Vitamin K2 Tropfen – Eine unterschätzte Wunderwaffe?

Die gesamte Vitamin K-Gruppe erhielt ihren Namen bei ihrer Entdeckung in den 1930er Jahren aufgrund ihrer deutlichsten Wirkung. So beobachtete Carl Peter Henrik Dam, späterer Nobelpreisträger, bei Küken und Hühnern eine verstärkte Blutungsneigung aufgrund der Markierung an einem Flügel. Anhand von Fütterungsversuchen wurde seinerzeit die Gerinnungsstörung mit dem Gehalt an Vitamin K im Futter in Verbindung gebracht. Das K in Vitamin K2 steht deshalb für Koagulation (Gerinnung).

In der heutigen Zeit sind sich die Forscher weitgehend einig darüber, dass Vitamin K2 nicht nur für die Blutgerinnung von Bedeutung ist. Vielmehr soll es auch zur Gesundheit der Knochen beitragen und einer Arteriosklerose vorbeugen können.

Was genau ist Vitamin K2?

Vitamin K2 gehört – wie auch die Vitamine A, D und E – zu den fettlöslichen Vitaminen. Das gemeinsame Strukturelement 2-Methyl-1,4-Naphtochinon ist charakteristisch für alle K-Vitamine. Die Vitamin-K-Gruppe umfasst insgesamt drei Typen – Vitamin K1, K2 und K3.

Vitamin K2 (auch als Menachinon bezeichnet) wird entweder durch Bakterien gebildet (z. B. im Darm des Menschen) oder aber auch Phyllochinon (Vitamin K1) von Mensch und auch Tier synthetisiert.

Vitamin K2 selbst stellt wiederum einen Sammelbegriff für verschiedene Menachinone mit unterschiedlich langen Seitenketten dar. In ihrer biologischen Aktivität unterscheiden sich die jeweiligen Substanzen dabei deutlich voneinander.

Wozu wird Vitamin K2 im menschlichen Organismus benötigt?

Vitamin K2 fungiert im Körper des Menschen als Cofaktor bei der Gamma-Carboxylierung von unterschiedlichen Proteinen. Zusammen mit dem Enzym y-Glutamylcarboxylase wandelt es die Glutaminsäurerest der Proteine in y-Carboxyglutaminsäure um. Es werden somit im Körper wichtige Prozesse durch Vitamin K2 ausgelöst. Derzeit sind insgesamt 14 Proteine bekannt, die von Vitamin K2 abhängig sind. Davon wiederum sind an der Blutgerinnung sechs Proteine beteiligt.

Im Rahmen der so genannten Gamma-Carboxylierung

  • werden die Gerinnungsfaktoren II, VII, IX und X durch Vitamin K2 in ihre wirksame Form überführt, wodurch es einen entscheidenden Einfluss auf die Funktion der Blutgerinnung im Körper nimmt
  • trägt Vitamin K2 zur aktiven Bindung von Kalzium durch Osteocalcin im Knochen bei und beeinflusst somit auch die Mineralisierung der Substanz der Knochen und Zähne
  • sorgt Vitamin K2 für die Aktivierung der so genannten Matrix-Gla-Proteine, welche sich im Knorpel sowie in den Blutgefäßen, in der Niere, in der Lunge und in der Milz befinden und welche die Ablagerung von Kalk im Weichteilgewebe verhindern
  • wandelt Vitamin K2 das Protein Growth-arrest-specifice-gene-6 (Gas6) in seine wirksame Form um, wodurch das Protein Einfluss auf Zellwachstum, Zellteilung und Zellschutz nimmt und die Zellen vorm Absterben bewahren

Wie äußert sich ein Mangel an Vitamin K2

Lange Zeit wurde seitens der Medizin davon ausgegangen, dass es bei einer ausgewogenen Ernährung nur in sehr seltenen Fällen zu einem Vitamin-K-Mangel kommt. Eine intravenöse Ernährung oder auch Malabsorptionssyndrome können ursächlich für einen Mangel sein. Auch bei Neugeborenen sowie bei Personen, welche über längere Zeit Gerinnungshemmer sowie Breitbandantibiotika und Salicylate einnehmen, kann es zu einem Vitamin-K-Mangel mit teils lebensbedrohlichen Blutungen kommen.

Doch es deutet auch viel darauf hin, dass selbst bei Menschen mit normal ablaufender Blutgerinnung ein chronischer Vitamin-K-Mangel vorliegt. Einen Indikator dafür stellt der Anteil von nicht-carboxyliertem Osteocalcin sowie nicht-carboxylierter Matrix-Gla-Proteine (MGP) dar. Bei funktionierender Blutgerinnung wird zwar zunächst die Leber mit ausreichend Vitamin K2 versorgt, um auch Gerinnungsfaktoren produzieren zu können, jedoch zeigen andere Gewebe (z. B. Blutgefäße, Knochen) einen Mangelzustand. Erkennbar ist dieses Phänomen sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen, die ansonsten gesund sind.

Welche Wirkungen hat Vitamin K2 auf den Organismus?

Schaut man sich genauer an, wofür der Körper Vitamin K2 benötigt, wird deutlich, welche Wirkung das Vitamin vermutlich auf den gesamten Organismus zu haben scheint.

Zahlreiche Studien nehmen die Wirkung von Vitamin K2 bei unterschiedlichen Beschwerden immer öfter genau unter die Lupe. So soll Vitamin K2

  • Knochenbrüchen sowie dem Knochenabbau vorbeugen können
  • die Knochensubstanz stärken können
  • die kindliche Knochenentwicklung beeinflussen und zum Erreichen der maximalen Knochenmasse beitragen können
  • vor Arteriosklerose schützen können
  • das Risiko für die Entstehung eines Diabetes mellitus senken können
  • die Knochengesundheit von Diabetikern steigern können
  • möglicherweise vor Prostatakrebs und Leberkrebs schützen können, wenngleich sich einem Wiederauftreten nach überstandener Erkrankung damit nicht vorbeugen lässt und das Vitamin zudem während einer Krebstherapie als gerinnungsförderndes Mittel aufgrund des erhöhten Risikos für die Entstehung einer Venenthrombose als kontraindiziert gilt

Vitamin K2 in Lebensmitteln

Vitamin K2 ist in seiner natürlichen Form vor allem in tierischen sowie bakteriell fermentierten Lebensmitteln enthalten. Neben Innereien, Fleisch und Eidotter sind typische Vitamin-K2-Lieferanten unter anderem Milchprodukte sowie bestimmte Käsesorten und fermentierte Sojabohnen. Da Vitamin K2 hitzebeständig ist, können die Lebensmittel vor dem Verzehr auch ohne Probleme gekocht oder gebraten werden.

Vorteile von natürlichem Vitamin K2

  • natürliches Vitamin K2 ist die wirksamste Form und weist eine hohe Bioverfügbarkeit (bis zu 72 Stunden) sowie Wirkungsdauer auf
  • natürliches Vitamin K2 kann der Körper gut aufnehmen, weshalb davon im Körper eine ausreichende Menge verfügbar ist
  • mit natürlichem Vitamin K2 werden alle von Vitamin K abhängigen Proteine aktiviert, so dass der Körper Kalzium gut verwenden und Kalziumablagerungen verhindern kann
  • natürliches Vitamin K2 zeigt auch im Gewebe außerhalb der Leber (z. B. in den Arterien und Knochen) Aktivität
  • natürliches Vitamin K2 weist keine Nebenwirkungen auf
  • bei gesunden Menschen verursacht Vitamin K2 keine Blutverdickung

Vitamin K2 als Nahrungsergänzungsmittel

Seit dem Jahr 2009 ist Vitamin K2 auch von der europäischen Aufsichtsbehörde EFSA als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. Als solches ist es in Form von Tropfen und auch Kapseln erhältlich.

Die EFSA empfiehlt seit 2017 folgende tägliche, altersabhängige Dosierungen für Vitamin K2:

  • sieben bis elf Monate: zehn Mikrogramm
  • ein bis drei Jahre: zwölf Mikrogramm
  • vier bis sechs Jahre: 20 Mikrogramm
  • sieben bis zehn Jahre: 30 Mikrogramm
  • elf bis 14 Jahre: 45 Mikrogramm
  • 15 bis 17 Jahre: 65 Mikrogramm
  • ab 18 Jahre: 70 Mikrogramm

Wie hoch der Bedarf an Vitamin K2 aber tatsächlich ausfällt, lässt sich nur schwer bestimmen. Das liegt daran, dass die Darmbakterien des Menschen einen großen Anteil an der Versorgung des Körpers mit Vitamin K2 haben. So wird davon ausgegangen, dass zwischen zehn und 50 Prozent des Bedarfs an Vitamin K2 durch körpereigene Produktion abgedeckt werden kann. Somit hängt der Gehalt des Vitamins im Darm vor allem von der Zusammensetzung der Bakterien in der Darmflora ab.

Mögliche Nebenwirkungen von Vitamin K2

Da es sich vor allem bei natürlichem Vitamin K2 nicht um ein Medikament, sondern vielmehr um eine natürliche Form der Nahrungsergänzung handelt, sind keine Nebenwirkungen zu erwarten.

Eine zu hohe Blutgerinnung kann Vitamin K2 nicht hervorrufen. Die Proteine, welche für die Blutgerinnung verantwortlich sind, verfügen nur über eine begrenzte Aufnahmefähigkeit für das Vitamin. Ist die Sättigung erreicht, dann hat Vitamin K2 keinerlei Einfluss mehr auf die Blutgerinnung.

Vergleichbar ist dieser Ablauf mit der Einnahme von Vitamin C. Dieses wird für den Kollagenaufbau benötigt. Sofern zu hohe Mengen an Vitamin C eingenommen werden, zeigt sich kein Kollagenüberschuss. Ähnlich wie bei Vitamin C regelt sich auch der Prozess bei der Einnahme von Vitamin K2 von allein.

Für Patienten, welche Blutverdünner einnehmen müssen, gilt zunächst die Rücksprache mit dem Arzt, bevor Vitamin K2 verwendet wird. Zwar zeigen Studien, dass eine tägliche Einnahme von 45 mcg Vitamin K2 keine störenden Auswirkungen auf blutverdünnende Medikamente aufweist und auch das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln nicht erhöht ist, dennoch ist ein die Rücksprache sinnvoll, um mögliche negative Folgen zu vermeiden.

Vitamin K2 – Ein essentieller Nährstoff für den Körper

Für die Aktivierung aller im Körper vorhandenen und von Vitamin K abhängigen Enzyme ist Vitamin K2 ein essenzieller Nährstoff. Für eine optimale Blutgerinnung und die Aktivierung der Gerinnungsfaktoren in der Leber ist die Aufnahme von Vitamin K2 über die Ernährung in den westlichen Ländern in aller Regel ausreichend. Unzureichend ist jedoch die Zufuhr zur Erreichung einer optimalen Aktivität der Vitamin-K-abhängigen Eiweiße außerhalb der Leber.

Studien zeigen immer häufiger auf, dass eine fortlaufende Unterversorgung mit Vitamin K2 über lange Zeit ein Risikofaktor für die Entstehung bestimmter altersbedingter Erkrankung sein könnte. Da Vitamin K2 über die Nahrung nur selten in entsprechend notwendigen Mengen aufgenommen werden kann, wird oft zu Nahrungsergänzungspräparaten wie Vitamin-K2-Tropfen geraten.

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