Beifuß – Gut für die Verdauung

Beifuß – ein eigentlich unauffälliges Kraut, das an Wegrändern und auch Brachflächen wächst, ist trotz der Unscheinbarkeit mittlerweile nicht nur ein beliebtes Gewürz für zahlreiche Gerichte, sondern wird in der Naturheilkunde auch als Heilkraut eingesetzt. Bekannt es Beifuß vor allem, wenn es um die Zubereitung der Weihnachtsganz geht. Gerade fette Speisen werden aufgrund seiner Inhaltsstoffe deutlich bekömmlicher. 

Bekannt ist Beifuß auch als Kraut der Magier und Schamane und gilt als wichtige Ritualpflanze, welche auf der nördlichen Halbkugel nicht mehr wegzudenken ist. In Europa hat sie heute weder eine rituelle noch medizinische Bedeutung, in Asien hingegen wird Beifuß vor allem in der Moxa-Behandlung sehr geschätzt.

Beifuß und seine Eigenschaften

Beifuß (europäischer Beifuß: Artemisia vulgaris var. vulgaris, asiatischer Beifuß: Artemisia vulgaris var. indica) wird der Familie der Korbblütler (Asteraceae) zugeordnet. Verwandt ist er mit Kräutern wie Estragon, Wermut oder Eberraute.

Die ausdauernde, mehrjährige Pflanze ist krautig und erreicht je nach Standort Wuchshöhen zwischen 70 und 180 Zentimetern. Die Pflanze besitzt einen mehrköpfigen Wurzelstock, die Wurzeln sind etwa so dick wie ein Finger und zeigen ein holziges Aussehen. Sowohl Wurzeln als auch Blüten des Beifußes weisen einen aromatischen Geruch auf.

Die Blätter des Beifußes sind etwa zehn Zentimeter lang und haben eine lanzettliche bis stachelige Form. An ihrer Unterseite ist eine leichte, weiße und filzige Behaarung zu finden und sie haben eine dunkel- bis leicht gräulich-grüne Färbung. Im Gegensatz zu den Laubblättern sind die unteren Blätter der Rosette fiederförmig und engstielig.

Die Blütezeit von Beifuß kann je nach Wetterbedingung zwischen Anfang Juni und Ende September sein, im Laufe dieser Zeit verändern die in einer Traube angeordneten Blüten ihre Farbe von graugrün bis gelb oder auch zartrosa. Die Hüllblätter der Blüte zeigen eine filzige Behaarung.

Aus den Blüten entwickeln sich zur Zeit der Fruchtreife so genannte Achänenfrüchte, wie es für Korbblütler typisch ist. Es handelt sich dabei um einsamige Nussfrüchte, beim Beifuß erreichen sie eine Länge von bis zu einem Millimeter. Beifuß bildet viele Pollen und gilt oft als Auslöser von allergischen Beschwerden.

Herkunft und Vorkommen von Beifuß

Beifuß findet sich fast auf der gesamten Nordhalbkugel und gilt somit als sehr häufig anzutreffende Pflanze. Präsent ist sie dabei nicht nur in mitteleuropäischen Ländern, sondern auch in Asien, Nordamerika, Alaska sowie Mexiko. Woher die Pflanze stammt, ist weitgehend unbekannt. Angenommen wird jedoch, dass sie ihren Ursprung in Mittel- und Nordeuropa hat und von hier aus vom Menschen verbreitet wurde.

Beifuß ist sehr anspruchslos und gedeiht problemlos auf Brachflächen, Schuttflächen, Bahntrassen und sandigen Plätzen. Dort, wo er wächst, findet er sich auch in großen Mengen. Als Gartenpflanze wird Beifuß eher selten kultiviert, denn er wuchert sehr schnell. Wachsen kann die unkomplizierte Pflanze an sonnigen und halbschattigen Standorten, der Boden sollte ein wenig kalkhaltig, nährstoffreich sowie gut durchlässig sein. Grundsätzlich werden unterschiedliche Bodentypen und –arten toleriert.

Beifuß – Inhaltsstoffe und Wirkungsweise

Beifuß wird in der Naturheilkunde als Heilpflanze vor allem aufgrund der enthaltenen Bitter- und Gerbstoffe eingesetzt. Flavonoide ergänzen diese Stoffe, außerdem sind die folgenden Inhaltsstoffe in Beifuß zu finden:

  • Absinthin
  • Aesculetin (Hydroxycumarine
  • Carotinoide
  • Cineol (ätherisches Öl)
  • Kampfer (ätherisches Öl)
  • Pilostachyin (Sesquiterpenlacton)
  • Polyine
  • Quercentin (Flavonoid)
  • Rutin (Flavonoid)
  • Triterpene
  • Vulgarin (Sesquiterpenlacton)

Den unterschiedlichen Inhaltsstoffen werden dabei folgende Wirkungen nachgesagt:

  • antibakteriell und antimykotisch
  • appetitanregend und verdauungsfördernd
  • beruhigend
  • krampflösend und menstruationsfördernd
  • durchblutungsfördernd
  • galletreibend
  • stärkend
  • wehenfördernd

Beifuß und seine Anwendungsmöglichkeiten

Beifuß kann sehr vielseitig verwendet werden und kommt sowohl als Gewürzkraut in der Küche als auch als Heilkraut in der Naturheilkunde zum Einsatz.

Während als Gewürz in der Regel nur die Rispen und zarten Blätter zur Anwendung kommen, werden für Heilanwendungen Blätter, Rispen und Wurzeln genutzt.

Beifuß als Gewürz in der Küche

Als Gewürzkraut eignet sich Beifuß sehr gut. Sein bitterer, aromatischer und würziger Geschmack trägt dazu bei, dass besonders fettreiche und schwer verdauliche Speisen wesentlich bekömmlicher werden. Meist werden die wesentlich milderen Rispen verwendet, Blätter kommen in der Küche nur zum Einsatz, wenn sie jung sind und der bittere Geschmack noch fehlt.

Der angenehme und auch gesunde Nebeneffekt von Beifuß und seiner Verwendung als Gewürz: Die Inhaltsstoffe regen die Verdauung und auch den Appetit an.

Für die Zubereitung spielt es keine Rolle, ob es sich um frischen oder getrockneten Beifuß handelt. Bei beiden Varianten wird beim Kochen, Backen oder Braten das volle Aroma entfaltet. Wer lieber getrockneten Beifuß verwendet, sollte jedoch zur gerebelten Variante greifen, da sich diese besser verarbeiten lässt.

In der Küche hat Beifuß als so genanntes „Winterkraut“ eine ganz besondere Bedeutung. Hier kommt es bei der Zubereitung der Weihnachtsgans zum Einsatz, etwa zwei Zweige Beifuß werden hier für eine normale Ganz mit einem Gewicht von etwa fünf Kilogramm benötigt. Beifußzweige finden sich gerade in der Weihnachtszeit sehr häufig in den Kräuterregalen der Supermärkte.

Natürlich lassen sich noch viele andere Speisen und Gerichte mit Beifuß würzen. So eignet sich das Kraut unter anderem für das Würzen von Kartoffeln und Salaten, für Käse, für Eierspeisen sowie für fette Fleischgerichte wie Ente, Wellfleisch oder auch Eisbein. Auch in Kräutermischungen mit mediterranen Gewürzen wie Rosmarin, Bohnenkraut und Thymian kommt Beifuß oft zum Einsatz.

Beifuß als Heilkraut in der Naturheilkunde

Beifuß gilt als sehr altes Heilkraut, welches bereits in der Antike und im Mittelalter sehr häufig Anwendung fand. In der Naturheilkunde wird es auch heute noch bei verschiedensten Beschwerden genutzt. Dabei finden sowohl die Blätter als auch Rispen und Wurzeln Verwendung.

Im Kräuterbuch von P. A. Matthioli wird Beifuß für die Anwendung bei folgenden Problemen empfohlen:

  • bei Komplikationen während und zur allgemeinen Erleichterung der Geburt sowie bei Fehlgeburten
  • zur Anregung des Harnflusses
  • zur Verbesserung des Gewebes bei „lahmen“ Adern

Im frühen 19. Jahrhundert kam die Wurzel des Beifußes bei der Behandlung von Epilepsie zum Einsatz, inwiefern es aber tatsächlich eine Wirkung darauf ausübt, ist bislang nicht wissenschaftlich belegt.

In der heutigen Zeit kommt Beifuß vor allem in der Naturheilkunde bei folgenden Beschwerden zur Anwendung:

  • Magen- und Darmbeschwerden und allgemeinen Verdauungsproblemen
  • Beschwerden an Galle und Leber
  • Übelkeit
  • Kopfschmerzen
  • inneren Unruhezuständen
  • Beschwerden aufgrund der Wechseljahre
  • leichten Nervenkrankheiten

Das im einjährigen Beifuß enthaltene Artemisinin wird in der heutigen Zeit zur Behandlung von Malaria verwendet. Da im gewöhnlichen Beifuß weniger Artemisinin enthalten ist, kommt vorzugsweise der einjährige Beifuß zum Einsatz.

Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) verwendet Beifuß bei Blähungen, Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich, bei Hämorrhoiden sowie zur Regulierung des Energieflusses. In der TCM wird Beifuß ein Bezug zu Magen, Milz, Leber, Niere und Galle zugeordnet.

Zur Anwendung kommt in der Regel Beifußtee. Hierzu werden etwa ein- bis eineinhalb Teelöffel Beifußkraut mit 250 Millilitern kochendem Wasser übergossen, welches vor dem Übergießen aber kurz abgekühlt werden sollte. Nach einer Ziehzeit von etwa drei bis fünf Minuten wird das Kraut abgeseiht. Von dem Tee können täglich drei Tassen, bestenfalls vor oder zu den Mahlzeiten, getrunken werden. Beifußtee sollte höchstens eine Woche eingenommen werden, schwangere Frauen dürfen den Tee nicht trinken oder sollten Rücksprache mit ihrem Arzt oder der Hebamme halten, da Beifuß Wehen fördern kann.

Beifuß und seine möglichen Nebenwirkungen

Es ist mittlerweile erwiesen, dass Beifuß Wehen fördern kann. Deshalb sollten die Blätter nicht in den frühen Schwangerschaftsstadien angewendet werden, um eine Fehlgeburt zu vermeiden. Auf die Anwendung sollten zudem Asthmatiker sowie Allergiker verzichten, denn es kann zu unerwünschten Reaktionen kommen.

Beifuß in der Moxa-Behandlung

Beifuß wird in China, Japan, Korea, Tibet und der Mongolei noch immer als wichtiger Bestandteil von traditionellen Medizinsystemen angewendet. Vor allem bei der Moxa-Behandlung (Moxibustion) ist Beifuß ein wichtiges Kraut, welches in Kombination mit Akupunktur in getrockneter und gepresster Form verbrannt wird.

Moxibustion gilt – anders als Akupunktur – in Europa noch als „exotische“ Therapie. Moxa-Behandlungen lassen sich in direkte und indirekte Therapie unterscheiden: während bei der direkten Behandlung glimmende Moxakegel direkt auf die Haut aufgebracht werden und bis auf zwei Drittel ihrer Ausgangsgröße abbrennen, fließt in die indirekte Therapie die Akupunktur mit ein, bei der auf speziellen Nadeln Moxakegel sitzen und so über die Nadeln die Verbrennungswärme weitergeleitet wird.

Für Moxa-Behandlungen müssen umfassende Kenntnisse über Akupunkturpunkte vorliegen, denn die Kegel müssen gezielt aufgestellt werden. In der traditionellen chinesischen Medizin wird davon ausgegangen, dass die zugeführte Wärme durch die Moxa-Behandlung fehlende Lebensenergie ausgleicht und so die Selbstheilung des Organismus angeregt werden kann. Eine Selbstbehandlung ist aufgrund der Verbrennungsgefahr allerdings nicht zu empfehlen.

Beifuß kaufen – Darauf sollte geachtet werden

Bei Beifuß handelt es sich eher um ein saisonales Produkt, welches vorrangig in den Wintermonaten und vor allem in der Weihnachtszeit in Supermärkten zu finden ist. Verkauft werden meist die Rispen, welche zum Würzen verwendet werden. Einige Gewürz-Hersteller bieten auch Beifuß in Pulverform an, da sich dieses leichter verarbeiten und besser dosieren lässt.

Wer Beifuß im eigenen Garten anpflanzen möchte, kann im Fachgartenmarkt oder auch im Onlinehandel entsprechendes Saatgut von guter Qualität kaufen oder fertige Pflanzen erwerben. Beim Kauf sollte darauf geachtet werden, dass es sich nicht um das indische Mixakraut, welches eine Unterart des gewöhnlichen Beifußes ist, handelt. Gelegentlich wird es als Beifuß angeboten, hat aber aufgrund der Zusammensetzung der ätherischen Öle einen anderen Geschmack. Deshalb sollte beim kauf auf die botanische Bezeichnung geachtet werden.

Soll Beifuß als Heilkraut angewandt werden, dann sollten vorrangig Blätter sowie geschnittene Wurzeln gekauft werden. Allerdings sind Wurzeln eher selten und meist nur in Apotheken erhältlich. Blätter, welche sich für Tees eignen, gibt es außerdem bei Kräuterhändlern auf Wochenmärkten oder auch in Onlineshops. Qualitätsunterschiede gibt es eigentlich nicht, denn Beifuß fault so gut wie nicht.

Mittlerweile gibt es auch Hersteller, welche Beifußkapseln oder auch Beifußtinkturen anbieten, welche für aromatherapeutische Anwendungen zum Einsatz kommen.

Mehr zum Thema
© 1996-2019 | Zeitung.de - zeitungen und fachzeitschriften : regional und international - Impressum