Drohen Minuszinsen in Deutschland?

Banken, die Geld bei der Europäischen Zentralbank anlegen, erhalten keine Zinsen, sondern müssen Geld bezahlen. Seit März 2016 liegt dieser Satz bei 0,4 Prozent. Nun haben auch viele Sparer Angst vor negativen Zinsen, denn lange können die Banken es sich wohl nicht mehr leisten, diese Kosten allein zu tragen. Wie eine aktuelle Studie zeigt, könnten dann andere Anlageformen wie Gold, Aktien oder Fonds profitieren. Aber auch das gute alte Kopfkissen wäre für viele Menschen eine Alternative.

Minuszinsen in Europa ?

Von der Finanzkrise im Jahr 2008 konnte sich Europa bislang kaum erholen. Nach wie vor stecken vor allem die südeuropäischen Länder in einer tiefen Krise, die sich durch hohe Arbeitslosigkeit und geringes Wirtschaftswachstum auszeichnet. Um diese Länder zu unterstützen, wurde einerseits der Leitzins der Zentralbank gesenkt, um Kredite billiger zu machen. Als auch diese Maßnahme nicht half, da die Banken nach wie vor sehr restriktiv Darlehen vergaben, führte die Zentralbank im Juni 2014 erstmals in ihrer Geschichte einen Negativzins ein. Banken, die seither Geld bei der EZB zwischenparken, müssen nun zahlen. Lag der Minuszins im Jahr 2014 noch bei nur -0,1 Prozent, liegt er mittlerweile bei -0,4 Prozent.

Die aktuelle Geldmarktpolitik der EZB

  • Leitzinsniveau 0,0 Prozent
  • Einlagenzins für Guthaben von Kreditinstituten -0,4 Prozent
  • Ankauf von Anleihen im Wert von 80 Milliarden Euro monatlich

Der Negativzins soll die Banken dazu animieren, vorhandenes Geld nicht zu parken, sondern direkt in Form von Krediten und Darlehen in die Wirtschaft zu pumpen. Da der Leitzins bei mittlerweile 0,0 Prozent liegt, sind diese Kredite und Darlehen zudem für die Kundschaft sehr günstig, sodass alle Seiten profitieren sollten. Das Anleihekaufprogramm von 80 Milliarden Euro soll zusätzliches Geld in den Kreislauf bringen.

Sparer haben Angst vor Minuszinsen

#76905712 - fotolia.com - Coloures-pic

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Obwohl Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank, in erster Linie die Banken unter Druck setzen wollte, sind es nun die deutschen Sparer, die aktiv werden. Sie befürchten, dass die Institute die Negativzinsen an ihre Kunden weitergeben, denn eine Finanzierung wird zunehmend schwerer. Vor allem die öffentlich rechtlichen Institute sowie die Sparkassen stöhnen unter großen Konto- und Sparguthaben, denn dieses verursacht nur noch Kosten. Und da das Sparbuch nach wie vor des Deutschen liebste Geldanlage ist, wird sich daran wohl so schnell auch nichts ändern. Bislang jedoch scheuen sich Banken und Sparkassen, Negativzinsen weiterzugeben, denn sie fürchten die Folgen.

Mögliche Folgen von Minuszinsen in Deutschland

  • Panik bei Sparern und Kleinanlegern
  • Abheben riesiger Geldmengen
  • Drohende Zahlungsunfähigkeit insbesondere kleinerer Institute

Zu den möglichen Folgen einer Einführung von Minuszinsen gehört Experten zufolge eine Panik unter Sparern und Kleinanlegern, die sogar eine Enteignung befürchten könnten. Viele Menschen würden daraufhin wohl versuchen, ihr Geld zu sichern und von ihren Konten abzuheben. Wenn dies jedoch viele Anleger tun, könnten Banken zahlungsunfähig werden, denn schließlich ist vieles von dem Geld, welches auf Sparkonten oder Girokonten zur Verfügung steht, angelegt oder als Kredit vergeben. Um dies zu vermeiden, werden die Institute wohl weiterhin an der Gebührenschraube drehen und etwa für Überweisungen oder andere Serviceleistungen Geld berechnen.

Alternative Anlagen bei Minuszinsen suchen

Anleger, die Minuszinsen entgehen wollen, sollten ihr Geld nicht einfach auf Spar- und Tagesgeldkonten legen, sondern nach Alternativen suchen. Diese finden sich beispielsweise in Aktien, aber auch in Fonds oder Edelmetallen. Diese Anlageformen bieten die Möglichkeit, attraktive Renditen zu erzielen, durch die das Vermögen trotz Minuszinsen weiter wachsen kann. Wichtig ist in diesem Zusammenhang natürlich, die eigene Anlagementalität im Blick zu behalten und das Risiko bestmöglich zu streuen. Vor allem Kleinanleger, aber auch bislang unerfahrene Menschen sollten daher auf Investmentfonds setzen, die nicht nur in verschiedene Wertpapiere anlegen, sondern diese auch breit streuen.

Diese Anlagen bieten eine Alternative zum Sparbuch

  • Aktien und Aktienfonds
  • Festverzinsliche Wertpapiere
  • Mischfonds mit Aktien, Anleihen und Immobilien
  • Offene Immobilienfonds
  • Edelmetalle wie Gold und Silber

Besonders sinnvoll ist es, in unsicheren Zeiten auf eine Geldanlage zu setzen, die in vielen Segmenten Geld verdienen kann. Eine gute Mischung aus verschiedenen Assetklassen sorgt zudem dafür, dass eventuelle Verluste in einem Bereich mit Gewinnen aus anderen Bereichen kompensiert werden können.

Tresore für zu Hause bieten nur bedingt Sicherheit

Zu den Gewinnern der aktuellen Niedrigzinspolitik gehören vor allem die Tresorhersteller. Viele Sparer, vor allem Kleinsparer, verzichten einer Studie zufolge mittlerweile gänzlich auf eine Geldanlage und horten ihr Vermögen zu Hause. Zum Schutz vor Einbrechern werden nun Tresore für zu Hause erworben, in denen nicht nur Bargeld, sondern auch teurer Schmuck, Goldbarren oder Silbermünzen verstaut werden kann. Ob diese die vorhandenen Werte wirklich schützen können, ist abhängig von der Qualität sowie der Größe des jeweiligen Tresors. Wer unsicher ist, kann alternativ auch ein Schließfach bei der Bank mieten, um Wertgegenstände hier zu verstauen.

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