Geldanlage in Münzen: Darauf sollten Einsteiger achten

Angesichts von Niedrigzinsen, stark schwankender Aktienmärkte und wenig attraktiven Anleihen fällt es Anlegern schwer, geeignete Anlageobjekte zu finden. Kein Wunder, dass selbst konservative Kleinanleger mit alternativen Anlagemöglichkeiten liebäugeln, die vergleichsweise hohe Gewinne und zugleich ein gewisses Maß an Sicherheit versprechen. Besonders sie setzen in unsicheren Marktzeiten gern auf vermeintlich krisensichere Edelmetalle – und damit verbunden auch auf Münzen. Die nämlich besitzen nicht nur ihren Nennwert und einen gewissen Wert aufgrund ihres Gold- oder Silbergehaltes – seltene Exemplare können dank ihres Raritätenstatus erheblich an Wert gewinnen. Bestes Beispiel ist ein 10-Dukaten-Stück des Habsburgers Leopold I., das 2015 für 130.000EUR (Schätzwert 50.000EUR) versteigert wurde.

Münzen sammeln: Welche Münzen für Einsteiger?

#54160569 - fotolia.com - Björn Wylezich

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Wer sich erstmalig mit dem Sammeln von Münzen befasst, steht zunächst einer unübersichtlichen Anzahl unterschiedlichster Münzen gegenüber. Schnell stellt sich dabei die Frage: Und welche davon lohnen sich zu sammeln? Die Expertenmeinungen gehen dabei auseinander, die Frage lässt sich pauschal nur schwer beantworten. Einsteigern wird daher oftmals geraten, zunächst einmal die Münzen zu sammeln, die sie optisch ansprechen. Welchen Münzarten und Serien sie zuzuordnen sind, spielt dabei eine untergeordnete Rolle – im Fokus steht dabei eher die aufblühende Liebe zu den glänzenden, zum Teil bereits jahrhundertealten Schätzchen. Allzu lange sollte das “wilde” Sammeln allerdings nicht andauern: In der Regel kristallisiert sich sehr schnell eine Vorliebe für bestimmte Metalle, Serien, Themen, Länder, Epochen o.ä. heraus. An diesem Punkt ist es sinnvoll, sich als Sammler zu spezialisieren und zu versuchen, z.B. eine bestimmte Serie zu komplettieren oder Münzen aus einem bestimmten Land, die zu einer bestimmten Zeit geprägt wurden, ausfindig zu machen.

Unser Tipp: Zu beachten ist für Einsteiger nicht nur Art und Herkunft der Münzen. Verlockend erscheint es anfangs, sich mit kleinen Stückelungen (z.B. 1/20 Unze) an das Thema heranzutasten. Kleine Stückelungen bedeuten allerdings auch vergleichsweise hohe Kosten. Mit anderen Worten: Je schwerer eine Münze, desto geringer die Differenz zwischen Kauf- bzw. Verkaufspreis und Edelmetallpreis – und desto höher der mögliche Gewinn.

Münzarten und ihre Besonderheiten

Münzen sind grob in Gedenk- und Sammlermünzen sowie in Anlagemünzen zu unterscheiden. Der Hauptunterschied zwischen beiden besteht darin, dass bei Anlagemünzen hauptsächlich der Wert des verwendeten Edelmetalls den Wert der Münze bestimmt – bei Sammlermünzen eher Faktoren wie Seltenheit, Erhaltungsgrad usw.
Zu den typischen Anlagemünzen (auch: Bullionmünzen) zählen Klassiker wie

  • der südafrikanische Krügerrand
  • der kanadische Maple Leaf
  • die britische Britannia-Goldmünze
  • der österreichische Wiener Philharmoniker
  • der US-amerikanische American Eagle und American Buffalo
  • der australische Koala
  • der chinesische Panda und
  • die mexikanische Libertad.

Diese Münzen werden in der Regel in hohen Stückzahlen geprägt, bestechen also nicht durch Seltenheit. Ihr Wert bestimmt sich aufgrund ihres Edelmetallwertes – Anlagemünzen aus Gold z.B. gelten in der EU daher auch als Anlagegold. Interessant wird es, wenn eine Anlagemünze in einer geringen Auflage oder mit einer Fehlprägung existiert – ihr Wert kann sich dadurch erheblich erhöhen.

Dem gegenüber stehen Gedenk- und Sammlermünzen, die in limitierten Stückzahlen existieren. Hier gilt: Je seltener, wertvoller (Nennwert) und besser erhalten eine Münze, desto höher ihr Sammlerwert. Historische Münzen scheinen dabei bei Sammlern und Liebhabern einen höheren Stellenwert zu besitzen und begehrter zu sein als moderne Sammlermünzen von Gedenkprägungen zu den Olympischen Spielen bis zu limitierten Sammlerausgaben eines Euro-Satzes in der Qualität Polierte Platte (PP). Natürlich beeinflussen auch Trends, Themen und Optik den Wert von Sammlermünzen, was eine Vorhersage, welche Münzen eine große Wertentwicklung erwarten lassen, sehr schwierig macht. So galten historische Goldmünzen als ein großer Trend des Jahres 2015, entsprechende Exemplare erzielten bei Auktionen sensationelle Preise. Das bedeutet allerdings nicht, dass dieser Trend anhält oder sich nicht auch ins Gegenteil verkehren kann.

Münzwert, Wertsteigerung und Rendite

Der Wert einer Münze wird stets von verschiedenen Faktoren bestimmt, abhängig davon, ob es sich um eine Anlage- oder Sammlermünze handelt. Sammlermünzen besitzen natürlich einen bestimmten Material- und Nennwert, wirklich ausschlaggebend für ihren Preis sind allerdings Faktoren wie

  • Seltenheit
  • Erhaltungszustand
  • Herkunft/Epoche und
  • die Zahl der Interessenten.

Je nach Trend und Größe des Marktes kann sich der Wert einer Sammlermünze oder Münzsammlung deutlich nach oben oder unten bewegen. Ein gutes Beispiel dafür sind die Gedenkmünzen der DDR, die als komplette Sammlung lange rund 2.500 Euro kosteten, nach der Wende schlagartig gefragt waren und zum Teil für mehr als 15.000 Euro verkauft wurden und nun für rund 9.000 Euro zu haben sind. Auch die Preisentwicklung historischer Münzen ist schwer abzuschätzen. So wurde 2015 eine britische 5 Guineas Goldmünze aus der Zeit um 1700 für 48.000 Euro versteigert – ihr Schätzpreis lag bei lediglich 35.000 Euro. Tendenziell bleibt bei Sammlermünzen festzuhalten: Je seltener, besser erhalten und je mehr zahlungskräftige Interessenten, desto höher Wertsteigerung und Rendite.

Bei Anlagemünzen steht und fällt die Wertsteigerung mit der Entwicklung des jeweiligen Edelmetallpreises. Wer in Zeiten hoher Goldpreise in Goldmünzen investiert, geht zumindest das Risiko ein, dass der aktuelle Wert der Münzen den Kaufpreis unterschreitet. Steht der Goldpreis historisch niedrig, kann es durchaus sinnvoll sein, in Goldmünzen zu investieren und das Investment für einige Jahre unberührt zu lassen. In dem Maße, wie sich der Goldpreis erholt, steigt auch der Wert der Münzsammlung.

Unser Tipp: Für kurzfristige Investments lohnt sich eine Anlage in Bullionmünzen nicht, dazu sind die Edelmetallpreise zu volatil. Grundsätzlich benötigen Münzanleger neben Detailwissen um ihr Sammlungsgebiet vor allem eines – Zeit.

Den Wert von Münzen bestimmen

Um den Wert einzelner Münzen oder einer Sammlung zu bestimmen ist es natürlich möglich, sich gleich an die Experten bei einem Münzhändler, einer Scheideanstalt oder einer Bank zu wenden. Deutlich sinnvoller erscheint es jedoch, sich vorab selbst über den möglichen Wert der Münzen zu informieren, um bewusst zu niedrig angesetzte Schätzungen erkennen und einen realistischen Verkaufspreis realisieren zu können.

Bei Münzen unbekannter Herkunft lohnt es sich zunächst einmal abzuklären, woher die Sammlung stammt. Wurde sie von einem passionierten Sammler zusammengetragen, ist die Wahrscheinlichkeit, einige wertvolle Stücke darunter zu finden, deutlich erhöht. Nun gilt es herauszufinden, um welche Münzen es sich genau handelt und welche Qualitätskriterien Sammler dafür anlegen. Zur Recherche stehen zur Verfügung

  • Internetauktionen und Privatverkäufe über das Internet
  • Kataloge einschlägiger Auktionshäuser
  • Fachzeitschriften
  • Münzkataloge
  • Numismatik-Experten bei besonders ungewöhnlichen oder seltenen Exemplaren.

Eine relativ realistische Wertschätzung erhält, wer möglichst viele Qualitätskriterien kennt und die Münze entsprechend einordnen kann. Zu den typischen Kriterien gelten beispielsweise

  • Material
  • Alter und Geschichte
  • Seltenheit (Auflage, Sonder-/Fehlprägung,..)
  • Münzqualität/Erhaltungsgrad (von s wie schön bis PP wie Polierte Platte) sowie
  • die Sammlernachfrage.

Münzen kaufen und verkaufen

Je beliebter eine Münze, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass auch Fälschungen im Umlauf sind. Um dieses Risiko zu minimieren, empfiehlt es sich, beim Münzenkauf auf renommierte, vertrauenswürdige Partner zu setzen. Als vertrauenswürdig gelten beispielsweise die Mitglieder des Berufsverbandes des Deutschen Münzenfachhandels e.V.. Das Logo des Verbandes dürfen nur Unternehmen führen, die sich durch einen fairen, partnerschaftlichen Umgang mit Kunden und Sammlern im Hinblick auf Ankauf, Verkauf und fachliche Beratung auszeichnen.

Ebenfalls als gute Anlaufstellen für den Kauf und Verkauf von Münzen gelten renommierte Auktionshäuser, Scheideanstalten und Banken. Banken, die den An- und Verkauf von Münzen anbieten, sollten jedoch eine numismatische Abteilung besitzen. Andernfalls ist es möglich, dass der tatsächliche Sammlerwert einer Münze oder Sammlung, die zum Verkauf steht, nicht erkannt wird.

Wussten Sie schon: Pro Person dürfen in Deutschland Edelmetallmünzen bis zu einem Wert von 15.000 Euro anonym gekauft werden. Übersteigt der Kauf- oder Verkaufspreis diese Marke, sind Scheideanstalten, Banken, Sparkassen und Münzhändler dazu verpflichtet, die Personalien des Käufers bzw. Verkäufers festzuhalten.

Münzen und Steuern

Münzen gelten auch deshalb als attraktive Form der Geldanlage, weil für sie besondere steuerliche Vorteile gelten. Insbesondere Goldmünzen nehmen dabei einen Sonderstatus ein, gelten sie in der EU doch als Anlagegold. So bleiben Gewinne aus dem Verkauf von Goldmünzen grundsätzlich steuerfrei, sofern sich die Münzen mindestens ein Jahr im Besitz des Verkäufers befanden. Wer die Jahresfrist nicht einhält, muss Gewinne ab 600 Euro mit seinem individuellen Steuersatz versteuern. Goldmünzen die

  • über einem Goldgehalt von mindestens 900/1000 verfügen und
  • nach 1800 geprägt wurden und
  • irgendwann einmal als offizielles Zahlungsmittel in ihrem Herkunftsland galten,
    sind von der Mehrwertsteuer befreit. Davon profitieren so bekannte Anlagemünzen wie z.B. Krügerrand, Maple Leaf oder American Eagle.

Auch für Silbermünzen gilt: Der Verkauf kann steuerfrei erfolgen, wenn die Münzen mindestens ein Jahr lang im Besitz des Verkäufers waren. Unterschiede existieren jedoch im Hinblick auf die Mehrwertsteuer: Je nach Herkunftsland und Status als Zahlungsmittel kann der Mehrwertsteuersatz bei 7 oder 19 Prozent liegen.

Die richtige Münzenpflege

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Der Erhaltungsgrad einer Münze ist einer der ausschlaggebenden Faktoren für ihren Wert – eine entsprechend wichtige Rolle fällt damit der richtigen Münzenpflege zu. Münzenpflege bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, dass jede Münze sorgfältig gereinigt und auf Hochglanz poliert werden sollte, ganz im Gegenteil. Je nach Münze beinhaltet die richtige Pflege, die Schönheit der Prägekunst und die Geschichte der Münze zu bewahren. Insbesondere historische Sammlermünzen besitzen oftmals eine Patina, die Sammler nicht nur aufgrund ihrer interessanten Optik schätzen – sie ist auch ein Hinweis auf die Echtheit einer Münze. Anders verhält es sich bei modernen Anlagemünzen: Hier werden in der Regel nur perfekt erhaltene Exemplare in den Qualitäten Spiegelglanz oder Polierte Platte besonders hoch taxiert.

Soll eine Münze gereinigt werden, empfehlen Experten vor allem eines: Sensibles Vorgehen und große Vorsicht. Statt scharfer Reiniger oder Spezialmittel können verschmutzte Münzen zunächst in einer milden Seifenlauge mit einem weichen Pinsel oder einer weichen Bürste von Rückständen befreit werden. Empfindliche, hochwertige Exemplare sollten dabei ausschließlich mit Handschuhen oder einer Münzpinzette berührt werden. Die Länge der Einwirkzeit richtet sich nach dem Grad der Verschmutzung. In jedem Fall sollten so behandelte Münzen im Anschluss mit klarem Wasser gespült und sorgfältig getrocknet werden. Übrigens: Kupfermünzen lassen sich sehr gut mit einem säurefreien Olivenöl reinigen.

Münzen sachgerecht und sicher aufbewahren

Mindestens ebenso wichtig wie die richtige Reinigung ist auch die sachgerechte und sichere Aufbewahrung von Münzen – Exemplare, die falsch aufbewahrt werden, können an Wert verlieren oder sind nicht sicher genug aufbewahrt, was sich auf Schadenersatzzahlungen im Falle eines Diebstahls auswirken kann.

Grundsätzlich empfiehlt es sich, Münzen trocken, staubfrei und bei geringer Luftfeuchtigkeit aufzubewahren. Konkret bedeutet das: Im Idealfall lagert jede Münze einzeln in einem weich mit Samt oder Filz ausgelegten Kästchen, etwa in einer Münzbox. Münzalben besitzen Schiebetaschen, die es erlauben, auch eine größere Anzahl an Münzen sicher, staubfrei und trocken aufzubewahren. Besonders für den Transport von Münzen, aber auch für eine längerfristige Lagerung, eignen sich Münzkoffer in unterschiedlichen Größen, die eine ähnliche Aufbewahrung wie in Münzboxen erlauben. Polierte Exemplare werden in der Regel in Münzkapseln verkauft, die sich auch sehr gut zur Aufbewahrung eignen und vor Staub, Schmutz und Feuchtigkeit ebenso schützen wie vor Fingerabdrücken.

Da Münzen nicht nur für Liebhaber spannende Sammelobjekte sind sondern einen durchaus hohen Wert besitzen können, sollten sie stets sicher aufbewahrt werden. Versicherungsexperten raten dazu, Münzsammlungen grundsätzlich in Bankschließfächern aufzubewahren. Wer sich von seinen glänzenden Schätzen nicht trennen mag, sollte sie zumindest in einem guten Tresor verwahren, der eine hohe Sicherheitsklasse aufweist. Zusätzlich empfiehlt es sich, die Hausratversicherung über die Sammlung und deren Wert zu informieren und die Münzen bei Bedarf gesondert zu versichern.

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