsatz.

Die Homöopathie nutzt die Süßdolde zudem bei Hämorrhoiden und Krampfadern in den Potenzen D2, D3 und D4. Zur Herstellung des Arzneimittels Myrrhis wird dafür das frische blühende Kraut genutzt und in eine Alkohollösung gelegt. Zudem kann die Pflanze in Form einer Salbe oder von Tropfen verwendet werden.

Der Süßdolde werden folgende Wirkungen nachgesagt:

  • antioxidativ
  • verdauungsfördernd
  • leicht antimykotisch

Zudem liegen Studien und auch Erfolge zu folgenden Wirkungen vor, welche jedoch noch eine Positiv-Monographie der Kommission E erhalten haben und somit noch nicht ausreichend wissenschaftlich belegt sind:

  • leicht beruhigend
  • appetitanregend
  • leicht entzündungshemmend
  • leicht tonisierend

Die Wirkungen werden dabei auf die Inhaltsstoffe der Süßdolde zurückgeführt. Hierzu gehören unter anderem:

  • ätherische Öle (z. B. trans-Anethol, Limonen, Estragol, Mycren, Germacren, β-Caryophyllen)
  • Flavonoide
  • Fumarsäure
  • Mannit

Zu den möglichen Nebenwirkungen bei der Verwendung von Süßdolde gehören in seltenen Fällen allergische Reaktionen der Haut, der Atemwege und im Magen-Darm-Bereich. Bei einer bekannten Allergie gegen Doldenblütler und Anethol sollte Süßdolde nicht verwendet werden.

Die Süßdolde in der Küche

Die Blätter der Süßdolde sind essbar. Geerntet werden können sie von Frühjahr bis Herbst. Die Früchte können ebenfalls verzehrt werden, die im Herbst zu erntenden Samen eignen sich sehr gut als Gewürz.

Alle Teile der Süßdolde weisen einen süßen Geschmack auf, der Anis ähnelt. Salate, Fischgerichte sowie Saucen können sehr einfach mit Blättern gewürzt werden, die Früchte lassen sich zur Verfeinerung von Kohlgerichten und Gebäck verwenden und können als natürliches Süßungsmittel auch saurem Kompott hinzu gegeben werden (sinnvoll für Diabetiker, da so die Zugabe von Zucker reduziert werden kann). Einem Obstsalat verleihen Süßdoldenfrüchte eine ganz besonders aromatische Note und auch zum Einkochen von Obst sind sie geeignet. Die Früchte selbst können in gemahlener Form ebenfalls als Gewürz genutzt werden, sobald sie nach einigen Wochen schwarz und hart geworden sind.

Die Wurzeln der Süßdolde können als Gemüse zubereitet werden, in dem sie gekocht und fein geschnitten werden. Mit einer Essig-Öl-Marinade lässt sich so ein geschmackvoller Salat zaubern. Im Likör Chartreuse und auch in verschiedenen anderen Likören ist die Süßdolde ebenfalls Bestandteil.

Süßdolde und ihre weiteren Verwendungsmöglichkeiten

Da es sich bei der Süßdolde um eine Gewürz- und Duftpflanze handelt, wird sie oft auch für Potporris, Duftsträuße, Duftrasen und –hecken sowie in Duftgarten eingesetzt. Die Süßdolde wird aufgrund des angenehmen Anisdufts auch gern in der Aromatherapie genutzt.

Zudem spielt die Rolle auch aus blütenökologischer Sicht als Nektarpflanze eine wichtige Rolle für Bienen, Hummeln sowie Schmetterlinge.

Süßdolde im Garten anbauen

Die Süßdolde kann problemlos im heimischen Garten angebaut werden. Sie bevorzugt einen halbschattigen Platz sowie einen humusreichen feuchten Boden. Sie gedeiht gut im feuchten Bereich der Kräuterspirale. Sollte die Süßdolde an einen zu schattigen Platz gepflanzt werden, bildet sie keine Blüten aus, entwickelt aber durchaus die leckeren Blätter.

Die Pfahlwurzel der Süßdolde reicht etwa einen Meter in den Boden hinein und kann sich bei Trockenheit somit auch selbst Wasser suchen. Somit ist ein tiefgründiger Boden von Vorteil. Süßdolden wirken aufgrund der imposanten Blätter wie Farne und geben einem Beet unter Bäumen einen Waldcharakter. Die Süßdolde ist winterhart, im Oktober ziehen sich die Pflanzen ein und im Frühjahr (März oder April) treiben sie wieder aus. Ist der Winter recht mild, kann es sogar sein, dass die Süßdolde schon im Dezember wieder einen Austrieb startet, der dann bis zum Frühjahr etwa zehn Zentimeter hoch ist. Der eigentliche Austrieb im Frühjahr erfolgt jedoch recht schnell, bereits nach wenigen Wochen erreicht sie – sofern es die Bedingungen hergeben – Wuchshöhen von bis zu 1,50 Metern. Die etwa Anfang Mai erscheinende weiße Blüte zieht Käfer und Schmetterlinge an.

Süßdolde kann mit dem gefleckten Schierling verwechselt werden, lässt sich aber anhand des Anisgeruchs beim Reiben an den Blättern von ihm unterscheiden.

Im Juni sind die Samen der Süßdolde noch grün und reifen bis August zu einer dunkelbraunen Farbe. Sobald sie reif sind, sind sie fast schwarz und können zur Aussaat an einer anderen Stelle geerntet werden. Die Samenschale ist rau und scharfkantig, weshalb beim Pflücken etwas Vorsicht geboten ist. Werden die Samen an der Pflanze gelassen, säen sie sich auch allein aus.

Süßdolden gehören zu den so genannten Kaltkeimern, die Samen sind nur kurz haltbar. Es ist sinnvoll, sie noch im August zu säen. Die Pflanzen produzieren eine große Menge an Samen, es kann also an einer Stelle durchaus auch eine Handvoll gesät werden. Es ist auch möglich, die Samen in Schalen zu säen, da Mäuse Süßdoldensamen mögen und so sichergestellt wird, dass diese nicht gefressen werden. Im Winter können die Samen mit etwas Erde bedeckt auch draußen stehen gelassen werden. Die Einwirkung von Kälte trägt dazu bei, dass keimhemmende Stoffe abgebaut werden, im Frühling kommt es dann zur Keimung der Pflanzen. Jetzt können die kleinen Pflänzchen auch in Tuffs gepflanzt werden.

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