Holunder – Beeren und Blüten mit schweißtreibender Wirkung

In der Volksmedizin sind nicht viele Wildpflanzen so beliebt und auch verbreitet, wie der Schwarze Holunder. Seit vielen tausenden von Jahren begleitet er die Menschheit. Dabei wird der Schwarze Holunder nicht nur aufgrund seiner medizinischen Eigenschaften geschätzt, auch magische Wirkungen werden ihm nachgesagt. So wird dem Holunder noch heute zugeschrieben, er könne Warzen verschwinden lassen, wenn man sich bei Vollmond unter einem Holunderbusch mit einer Speckschwarte abreibt. Dabei sind Holunderbüsche mittlerweile fast überall in Europa zu finden und recht leicht am schweren Duft der Blüten während der Blütezeit zu erkennen. Mit diesem wird auch der Sommer eingeleitet, während die blauschwarzen Früchte auf den beginnenden Herbst hindeuten.

Holunder – Wissenswertes über die Pflanze

Beim Holunder (Sambucus nigra) handelt es sich um einen ein bis acht Meter hohen Strauch oder auch Baum, der zur Familie der Geißblattgewächse gehört. Seine Heimat sind neben Europa auch Teile Asiens und Nordafrikas. Holunder ist in Hecken, Gebüschen, an Wegrändern, an Bachufern und auch auf Schuttplätzen zu finden. Ein alter Aberglaube hielt einst die Menschen davon ab, Holunder-Sträucher in der Nähe von Stallungen, bäuerlichen Wohnhäusern oder auch Speichern zu fällen, da er Wohnsitz von beschützenden Hausgöttern sei. Aus diesem Grund wachsen auch heute noch an diesen Plätzen Holundersträucher.

Gefiederte Blätter zieren den Holunderstrauch, der im Juni beziehungsweise Juli große Trugdolden in Schirmform mit kleinen weißen und duftenden Blüten trägt. Aus den Blüten entwickeln sich dann bis zum Herbst hin glänzende und schwarze, beerenförmige Steinfrüchte – die Holunderbeeren.

Neben den Holunderbeeren, aus denen Marmelade oder Saft gekocht wird, finden auch die Blüten Verwendung: Sie können in Pfannkuchenteig ausgebacken, mit Wasser und Zucker zu einem „Holunderblütensekt“ vergoren oder zu Sirup verkocht werden.

Eine mit dem Schwarzen Holunder verwandte Pflanze ist der Rote Holunder (Trauben-Holunder, Sambucus racemosa). Im Reifen Zustand sind die Beeren des Roten Holunders – wie es der Name schon verrät – rot. Diese Beeren sind aber nicht für den Verzehr geeignet, es kann zu Vergiftungserscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall kommen.

Holunder – Die Inhaltsstoffe und was sie bewirken

Sowohl in den Holunderbeeren als auch in den Holunderblüten befinden sich die wirksamen Inhaltsstoffe. In den Blüten sind Flavonoide wie die Substanz Rutin sowie organische Säuren und ein wenig ätherisches Öl enthalten.

Auch in den Holunderbeeren finden sich Flavonoide und ätherisches Öl wieder. Rutin spielt hier ebenso eine Rolle, wie Hyperosid. Die schwarzblaue Farbe wird den Beeren durch Anthocyane wie Sambucin und Sambucyanin verliehen. Weiterhin stecken in den kleinen dunklen Früchten B-Vitamine, Vitamin C und Folsäure. In unreifen Holunderbeeren ist zudem Sambunigrin enthalten, aus welchem Blausäure freigesetzt werden kann. Deshalb sollten unreife Früchte auch nicht verwendet werden, da sie zu Übelkeit und Erbrechen führen können. Für eine bessere Bekömmlichkeit gilt es immer, die Beeren zu kochen.

Holunderbeeren und auch –blüten werden seit jeher traditionell als Mittel gegen Husten, Schnupfen und Fieber verwendet. Holunder gilt als schweißtreibend und soll dazu beitragen können, Infekte regelrecht „auszuschwitzen“. Schwarzer Holunder soll zudem auch festsitzenden Schleim in Nasennebenhöhlen und Bronchien lösen können, wenngleich dies bislang noch nicht wissenschaftlich bestätigt werden konnte.

Noch ist unklar, ob es die Inhaltsstoffe oder auch das verwendete heiße Wasser sind, die für den schweißtreibenden Effekt sorgen. Kleiner angelegte Studien deuten aber trotzdem darauf hin, dass eine Erkältung bei der Einnahme von Holunder schneller abzuklingen scheint.

Oft findet sich heißer Holunder gemeinsam mit Lindenblüten in Erkältungstees. Sambucus nigra kommt als homöopathisches Mittel auch in Globuli-Form vor, um zur Abwehr von Infekten beizutragen. Zur Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte wird oft auch Holunderbeerensaft empfohlen, in dem viel Vitamin C enthalten ist. Der Saft darf jedoch nicht gekocht, sondern nur kurz erwärmt werden, da ansonsten das hitzeempfindliche Vitamin C verloren geht.

Den Holunderbeeren wird ein weiterer Effekt nachgesagt: Sie sollen leicht wassertreibend wirken können. So können sie die Nieren dazu anregen, mehr Wasser auszuscheiden und somit bei leichten Infekten der Harnwege für Besserung sorgen, da aufgrund der erhöhten Flüssigkeitsmenge mehr Keime ausgeschwemmt werden können.

Holunder und seine Anwendung als Heilpflanze

Sambucyanin ist der Farbstoff im Holunder und zählt zu den Flavonoiden. Diese sekundären Pflanzenstoffe werden damit in Verbindung gebracht, einen hohen gesundheitlichen Nutzen zu besitzen.

In Arzneien, die vor allem in der Naturheilkunde zur Anwendung kommen, werden jedoch vorrangig die getrockneten Holunderblüten für Tees verwendet. Zum Einsatz kommen sie dabei bei Infektionen der oberen Atemwege sowie zur Senkung von damit einhergehendem Fieber. Zudem sagt man Holunderblüten nach, sie könnten entspannend und beruhigend auf die Nerven wirken und zudem Ängste und depressive Stimmungen vertreiben.

Die Volksmedizin wendet Holunderblüten zudem äußerlich zur Beruhigung von Infektionen der Haut, Wunden, Verbrennungen oder auch kleinen Geschwüren an.

Holunder-Rezepte

Ungekochte unreife und auch reife Holunderbeeren sind für den Verzehr nicht geeignet, sie können Übelkeit und Erbrechen sowie schweren Durchfall verursachen. Holunderblüten gelten hingegen als nebenwirkungsfrei. Die in den rohen Beeren enthaltenen Giftstoffe sind auch in Blättern und Zweigen des Holunders enthalten, wenngleich Blätter und auch Zweige nicht für den Verzehr gedacht sind.

Vor allem aus den frischen Blüten des Holunders lassen sich Getränke zubereiten, die Beeren sind aber ebenfalls für verschiedenste Rezepte geeignet. Holunder ist sehr vielseitig einsetzbar.

Holunderblütentee

Schon seit Jahrhunderten ist die Wirkung von Holunder bekannt. Holunderblütentee gilt in der Volksmedizin als fester Bestandteil gegen Erkältungen und schmeckt – im Gegensatz zu anderen Erkältungstee – auch noch lecker.

Holunderblütentee zeigt eine fiebersenkende und schweißtreibende Wirkung und kann auch gegen festsitzenden Schnupfen und Husten helfen. Früher wurde noch die Ansicht vertreten, dass die heilende Wirkung der Pflanze auf die Geister im Hollerbusch zurückgeführt werden können. Mittlerweile ist jedoch bekannt, dass es Inhaltsstoffe wie Vitamine, Flavonoide sowie Gerbstoffe sind, welche dem Holunderblütentee seine Wirkung verleihen. Weiterhin können Schleimstoffe, ätherische Öle sowie Kaliumsalze eine positive Wirkung haben.

Den Inhaltsstoffen wird nachgesagt, sie können nicht nur die Symptome einer Erkältung lindern, sondern auch die auslösenden Viren und deren Vermehrung bekämpfen. Wichtig ist jedoch, dass der Tee immer frisch getrunken wird, da die Wirkstoffe sich sehr schnell verflüchtigen. Wird er früh genug angewendet, kann er möglicherweise auch eine Erkältung verhindern. Auf jeden kann beobachtet werden, dass sich die Beschwerden bessern und es wird auch davon berichtet, dass die Erkrankungsdauer kürzer ausfällt.

Das Gute an Holunderblütentee: Auch werdende Mütter müssen auf ihn nicht verzichten.

Für den Tee werden einfach zwei gehäufte Teelöffel getrocknete Holunderblüten mit 250 Milliliter kochendem Wasser übergossen. Nach einer Ziehzeit von zehn Minuten wird der Tee abgeseiht. Um einer Erkältung vorzubeugen, sind ein bis zwei Tassen täglich ausreichend.

Soll Holunderblütentee gegen einen akuten Schnupfen helfen, dann kann die Dosis auf drei bis vier Tassen erhöht werden, für eine Schwitzkur bei Fieber ist eine Tasse vor dem Schlafengehen sinnvoll.

Holunderbeerensaft

Aus den reifen Holunderbeeren kann auf traditionelle Weise in einem Entsafter Holunderbeerensaft zubereitet werden, der sich auch für den Winter konservieren lässt. Frischer Holunderbeerensaft lässt sich wie folgt zubereiten:

  • frische Holunderbeeren zwei bis drei Minuten mit etwas Wasser (auf ein Kilogramm Beeren etwa 200 Milliliter Wasser) kochen und sobald sie weich sind, die Flüssigkeit in ein Sieb geben und die Früchte darin auspressen
  • den Saft möglichst sofort in dunkle Flaschen füllen und in den Kühlschrank stellen, wo er etwa drei Tage haltbar ist
  • der frische Saft kann problemlos portionsweise eingefroren werden, so ist er etwa ein halbes Jahr haltbar und kann bei Bedarf aufgetaut werden
  • soll der Saft etwas länger aufbewahrt werden, ist es sinnvoll, ihn mit etwas Honig (zehn Teile Saft, ein Teil Honig) aufzukochen und diesen Extrakt nach Geschmack mit heißem Wasser aufgießen

Schon bei den ersten Anzeichen einer Erkältung kann ein Glas des erwärmten Saftes getrunken werden. Wer den Saft nicht selbst herstellen will, kann Holundersaft-Konzentrat oder auch Fertigpräparate in Apotheken, Drogerien und Reformhäusern kaufen und entsprechend der Anweisung zubereiten.

Holundersuppe

Für die Zubereitung einer Holundersuppe werden die folgenden Zutaten im Mixer püriert und dann im Topf kurz aufgekocht und durch ein Sieb passiert. Benötigt werden:

  • ½ Liter Wasser
  • 300 Gramm Holunderbeeren
  • 50 Gramm Honig
  • Saft einer unbehandelten Zitrone

Die Holundersuppe kann warm mit geschlagener Sahne serviert werden.

Holundermus

Für den Holundermus werden benötigt:

  • 2 Kilogramm Holunderbeeren
  • 500 Gramm säuerliche Äpfel
  • 1,3 Kilogramm Fruchtzucker
  • 1 TL frischen und sehr fein gehackten Ingwer
  • Saft einer unbehandelten Zitrone

Für die Zubereitung werden zunächst die Äpfel geschält, das Kerngehäuse entfernt und dann kleine Stücke geschnitten. Zusammen mit den Holunderbeeren und dem Zucker werden die geschnittenen Äpfel vermischt und müssen über Nacht im Kühlschrank stehen. Die Apfelschalen, das Kerngehäuse sowie der Zitronensaft werden nun mit etwas Wasser in einem Topf weich gedünstet, anschließend durch ein Sieb passiert und zu den Früchten gegeben. Das Ganze muss nun eine weitere Nacht im Kühlschrank stehen und durchziehen. Am nächsten Tag wird alles dann mit dem Ingwer für etwa 30 Minuten eingekocht und kann in Gläser gefüllt werden. Diese sollten kühl aufbewahrt werden.

Holundermuss passt gut zu frischem Vanillepudding, Pfannkuchen und Walnusseis.

Holundersalbe

Mit frischen Holunderlbättern, welche mit geschmolzender Vaseline (drei Teile Holunderblätter, sechs Teile Vaseline) erhitzt werden, kann eine kühlende Holundersalbe zubereitet werden. Sobald die Blätter in der Vaseline spröde werden, werden sie wieder herausgenommen. Der Holundersalbe können auch weitere Heilkräuter wie Breitwegerich, Wermut oder Gundelrebe hinzugefügt werden.

Holunderblütensirup

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Für die Zubereitung von Holunderblütensirup werden zwei Hand voll getrocknete Holunderblüten für mindestens acht Stunden in ein Liter abgekochtes Wasser mit 50 Millilitern Zitronensaft und einem Kilogramm braunen Zucker eingelegt und danach kurz aufgekocht. Der so gewonnene Sirup wird dann ausgepresst und möglichst in dunkle Schraubgefäße abgefüllt kühl aufbewahrt. Bei trockenem Husten wird eine tägliche Einnahme von einem Esslöffel des Sirups empfohlen.

Holunder und seine Produkte

In Apotheken, Drogerien, Reformhäusern und auch im Internet sind viele Holunder-Produkte erhältlich. Neben Holunderblütentee finden sich hier auch Säfte, Dragees und Tinkturen, welche aus den Blüten oder Beeren hergestellt wurden. Der Packungsbeilage kann die genaue Anwendung und Dosierung entnommen werden.

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