Tausendgüldenkraut – zur Stärkung der Verdauung

Das Tausendgüldenkraut ist ein naher Verwandter vom Enzian und daher auch genauso bitter im Geschmack. Das Kraut ist jedoch nicht zu verachten, wenn es um Magentätigkeiten geht oder besser gesagt dann, wenn Verdauungsbeschwerden plagen.

Tausendgüldenkraut gehört zu den anerkannten Heilpflanzen und wird bereits seit dem Altertum eingesetzt. Da die Pflanze in der Zwischenzeit so selten geworden ist, steht sie seit einiger Zeit unter strengem Naturschutz.

Geschichte vom Tausendgüldenkraut

Tausendgüldenkraut ist schon ein seltsamer Name für eine Pflanze. Er kommt der Legende nach daher, weil ein reicher Mann tausend Gulden versprach, wenn ihm jemand ein Heilmittel gegen seine Krankheit brachte. Dieses geschah und da es sich um diese Pflanze handelte, bekam sie den Namen 1000guldenkraut.

Schon Sebastian Kneipp schätzte das Kraut als eine Art Universalheilmittel und setzte es auch kräftig ein. Zur Verbesserung vom Magensaft, zur Verdrängung von „Magenwinden“ und zur Stärkung von Leber und Nieren. Sogar bei Sodbrennen verschrieb der Pfarrer es, denn für ihn war das Tausendgüldenkraut ein Allheilmittel.

Aber auch Hippokrates und Hildegard von Bingen schätzten die Pflanze. Letztere nutzte es zur Heilungsförderung bei Knochenbrüchen.

Zwischenzeitlich hat das Kraut mehrere Namen bekommen, es wird sowohl Muttergotteskraut, Himmelblume oder Fieberkraut genannt. Zu erkennen ist die Pflanze an ihren zartrosa Blüten, die sich allerdings nur sehen lassen, wenn die Sonne scheint.

Leicht zu finden ist das Tausendgüldenkraut nicht, denn es wächst an trockenen Berghängen, Waldlichtungen oder auf halbtrockenem Rasen. Die Blütezeit beginnt im Juni und endet im September, geerntet werden darf zudem nur im heimischen Garten, da die Pflanze unter Naturschutz steht.

Inhaltsstoffe Tausendgüldenkraut

Als Arzneimittel können, außer der Wurzel, alle Pflanzenteile Verwendung finden. Im Kraut selber finden sich bittere Substanzen, die sogenannten Secoiridoidglykoside. Hierzu gehören unter anderem Stoffe wie Gentiopikrosid, Swerosid und Swertiamarin.

Daneben finden sich noch kleine Mengen von Flavonoiden und Xanthonderivaten. Auszeichnen tut sich Tausendgüldenkraut durch den enorm bitteren Geschmack, was wiederum sofort im Mund die Geschmacksknospen reizt. Das führt dazu, dass der Magen mehr Säure bildet, und der Magen – Darm- Trakt angeregt wird.

Die Vorgänge, die das Tausendgüldenkraut auslöst, steigern nicht nur den Appetit, sondern fördern die Tätigkeiten von Magen und Darm und rufen gleichzeitig auch Verdauungshormone auf den Plan. Die Pflanze wurde sogar im Jahr 2004 zur Heilpflanze des Jahres gekürt.

Weitere Inhaltstoffe

  • ätherische Öle
  • Bitterstoffglykoside
  • Fettsäuren
  • Flavonoide
  • Harz
  • Gentianin
  • Magnesiumlactat
  • Phenolkarbonsäure
  • Zucker

Durch diese Inhaltsstoffe wirkt Tausendgüldenkraut nicht nur appetitanregend, sondern auch beruhigend, blutreinigend und entzündungshemmend. Zudem wird das gesamte Immunsystem gestärkt und kann so eine vorbeugende Maßnahme, gegen Viruserkrankungen sein.

Hervorzuheben ist die Eigenschaft, dass das Kraut wahre Wunder bei Erschöpfungszuständen leistet. Tausendgüldenkraut ist weiterhin zu empfehlen, nach überstandenen Krankheiten und es hilft das Selbstwertgefühl zu stärken.

Obwohl das Kraut nur schwach würzig im Geruch erscheint, ist der Geschmack, als sehr bitter zu bezeichnen. Daher werden überwiegend Tees, Tinkturen und Aufgüsse aus Tausendgüldenkraut genutzt.

Aus dem Kraut wird eine Bitterstoffdroge hergestellt, die gegen Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit, Blähungen, Bauchkrämpfe und mangelnder Magensaftproduktion hilft.

Tipp:
In der Volksmedizin, wird auch der sogenannte Tausendgüldenkraut – Wein anerkannt. Bei Bedarf kann ein kleines Glas vor jeder Hauptmahlzeit getrunken werden. Er ist einfach herzustellen, dazu werden 20 Gramm getrocknete Pfefferminze mit ebenfalls 20 Gramm Tausendgüldenkraut gemischt und einer unbehandelten Zitrone mit der Schale, mit trockenem Weißwein übergossen. Nach ungefähr zehn Tagen gibt der Nutzer alles durch einen Seiher und füllt das Ganze in Flaschen ab.

Anwendungsgebiete von Tausendgüldenkraut

Überwiegend wird Tausendgüldenkraut bei akuten und chronischen Verdauungsbeschwerden angewendet. Während das Kraut traditionell bei Fieber, Leberleiden, Gallenstörungen und MagenDarm – Beschwerden eingesetzt wird, kommt es in der Volksmedizin als Tonikum, auch zur äußeren Anwendung zur Behandlung von Wunden zum Tragen.

Weitere Indikationen

  • Verdauungsbeschwerden
  • Verdauungsstörungen
  • Völlegefühl
  • Blähungen
  • Dyspeptische Beschwerden
  • Fieber
  • Leberleiden
  • Wunden

Das sind nur einige Anwendungsgebiete, denn Tausendgüldenkraut kann noch bei diversen anderen Leiden eingesetzt werden. Hierzu gehören unter anderem:

Abszesse. Abwehrschwächen, Anämie, saures Aufstoßen
Blutarmut, Blähungen
chronische Magenentzündung
Darmkatarrh, Diabetes
Ekzeme, Fieber, Erschöpfungszustände
Gallensteine, Gastritis, Gelbsucht, Gelenkrheumatismus, Gicht
Kreislaufschwäche, Leberstauung, Magenkatarrh, Menstruationsbeschwerden, Müdigkeit
schlecht heilende Wunden, Übergewicht, Skrofulose, Verstopfung, Wundheilung

Was viele nicht wissen, dass Bitterstoffe echte Fatburner sind. Sie sorgen dafür, dass Nahrungsfette dorthin kommen, wo sie hingehören, nämlich zur Fettverbrennung. Allerdings sind Bitterstoffe, in der modernen Ernährungslehre, so gut wie gar nicht mehr vorhanden.

Bitterstoffe helfen aber bei der Gewichtsreduktion, wie kaum ein anderer Stoff. Der Leitsatz: „Was bitter im Mund, ist für den Magen gesund“, stimmt auch in der heutigen Zeit noch. Laut Ernährungswissenschaftlern, sind auch heute noch Bitterstoffe im Gemüse und Kräutern das A und O bei einem gesunden Essen.

Auch Heilpraktiker wissen, dass diese Bitterstoffe nicht nur Pfunde purzeln, sondern auch den Cholesterinwert absinken lassen. Weitere wichtige Bitterstofflieferanten der heimischen Flora sind Sauerampfer, Liebstöckel (besser bekannt, als Maggikraut), Kerbel, Majoran und Co. Kommen des Öfteren Chicorée, Radicchio und Rucola auf den Tisch, kann der Speiseplan mit einer ganz eigenen Note angereichert werden, die nach und nach zu einem reizvollen Geschmacksstoff wird.

Es gibt jedoch zwei unterschiedliche Arten von Bitterstoffen:

Aromatische Bitterstoffe (Amara aromatica):Anis, Basilikum, Bohnenkraut, Galgant, Koriander, Kurkuma, Rosmarin, Thymian
Reine Bitterstoffe (Amara pura):Mariendistel, gelber Enzian, Löwenzahn, Hopfen, Tausendgüldenkraut

Wirkung von Tausendgüldenkraut

Unter anderem enthält das Tausendgüldenkraut bitter schmeckende Iridoide. Die Hauptwirkstoffe finden sich im blühenden Kraut (Centauri herba). Weiterhin befinden sich Bitterstoffe in Stängeln, weniger in den Blättern. Darüber hinaus besitzt das Kraut ätherische Öle, sowie Flavonoide.

Vorsicht:
Patienten, die unter Magen – oder Darmgeschwüren leiden, sollten auf die Einnahme von Tausendgüldenkraut verzichten. Auf Grund der anregenden Wirkung auf die Magensäuresekretion, kann es zu stärkeren Beschwerden kommen.

Die Wirkung von Tausendgüldenkraut ist auf die Bitterstoffe zurückzuführen. Diese regen den Appetit an, da es im Mund sofort zu einer erhöhten Produktion von Speichel kommt. Zur gleichen Zeit, beginnt der Magen seine Arbeit und fängt an, Verdauungssäfte zu bilden. Bauchspeicheldrüse und Galle werden dazu nicht in einem geringen Maß mit angeregt und das Gehirn wird angeschaltet, dass Nahrung zu erwarten ist. Der Magen selber bildet nicht nur Verdauungssäfte, sondern unterstützt parallel dazu, die Bewegungen im Magen – Darm – Bereich und beginnt das bekannte „Knurren“ abzugeben. So wird suggeriert, die Person hat Hunger.

Das Tausendgüldenkraut oder besser formuliert, die Extrakte darin, haben eine direkte Wirkung auf etwaige Verdauungsbeschwerden. Zum einen wird das Gewebshormon Gastrin, welches für die Säurebildung verantwortlich ist, reguliert. Zum anderen wird Magensaft sauer, was wiederum wichtig für die Aufspaltung der Proteine ist. Proteine, als auch Fette werden schneller zerlegt und im Dünndarm in die Blutbahn aufgenommen.

Anwendung und Dosierung

Personen, die über mangelnden Appetit, sowie über Verdauungsbeschwerden klagen, sollten einen Tee aus Tausendgüldenkraut zu sich nehmen. Hierzu wird 1 Teelöffel (2 Gramm) mit 150 ml heißem Wasser übergossen. Den Tee für 10 bis 15 Minuten stehen lassen, dann abseihen.

Bei Appetitlosigkeit muss circa 30 Minuten vor einer Mahlzeit eine Tasse Tausendgüldenkraut getrunken werden. Das Ganze darf durchaus dreimal täglich stattfinden. Bei Verdauungsbeschwerden ist es ratsam, denn Tee nach einer Mahlzeit einzunehmen.

Tipp:
Nach dem Abkühlen sollte Tee aus Tausendgüldenkraut nicht erneut erhitzt werden. Es kann dazu kommen, dass die Bitterstoffe sich reduzieren und der therapeutische Zweck nicht mehr eintritt.

Nebenwirkungen und Risiken sind bei der normalen Einnahme von 6 Gramm pro Tagesdosis nicht bekannt. Allerdings, dürfen Personen wie schon erwähnt, mit Magen – oder Darmgeschwüren keinen Tee zu sich nehmen, da es zu vermehrter Magensaftbildung kommen kann. Schwangere, Jugendliche und Kinder sollten tendenziell vom Verzehr absehen, da noch keine Studien über die Unbedenklichkeit vorliegen.

Tausendgüldenkraut in Zusammenfassung:

  • Wirkt bei Appetitlosigkeit und Verdauungschwäche, stärkt einen lustlosen Magen
  • Bewährt bei Virus – Infektionen, Influenza – Viren, Coxackieviren mit Fieber
  • Trägt zur Rekonvaleszenz nach einer Krankheit bei
  • Hilfreich bei Erschöpfungszuständen
  • Heilt und desinfiziert schlecht abheilende Wunden und Ekzeme

Wissenswertes über das Tausendgüldenkraut

Tausendgüldenkraut ist ebenfalls bekannt als Bitterkraut, Roter Aurin, Erdgallenkraut oder Fieberkraut. Die Pflanze selber ist zweijährig und kann bis zu 50 Zentimeter hoch wachsen. Zu finden ist sie in ganz Europa und bildet mehrere Unterarten.

Das Kraut wächst nicht nur in Europa, sondern auch in Nordamerika und im westlichen Asien. Die Droge wird in der Regel aus Jugoslawien, Marokko, Ungarn und Bulgarien importiert und bei uns weiter verarbeitet.

Da die Pflanze zahlreiche Bitterstoffe enthält, wird sie gern bei Appetitlosigkeit (Anorexie) eingesetzt. Außerdem ist sie äußerst hilfreich, bei Blähungen und Völlegefühl, da das Tausendgüldenkraut in eine ungeregelte Verdauung eingreift.

Apotheken führen in ihrem Sortiment Tausendgüldenkraut – Extrakte als Kombinationspräparate mit anderen Heilpflanzen. Darreichungsformen sind hier Tropfen oder Dragees gegen Verdauungsstörungen. Zudem ist das getrocknete Kraut erhältlich, mit dem wirksame Tees hergestellt werden können.

Da Tausendgüldenkraut unter Naturschutz steht, kann der Hobbygärtner es auch im heimischen Kräutergraten ziehen. Die Pflanze braucht allerdings eine sonnige Lage und einen kalkreichen, lehmigen und humusreichen Boden. Die feinen Samen keimen besonders schlecht, daher sollten sie vorzugsweise im Sommer in einem Kübel ausgesät werden. Anschließend können die Sämlinge unter Glas überwintern. Im späten Frühjahr dürfen sie dann ins Freiland.

In der pharmazeutischen Fachsprache wird Tausendgüldenkraut als Centauri herba bezeichnet. Die Qualität des Wirkstoffes ist durch das Europäische Arzneibuch geregelt, wozu ein Bitterwert von über 2000 gehört. Enzianwurzel oder das Wermutkraut verfügen über einen Bitterwert von über 10.000 und sind daher um einiges bitterer als das Tausendgüldenkraut.

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