Eisen – nicht zu viel davon

Besonders die Pharmaindustrie möchte insbesondere den Frauen weismachen, dass Eisenmangel eines der häufigsten Probleme ist. Frauen deshalb, da durch die monatliche Menstruation viel Blut und somit auch Eisen verloren geht. Außerdem wird dieses Spurenelement in der Schwangerschaft und Stillzeit in einer höheren Dosis von den Frauen benötigt. Doch Studien beweisen ganz klar, dass eher selten ein Eisenmangel vorliegt, wenn sich die Frauen gesund und abwechslungsreich ernähren. Vielmehr kommt es oftmals zu einer Überdosierung an Eisen, was schwerwiegende Folgen haben kann.

Was ist Eisen?

Eisen ist ein Spurenelement, das aufgrund seiner Konzentration pro Kilogramm Körpergewicht eigentlich den Mengenelementen zugeordnet werden müsste. Während die Konzentration der Mengenelemente bei mehr als 50 mg/kg beträgt, ist die Konzentration der Spurenelemente bei unter 50 mg/kg Körpergewicht angesiedelt. Eisen ist dabei die große Ausnahme, die unter die Mineralstoffe Spurenelemente fällt.

Eisen ist ein lebenswichtiges Spurenelement, das vor allem für den lebensnotwendigen Sauerstofftransport im Körper zuständig ist. Was heißt, dass der Sauerstoff, der über die Lunge aufgenommen wird, wird mithilfe von Eisen an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin gebunden und kann so im ganzen Körper über das Blut verteilt werden. Um diesen Sauerstofftransport zu gewährleisten, ist das Spurenelement besonders wichtig. Doch Eisen macht gute Laune, leistungsstark und fördert die Konzentration. Weiterhin ist es für gesunde Haut, Haare und Nägel unabdingbar und stärkt außerdem die Abwehrkräfte.

Wie kann Eisenmangel entstehen?

In der Regel kommt bei einem gesunden Menschen eher selten ein Eisenmangel vor. Schwangere und stillende Frauen benötigen natürlich etwas mehr, als die normale Tagesdosis aber auch kranke Menschen sind oftmals gefährdet. Dies kann daran liegen, dass durch die Krankheit das Spurenelement nicht mehr richtig im Körper aufgenommen werden kann und so ein Mangel entsteht. Aber auch durch ein Missverhältnis zwischen Aufnahme und Bedarf kann zu einem Eisenmangel führen. Dies kann bei einer Magen-Darm-Schleimhautentzündung oder auch bei Magengeschwüren, wie auch bei Morbus Crohn der Fall sein.

Was passiert bei einem Eisenmangel?

Über eine bestimmte Zeit ist es für den Körper kein Problem, wenn zu wenig Eisen zugeführt wird, da der Körper dies kompensieren kann. Allerdings können, müssen aber nicht, bereits in dieser Zeit Symptome wie

  • trockene Haut
  • die Mundwinkel können einreißen
  • brüchige Nägel
  • struppige Haare
  • Veränderung der Mundschleimhaut
  • Zungenbrennen

auftreten. Meist wird dies aber gar nicht wirklich wahrgenommen und den Symptomen keine Bedeutung beigemessen. Wird aber die Anzahl der roten Blutkörperchen, die den Sauerstoff transportieren, immer geringer, wird die Sauerstoffversorgung der Zellen natürlich verschlechtert. Somit kann es durchaus zu einer Anämie, also einer Blutarmut kommen, die durch den Eisenmangel verursacht wurde. Zu den typischen Symptomen einer Anämie gehören

  • Blässe
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • geringe Leistungsfähigkeit

Allerdings tritt gerade in den westlichen Industrieländern ein Eisenmangel nur selten auf. Bei einer Studie wurde festgestellt, dass an einer Eisenmangelanämie nur 0,6 Prozent der Bürger leiden und nur 4 Prozent der Menschen einen leichten Eisenmangel haben. Somit ist es also vollkommen überflüssig, dass die Vielzahl der Menschen zusätzliche Eisenpräparate einnehmen. Dies kann sogar recht gefährlich werden, wenn es zu einer Überdosierung von Eisen kommt.

Eisen Zusatzpräparate und die Eigenmedikation

Die Eisenpräparate, die auf dem Markt sind, sind vor allem dazu gedacht, einen Eisenmangel wieder in den Griff zu bekommen. Daher sollten diese Produkte nur von Menschen eingenommen werden, bei denen wirklich eine Unterversorgung vorliegt. In der Regel schützt sich der Körper zwar selbst und nimmt nur soviel Eisen auf, wie er benötigt, dennoch kann es aber zu einer Überdosierung kommen. Ist der Eisenspeicher leer, kann es durchaus vorkommen, dass der Körper 30 Prozent des Eisens auf. Ist das Eisendepot gut gefüllt, sind es vielleicht nur 10 Prozent Eisen, die vom Körper aus der Nahrung aufgenommen wird. Bei Schwangeren hingegen, die im letzten Drittel sind, ist es allerdings durchaus möglich, dass der Körper 60 Prozent des Eisenanteils aus der Nahrung aufnimmt, um so die Depots wieder zu füllen.

Dennoch sind viele Menschen davon überzeugt, dass sie an Eisenmangel leiden und glauben dabei auch leider der Pharmaindustrie, die suggeriert, dass bei der Mehrzahl der Bürger ein Eisenmangel vorliegt. Daher wird vor einer Eigenmedikation unbedingt abgeraten. Denn wird dem Körper auf Dauer zu viel Eisen zugeführt, funktioniert der Schutzmechanismus irgendwann nicht mehr. Zu hohe Eisenwerte können unter anderem für

  • Schädigung der Zellen
  • Anfälligkeit für Infektionen
  • Eisenablagerungen in Leber, Herz und Bauchspeicheldrüse
  • erhöhtes Diabetesrisiko
  • Arteriosklerose
  • Herzinfarkt
  • Erhöhung des Krebsrisikos

verantwortlich sein und es wurde bei Untersuchungen sogar festgestellt, dass selbst bei Eisenwerten, die „nur“ im oberen Normbereich liegen, ein erhöhtes Tumorrisiko besteht.

Eisenpräparate und Ihre Nebenwirkungen

Wie alle pharmazeutischen Mittel haben auch Eisenpräparate Nebenwirkungen, die nicht von der Hand zu weisen sind. Neben Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung und Durchfall kann es weiterhin zu Bauchschmerzen und Sodbrennen kommen, die oftmals auftreten. Vor allem für Frauen, denen in den ersten Wochen der Schwangerschaft Eisenpräparate verschrieben werden, können damit ein größeres Problem haben. Denn nicht wenige der Frauen leiden bereits jetzt schon an Übelkeit und durch die zusätzlichen Eisenpräparate wird dies noch verstärkt. Dies kann dann noch dazu führen, dass die Schwangere mit anderen wichtigen Mineralstoffen wie Zink, unterversorgt wird. Zink ist für das Wachstum des ungeborenen Kindes wie auch für einen reibungslosen Ablauf der Schwangerschaft zuständig. Wird dabei zu viel Eisen aufgenommen, kann so der gemeinsame Transportweg für das Zink blockiert sein und somit weniger in die Körperzellen gelangen.

Eisenmangel mit der richtigen Ernährung vorbeugen

Wer sich ausgewogen und gesund ernährt, wird in den seltensten Fällen an einem Eisenmangel leiden. Auch Veganer und Vegetarier, die ja eigentlich an einem Eisenmangel leiden müssten, da sie kein Fleisch essen, haben nicht wirklich etwas zu befürchten. Denn auch Gemüse und Obst enthält Eisen, welches allerdings erst von einem dreiwertigen in ein zweiwertiges Eisen reduziert werden muss. Dies gelingt am besten durch Begleitstoffe wie etwa Vitamin C und Milchsäure. Die Eisenverfügbarkeit aus den pflanzlichen Lebensmitteln kann durch Vitamin C um ein Vielfaches gesteigert werden. Aus diesem Grund ist es ideal, wenn Vegetarier und Veganer zu den Mahlzeiten ein Glas Orangensaft trinken. Kaffee, schwarzer Tee wie auch Milchprodukte können hingegen die Eisenaufnahme hemmen und sollten daher nicht zu den Mahlzeiten aufgenommen werden.

Um den Körper mit genügen Eisen zu versorgen, sollten vor allem diese Lebensmittel auf dem Speiseplan stehen:

  • Fleisch
  • Fisch
  • Hülsenfrüchte
  • Kohlarten
  • Blattsalate
  • Fenchel

Auch Vollkornprodukte enthalten Eisen, die Ballaststoffe haben allerdings eine hemmende Wirkung zur Aufnahme im Körper. Somit kommt es vor allem auf eine ausgewogene Ernährung an, die in der Regel, selbst bei Fast-Food-Junkies, nicht zu einem Eisenmangel führen. Wer ein- bis zweimal die Woche Fleisch oder Fisch isst und Hülsenfrüchte oder Salat auch nicht außen vor lässt, wird sich keine Gedanken um einen Eisenmangel machen müssen.

Wenn auch Sie oben genannte Symptome haben, sollten Sie dies natürlich von einem Arzt abklären lassen, der den Eisengehalt im Blut feststellen kann. Der Artikel ersetzt keinen Arztbesuch, sondern dient lediglich der Information rund um das Thema Eisenmangel und Überdosierung von Eisen.

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