Zwiebel – Aromatisches und gesundes Gemüse

Eine alte Volksweisheit besagt, dass die Zwiebel heilt und das sich zwischen den einzelnen Schichten für fast alle Schmerzen und Beschwerden Heilmittel verstecken sollen. Auch magische Kräfte wurden der Zwiebel in der Vergangenheit zugeschrieben: So glaubten viele, sie könne böse Geister vertreiben und unter das Kissen gelegt für prophetische Träume sorgen.

Schon seit Jahrhunderten sind die gesunden Eigenschaften der Zwiebel bekannt, eine erstmalige wissenschaftliche Bestätigung gab es jedoch erst im Jahr 1919 durch einen amerikanischen Arzt. Dieser fand heraus, dass eine Bauernfamilie während einer Grippeepidemie völlig gesund blieb. Die Frau des Hauses legte Zwiebel an die Fenster und verteilte sie im gesamten Haus – nach einer Untersuchung der Zwiebel unter dem Mikroskop stellte der Arzt fest, dass sich der Grippevirus an die Schichten der Zwiebel angehaftet hatte. Und auch heute wird die Zwiebel nicht nur in der Küche als schmackhafte Knolle geschätzt, sondern auch im medizinischen Bereich bei unterschiedlichen Beschwerden verwendet.

Zwiebel – Ausflug in die Botanik

Die Zwiebel (Allium cepa) ein eine ausdauernde, ein- oder auch zweijährige, krautige Pflanze. Sie weist charakteristische röhrige Blätter mit parallelen Adern auf. Die Zwiebel selbst bildet sich aus verdickten Blattbasen, der röhrige Blütenschaft trägt den kugeligen Blütenstand mit vielen sternförmigen und weißen oder auch violetten Blüten.

Es wird davon ausgegangen, dass die weit verbreitete Kulturpflanze von Wildpflanzen im östlichen Mittelmeergebiet oder aus dem Mittleren Osten abstammt, eindeutig festgestellt werden kann ihre Herkunft aber schwer.

Zwiebel – Warum ist sie so gesund?

In der Zwiebel sind zwölf unterschiedliche Substanzen enthalten, denen ähnliche Wirkungen wie Antibiotika nachgesagt werden. Si sollen Krankheitserreger abtöten sowie Entzündungen lindern können. Eine hohe Wirkkraft wird dabei dem Zwiebelwirkstoff Allicin zugeschrieben. Seine Schutzwirkung soll auch in den Gefäßen wirken. Allicin wird zudem für eine Senkung des Blutdrucks sowie eine Verbesserung der Durchblutung und damit einer vorbeugenden Wirkung vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich gemacht.

Neben Allicin enthalten Zwiebeln außerdem ätherische Öle, Mineralien (z. B. Eisen, Zink), Vitamine (z. B. Vitamin C und Folsäure) sowie Flavonoide.

Mittlerweile ist auch wissenschaftlich belegt, dass die Zwiebel folgende Wirkungen entfalten kann:

  • antiviral und antibakteriell
  • entzündungshemmend
  • desinfizierend
  • entgiftend
  • blutdrucksenkend
  • antimykotisch
  • Blutfettwerte senkend
  • verbessernd auf die Blutfließfähigkeit

Die in der Zwiebel enthaltenen Schwefelverbindungen tragen zudem dazu bei, dass sich zähflüssiger Schleim in den Atemwegen bei Erkältungskrankheiten verflüssigen und somit leichter abgehustet werden kann.

Zwiebeln schneiden – Dadurch fließen die Tränen

Fast jeder, der schon einem Zwiebeln geschält und geschnitten hat, kennt das Problem: Bereits ein Schnitt ist ausreichend, dass Tränen fließen.

Den Zellen der Zwiebel entweichen beim Schneiden Stoffe, aus denen ein Gas gebildet wird, welches die Augen reizt und sich dort mit Tränenflüssigkeit zu Schwefelsäure vermischt. Dabei handelt es sich zwar um eine sehr geringe Konzentration, jedoch ist das für das Gehirn ausreichend, um noch mehr Tränen zum Ausspülen zu produzieren.

Aus chemischer Sicht sieht das so aus:

Während des Schneidens entsteht aus dem fast geruchlosen Alliin, welches schwefelhaltig ist, entsteht Allicin, der stechend riechende und Tränen auslösende Stoff. Durch Oxidation werden die Schwefelverbindungen gespalten und dann zu Schwefelsäure.

Werden Zwiebeln unter fließendem kaltem Wasser gepellt und grob geschnitten, kann der Tränenfluss vermieden werden. Auch das Tragen von Kontaktlinsen oder einer Taucherbrille kann hilfreich sein. Weiterhin kann es helfen, die Zwiebeln am unteren Ende zuletzt zu schneiden oder sie vor dem Schneiden für einige Zeit in den Kühlschrank zu legen.

Die Zwiebel – Jahrtausende altes Wundermittel

Bereits bei den alten Ägyptern, den Griechen und den Römern wurde die Zwiebel als „Jungfer mit den sieben Häutchen“ bezeichnet und wie ein Wunderheilmittel gesehen. Sie galt damals als Aphrodisiakum und Arzneimittel. Auch von unseren Vorfahren wurde die Heilkraft der Zwiebel geschätzt.

Bei uns gehört die Zwiebel zu beliebtesten Würzpflanzen, die durch die Römer in die europäischen Küchen gebracht wurde. Bis dahin war sie in China, Indien und auch im Vorderen Orient für ihre heilenden Kräfte bekannt. Mittlerweile gelten Lauchgewächse wie die Zwiebel als regelrechte „Lebensverlängerer“ – unumstritten ist ihre positive Wirkung auf die Gefäße. Die Volksmedizin nutzt sie aufgrund der zugeschriebenen schleimlösenden, verdauungsfördernden und immunstärkenden Wirkung und selbst als Wurmmittel kommt sie zum Einsatz.

Für medizinische Anwendungen sollten kleine bis mittelgroße Zwiebelsorten verwendet werden. In der Volksmedizin kommt die Zwiebel bei unterschiedlichen Beschwerden wie folgt zum Einsatz:

Zwiebelsirup als Mittel gegen Husten

Bei Husten kann ein selbst hergestellter Zwiebelsirup durchaus wahre Wunder bewirken. Dafür wird eine mittelgroße Zwiebel in feine Würfel geschnitten und dann mit drei Esslöffeln braunem Rohrzucker vermischt. Dann werden 125 Milliliter Wasser dazu gegeben, die Mischung muss nun einige Minuten köcheln. Der Sud wird nach einer Ziehzeit von ein paar Stunden durch einen Stoffteebeutel gepresst und dann am besten in ein dunkles Gefäß gefüllt. Der Zwiebelsirup wird kühl aufbewahrt und ist so ein halbes Jahr haltbar. Bei Husten können dreimal täglich ein bis zwei Teelöffel des Sirups eingenommen werden.

Zwiebelwickel bei Bronchitis

Gegen eine Bronchitis können Zwiebelwickel helfen. Hierzu werden zwei mittelgroße Zwiebeln klein gehackt und mit etwas Schmalz in einer Pfanne angedünstet. Die Brust wird dann mit dem warmen Brei bestrichen und mit einem Tuch abgedeckt. Der Wickel sollte eine Stunde lang in der Wärme des Bettes einwirken können.

Zwiebelsäckchen bei Ohrenschmerzen

Wer Ohrenschmerzen hat, kann auf das jeweilige Ohr ein Zwiebelsäckchen legen. Dafür wird eine kleine Zwiebel in feine Würfel gehackt und vorsichtig in einem Topf erwärmt. Die warmen Zwiebelstückchen werden dann in ein Mullsäckchen oder eine Babysocke gefüllt und für eine Dauer von etwa 30 bis 60 Minuten auf das schmerzende Ohr gelegt. Die Fixierung des Säckchens kann mit einem Stirnband oder einer Mütze erfolgen.

Zwiebelsaft als Mittel gegen Haarausfall

Wer unter Haarausfall leidet, kann die lichter werdenden Stellen der Kopfhaut einmal täglich mit frisch gepresstem Zwiebelsaft bestreichen. Erhältlich ist Zwiebelsaft in Reformhäusern. Zusätzlich wird dem Saft eine darmreinigende Wirkung nachgesagt, vorbeugend soll er auch gegen Arteriosklerose hilfreich sein.

Zwiebelsalbe und Zwiebelsöckchen bei Erkältungen

Mit Hilfe der Zwiebel lassen sich Erkältungen vertreiben. Bereits ein Zwiebelsöckchen, bei dem einige Zwiebelscheiben am Abend unter die Fußsohle gelegt und mit einer Socke überzogen werden, kann aufgrund der ätherischen Öle dazu beitragen, dass die erkältungsauslösenden Viren abgetötet werden.

Mit Hilfe einer selbst hergestellten Zwiebelsalbe lässt sich auch der Schleim bei einer Erkältung lösen. Dazu muss in einer Kasserolle 150 Gramm Schweineschmalz zerfließen und in dieses dann zwei gehackte Zwiebeln gegeben werden. Die Zwiebeln sollten das Fett möglichst gut aufsaugen, die Mischung muss dann für etwa zehn Minuten langsam köcheln. Nach dem Auskühlen wird alles durch ein Sieb passiert. Die so entstandene Salbe kann dann gleichmäßig auf ein Leintuch gegeben und für eine Stunde als Wickel auf Brust und Rücken aufgelegt werden.

Zwiebel gegen Insektenstiche

Zwiebel gilt als altbewährtes Hausmittel bei Insektenstichen. Der Stich wird dabei einfach mit einer halbierten Zwiebel eingerieben. Wichtig ist dabei, dass sich in der Wunde kein Stachel mehr befindet. Schon kurz nach der Anwendung der Zwiebel dürfte der Schmerz zurückgehen, auch eine mögliche Schwellung kann sich durch die Zwiebel verhindern lassen.

Selbst bei Dermatologen ist die abschwellende und auch entzündungshemmende Wirkung der Zwiebel bekannt und geschätzt, auch Narben lassen sich nach offiziellen Leitlinien zur Narbenbehandlung mit Zwiebel-Extrakten scheinbar gut behandeln.

Die rote Zwiebel – Besser als jede andere Zwiebelsorte ?

In Zwiebeln finden sich Sulfide, welche den typischen Geruch und die Schärfe des Gemüses verursachen. Diesen Schwefelverbindungen werden zudem antikanzerogene (krebsvorsorgende) Effekte nachgesagt. So soll die Schwefelverbindung Isoallin beim Zerschneiden mit dem ebenfalls enthaltenen Enzym Allinase reagieren, aus der Verbindung entsteht Propanthial-S-Oxid. Es handelt sich dabei um einen Stoff, der uns zu „Tränen rührt“.

Enthalten sind außerdem Antioxidantien, welche im menschlichen Körper gegen freie Radikale wirken. In roten Zwiebeln ist der Gehalt an Antioxidantien noch einmal höher, als in anderen Zwiebelsorten. Hier sind Flavonoide wie Quercentin und das Polyphenol Anthocyanin wesentlich stärker enthalten.

Die rote Zwiebel soll übrigens nicht nur bei Erkältungssymptomen helfen, sondern sogar bei der Gewichtsreduktion hilfreich sein können. Mit Hilfe der roten Zwiebel soll der Aufbau der schwefelhaltigen Aminosäure Cystein unterstützt werden können, welche für die Bildung von Taurin notwendig ist. Taurin wiederum trägt zur Ausschüttung von Hormonen durch die Hirnanhangdrüse bei. Dabei werden auch Hormone ausgeschüttet, die den Fettabbau beeinflussen.

Die Zwiebel als vielseitiges Gemüse

In der Küche ist die Zwiebel ein sehr vielseitiges Gemüse. Die Artenvielfalt reicht von der herkömmlichen Speisezwiebel über die Lauchzwiebel bis hin zur Silberzwiebel.

  • Speisezwiebeln stammen sehr wahrscheinlich aus Asien. Nach der Tomate belegen sie mit einer Gesamtanbaufläche von acht Prozent den zweiten Platz in Deutschland.
  • Gemüsezwiebeln stammen vor allem aus Spanien und weisen einen etwas milderen Geschmack, als die herkömmliche Speisezwiebel auf.
  • Bei der Lauchzwiebel (auch als Frühlingszwiebel bekannt) handelt es sich um eine Speisezwiebel. In ihrem Aussehen erinnert sie an Lauch, weshalb sie auch diesen Namen trägt. Ihr Geschmack ist deutlich milder, als der einer Speisezwiebel.
  • Schalotten zeigen ein sehr mildes Aroma und sehr unterschiedliche Wachstumsformen: Erhältlich sind runde oder auch längliche Schalotten.
  • Silberzwiebeln sind die kleinen Zwiebeln, die sehr häufig in Sauerkonserven zu finden sind.
  • Weiterhin gibt es weiße und rote Zwiebeln. Die weiße Zwiebel zeigt einen feinen und milden Geschmack, ist aber in Deutschland kaum bekannt. Die rote Zwiebel hingegen ist sehr bekannt und wir vor allem für ihre dünne Schale, ihren leicht süßlichen Geschmack und die milde Schärfe geschätzt.

Die Zwiebel in der Küche

Die Zwiebel hat in der Küche durchaus eine wichtige Stellung eingenommen. Etwa sieben Kilogramm Zwiebeln verzehrt jeder Deutsche jährlich – sowohl roh als auch gedünstet oder gebraten. Kaum ein anderes Gemüse ist so vielseitig einsetzbar, wie die Zwiebel.

In zahlreichen Gerichten stellt die Zwiebel die Basis der Würze dar. Es spielt dabei keine Rolle, ob es sich um Suppen, Eintöpfe, Salate oder auch Saucen oder Gemüsegerichte handelt. Selbst in Essig und Öl eingelegt ist die Zwiebel (meist die Silberzwiebel) ein Gaumenschmaus.

Tipps zur Verwendung der Zwiebel

Wie sich Tränen beim Zwiebeln schneiden vermeiden lassen, wurde ja schon beschrieben. Doch es gibt noch einige weitere Tipps, mit welchen die Verwendung der Zwiebel erleichtert wird:

  1. Zur Vermeidung eines bitteren Geschmacks sollte beim Hacken der Zwiebel ein scharfes Messer verwendet werden.
  2. Um die Verflüchtigung des Aromas zu vermeiden, sollten Zwiebeln erst kurz vor der Verwendung geschnitten werden.
  3. Minzblätter kauen hilft, unangenehmen – durch die Zwiebel verursachten – Mundgeruch zu vertreiben, Zitronensaft hilft gegen den Geruch an den Händen.
  4. Sind die Zwiebeln gekocht, gebraten oder gedünstet, weisen sie einen süßeren Geschmack als rohe Zwiebeln auf, denn beim Garvorgang wird der zwiebeleigene Zucker freigesetzt.
  5. Kommt es aufgrund der Zwiebeln zu Blähungen, helfen Gewürze wie Kümmel, Fenchel, Ingwer oder auch Thymian.

Zwiebeln kaufen – Worauf sollte geachtet werden?

Beim Kauf so genannter Lagerzwiebeln sollte darauf geachtet werden, dass sie sich fest und prall anfühlen. Die Schale der Zwiebel sollte absolut trocken und sauber sein, von Zwiebeln mit verfaulten Stellen sollte man die Finger lassen. Raschelt die Schale beim Schütteln des Zwiebelnetzes, kann von einer guten Trocknung ausgegangen werden. Eine weiche Zwiebel, die auch grüne Triebe zeigt, deutet jedoch auf Überlagerung hin – ein solches Zwiebelnetz sollte ebenfalls liegen gelassen werden.

Geht man von den Informationen von Greenpeace sowie dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) aus, dann gehören Zwiebeln zu den Lebensmitteln, die am wenigsten mit Pestiziden belastet sind – so wurden bei mehr als 70 Prozent der Proben keinerlei Rückstände gefunden. Wer sich noch mehr absichern möchte, sollte zu Zwiebeln aus Bio-Anbau greifen.

Zwiebeln richtig aufbewahren

Zwiebeln sind bei luftiger, trockener und dunkler Lagerung durchaus mehrere Monate haltbar. Wichtig ist, dass sie nicht in Folie eingewickelt oder zu hell und zu feucht gelagert werden.

So genannte Lagerzwiebeln können bei ein bis zwei Grad Celsius aufbewahrt werden. Der Keller eignet sich für die Lagerung durchaus gut. Wenn die Zwiebeln Keime bilden, sollten sie möglichst zeitnah verzehrt werden.

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