Niedrigzinsen und Altersvorsorge

Bei der Altersvorsorge setzen viele Deutsche vor allem auf sichere Produkte wie verzinste Lebensversicherungen oder Banksparpläne. Wichtig scheint vor allem die Sicherheit dieser Produkte sowie der Ausschluss von Kursschwankungen. Nach der erneuten Leitzinssenkung durch die Europäische Zentralbank sind diese Anlagen jedoch kaum noch attraktiv, denn es besteht vielfach keine Möglichkeit mehr, eine Rendite zu erreichen, die oberhalb des Inflationsniveaus liegt. Einen effektiven Wertzuwachs gibt es somit nicht mehr. Verbraucherschützer raten daher dazu, auf alternative Anlageprodukte wie Aktienfonds zurückzugreifen.

Die klassische Lebensversicherung hat ausgedient

#89271226 - fotolia - electriceye

#89271226 – fotolia – electriceye

Da die gesetzliche Rentenversicherung kaum ausreicht, den Lebensstandard zu erhalten, sorgen viele deutsche Sparer privat vor. Sie nutzen hierfür sowohl klassische Anlageprodukte wie Festgelder oder Sparbriefe, legen aber auch in verzinsten Lebensversicherungen an. In beiden Fällen steht bereits zu Beginn der Anlage fest, wie viel Rendite diese erzielt und wie viel Geld am Ende der Laufzeit zur Verfügung steht. Sparer konnten so bereits frühzeitig erkennen, ob ihre private Altersvorsorge ausreichend ist und ob sie mit dem Eintritt ins Rentenalter ausreichend versorgt sind. Im Alter können die genannten Produkte dann entweder in einer Summe oder in Form einer monatlichen Rente ausgezahlt werden. Alle drei genannten Anlageprodukte für die Altersvorsorge sind jedoch nicht mehr lukrativ, denn durch die sinkenden Zinsen ist es kaum mehr möglich, hiermit eine Rendite oberhalb des Inflationsniveaus zu erreichen. Effektiv besteht damit kein Wertzuwachs mehr, sondern das Kapital sinkt.

Die Probleme von Versicherungsgesellschaften

Versicherungsgesellschaften, die Geld ihrer Kunden für die Altersvorsorge einnehmen, müssen dieses Geld natürlich am Kapitalmarkt anlegen, um einen Zins zahlen zu können. Wie diese Anlage erfolgt, ist weitgehend gesetzlich vorgeschrieben, um den Kunde Sicherheit zu bieten. Ein Großteil der Gelder muss deshalb in verzinsliche Geldanlagen wie Festgeld oder Staatsanleihen investiert werden. Das Risiko dieser Produkte ist gering, das gilt jedoch auch für deren Rendite. Durch die jüngste Leitzinssenkung vom 10. März 2016 werfen verzinsliche Produkte kaum mehr Renditen ab, auch Versicherungsgesellschaften mit ihren großen Volumina können nur noch schwer Erträge erzielen. Dies bringt die Gesellschaften natürlich in Nöte, denn sie müssen zumindest den Garantiezins von aktuell 1,25 Prozent an die Kunden überweisen. Nur wenn weitere Gewinne erzielt werden, erhalten die Kunden eine Überschussbeteiligung, die entsprechend ausgezahlt werden kann.

Aktienfonds als Alternative für die Altersvorsorge

Experten raten daher dazu, auf Anlageprodukte auszuweichen, die direkt am Kapitalmarkt investieren und von dessen Kursentwicklung zu profitieren. Aktienfonds beispielsweise konnten auf Sicht der vergangenen zehn Jahre durchschnittlich 6-8 Prozent erreichen und so deutlich mehr Erträge erzielen als verzinsliche Produkte. Zahlreiche Anleger winken jedoch kategorisch ab, wenn es um Aktien und Aktienfonds geht, da sie die Kursschwankungen fürchten. Es darf natürlich nicht verschwiegen werden, dass Aktienfonds mitunter große Schwankungen aufweisen können, während der Laufzeit sind sogar größere Buchverluste möglich. Diese Verluste würden allerdings nur dann auftreten, wenn der Fonds genau zu diesem Zeitpunkt verkauft würde. Wer die Anlage hingegen hält und auf die Gegenbewegung am Aktienmarkt warten kann, wird in den meisten Fällen mit attraktiven Renditen belohnt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, leistungsstarke Aktienfonds zu wählen, die bereits in der Vergangenheit überdurchschnittliche Erträge erzielt haben.

Tipp: Vergleiche von Aktienfonds sind mit Hilfe von Ratings und Rankings, die online eingesehen werden können, möglich.

Aktienfonds und Lebensversicherung kombinieren

Anleger, die trotz der Zinsflaute nicht auf ihre Lebensversicherung verzichten wollen, können Aktienfonds und Versicherung auf Wunsch kombinieren. Möglich ist dies mit Versicherungsprodukten auf Fondsbasis, die entsprechend am Aktienmarkt investieren. Die Gelder der Kunden werden hier in Aktienfonds investiert und nehmen so direkt an dessen Wertentwicklung teil. Gleichzeitig können Versicherungsnehmer natürlich auch auf die Vorteile der Versicherung an sich zurückgreifen.

Diese Vorteile bietet die Lebensversicherung mit Aktieninvestment:

  • Schutz im Todesfall
  • Auszahlung des Anlagebetrages in Form einer monatlichen Rente
  • Nutzung des Halbeinkünfteverfahrens
  • Wertentwicklung analog Kapitalmarkt

Zusätzlich zu den möglichen Kursgewinnen bietet die Lebensversicherung im Fondsmantel natürlich auch einen Schutz im Todesfall, sofern dieser gewünscht wird. Auch die Auszahlung einer monatlichen Rente zum Ende der Laufzeit ist möglich. Letztlich haben Anleger natürlich auch die Chance, das Halbeinkünfteverfahren zu nutzen und Steuern zu sparen. Weist die Versicherung eine Mindestlaufzeit von zwölf Jahren auf und ist der Versicherungsnehmer bei Auszahlung des Betrages älter als 60 Jahre, muss nur die Hälfte des Ertrages versteuert werden. Dies spart viel Geld und kann sich positiv auf die Rendite auswirken.

Fondssparpläne bieten mehr Flexibilität

Als Alternative zur Versicherung ist es natürlich auch möglich, ein klassisches Wertpapierdepot zu eröffnen und einen Fondssparplan abzuschließen. Bei den meisten Kapitalanlagegesellschaften ist es möglich, derartige Sparpläne ab einer monatlichen Rate von 25 Euro zu vereinbaren. Höhere Beträge sind natürlich auch jederzeit möglich, sogar Einmalzahlungen können auf Wunsch geleistet werden. Ein großer Vorteil im Vergleich zur Lebensversicherung ist die höhere Flexibilität, die Fondssparpläne bieten. So sind hier nicht nur jederzeitige Einzahlungen, sondern auch Auszahlungen möglich. Wer also kurzfristig Geld braucht, kann einen Teil des vorhandenen Guthabens verkaufen und für die geplante Investition nutzen. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass Wertpapierdepots individuell zusammengestellt werden können, was bei Versicherungen häufig nicht der Fall ist. Sparer haben damit die Möglichkeit, auf unterschiedliche Fonds zurückzugreifen und auch offene Immobilienfonds oder Rentenfonds als Beimischung zu nutzen.

Diese Vorteile bieten Fondssparpläne für die Altersvorsorge

  • Hohe Flexibilität durch jederzeitige Auszahlungen
  • Mischung verschiedener Fonds ganz nach Wunsch
  • Teilhabe an der Wertentwicklung des Kapitalmarktes

Altersvorsorge frühzeitig beginnen

Unabhängig davon, für welche Form der Altersvorsorge sich Anleger entscheiden, ist es wichtig, dass diese frühzeitig begonnen wird. Wer bereits mit Beginn der Ausbildung oder des Berufslebens mit 20 oder 25 Jahren mit dem Sparen beginnt, kann schon mit 25-50 Euro viel erreichen.

Monatlicher AnlagebetragSpardauerEndkapital bei 6% Rendite
50 Euro20 Jahreca. 23.000 Euro
50 Euro30 Jahreca. 49.000 Euro
50 Euro40 Jahreca. 96.000 Euro

Diese Aufstellung zeigt, dass der Zinseszins große Auswirkungen haben kann. Wer erst spät daran denkt, eine Altersvorsorge zu vereinbaren, ist womöglich zu spät und muss im Alter finanziell zurückstecken. Wer jedoch rechtzeitig daran denkt, kann seinen Lebensstandard beibehalten und seine Hobbys ausführen oder zu weit entfernten Zielen reisen.

Mehr zum Thema
© 1996-2018 | Zeitung.de - zeitungen und fachzeitschriften : regional und international - Impressum