Ringelblume – „Wetterprophet“ mit heilenden Kräften?

Die Ringelblume – einst von den Bauern über Jahrhunderte hinweg als „Wetterprophet“ hoch angesehen, ist sie mittlerweile auch für ihre positiven Eigenschaften in Bezug auf die Wundheilung bekannt. Die Garten-Ringelblume faltet bei drohendem schlechtem Wetter mit Regen ihre Blüten zusammen, weshalb Bauern sehr gern auf sie vertrauten. Viele Völker sehen sie zudem als ein Symbol für Unvergänglichkeit, blüht sie doch den gesamten Sommer über und kann sich auch selbst aussäen. Nicht zuletzt deshalb gilt die Ringelblume auch als beliebte Grabpflanze und erhielt den Namen „Totenblume“.

Die Ringelblume – Kleine Pflanzenkunde

Bei der Ringelblume (Calendula officinalis) handelt es sich um ein einjähriges Korbblütengewächs. Die Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von 30 bis 60 Zentimetern, die Pfahlwurzel wird bis zu 20 Zentimeter lang. Am aufrechten und teilweise verzweigten sowie filzigen Stängel bilden sich ab Juni meist zwei bis fünf Zentimeter breite Blütenkörbchen, welche eine hellgelbe bis kräftig orange Färbung zeigen. Ursprünglich stammt die Wildpflanze aus dem Mittelmeerraum. Es gibt inzwischen mehr als ein Dutzend Calendula-Arten, die Ringelblume ist aber mittlerweile nur noch in Kultur bekannt. Die einzige noch wild wachsende Ringelblume in Mitteleuropa ist die Acker-Ringelblume, wenngleich die hellgelbe Pflanze nur noch sehr selten zu finden ist.

Der Name „Ringelblume“ lässt sich auf die Ringform der Früchte zurückführen. Aus den außen liegenden Zungenblüten bilden sich dabei Klettfrüchte, welche durch Tiere verbreitet werden. Der Wind wiederum verbreitet die sich aus den mittleren Blüten bildenden, teils luftgefüllten Samen. Im Inneren des Blütenstands bilden sich Früchte, die wie ein Wurm gekrümmt sind und von Ameisen verbreitet werden. Das für Korbblütler typischen Flugschirmchen (Pappus) weisen die Früchte der Ringelblume jedoch nicht auf.

Der Gattungsname Calendula ist in seinem Ursprung bisher nicht geklärt, aber vermutlich auf die für gelbe Frauenkleider bekannte Bezeichnung calthula zurückgeführt werden kann. Auch calathus (geflochtener Korb) könnte ein Ursprung für die Gattung sein. Mit dem wissenschaftlichen Artnamen officinalis wird die Heilwirkung beschrieben.

Ringelblumen können im Garten problemlos kultiviert werden. Sie werden im April gesät und blühen dann ab Juni bis zum Zeitpunkt der ersten stärkeren Fröste. Gemüse-, Erdbeer- und Kartoffelbeete können vor Fadenwürmen geschützt werden, wenn um sie Ringelblumen gepflanzt werden. Ringelblumen lockern die Erde mit ihren Pfahlwurzeln auch in tieferen Schichten, weshalb sie zu einer Bodenverbesserung beitragen. Sie können Restnährstoffe binden und bewahren so den Boden vor Auswaschung. Als Gründünger können die Ringelblumen abgeschnitten und zerkleinert sowie leicht angetrocknet oberflächlich in den Boden eingearbeitet werden.

Die Ringelblume in der Geschichte

Die Verwendung über die Ringelblume als Heilpflanze lässt sich bis auf das 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Damals empfahl die Äbtissin Hildegard von Bingen die „Ringula“ bei Vergiftungen durch üble Speisen. Im Jahr 1542 schrieb Leonhardt Fuchs, Professor an der Universität Tübingen, in seinem „New Kreuterbuch“ über die Ringelblume: „Die Blum in die Laug gelegt, macht schön gelb Har“.

Die Inhaltsstoffe der Ringelblume

Die Blüten der Ringelblume finden arzneiliche Anwendung. In diesen sind folgende Inhaltsstoffe enthalten:

  • Allantoin
  • Calendulin (Bitterstoff)
  • Carotinoide (verantwortlich für die gelbe Farbe der Blüten)
  • Flavonoide (sekundäre Pflanzenstoffe wie Lutein oder Zeaxanthin)
  • Saponine (Seifenstoffe)
  • Sterine (östrogenartige Substanzen)
  • mehrwertige Alkohole

Zudem enthält die Ringelblume sehr stark duftende ätherische Öle, welche allerdings keine medizinische Bedeutung haben.

Ringelblume und ihre Wirkung

Im Jahr 2009 wurde die Ringelblume zur „Heilpflanze des Jahres“ gekrönt. Schon im Mittelalter war die Ringelblume dafür bekannt, Verdauungsbeschwerden und Entzündungen heilen zu können. Im Jahr 1986 wurde die Wirkung durch die Kommission E des früheren Bundesgesundheitsamtes bestätigt. Auch wissenschaftlich wird die Ringelblume immer wieder als Heilpflanze anerkannt. Als offiziell anerkannt gilt dabei beispielsweise ihre Wirkung bei Haut- und Schleimhautentzündungen sowie bei Biss-, Quetsch- und auch Brandwunden. So wird der Ringelblume nachgesagt, sie könne die Wundheilung beschleunigen. Zudem werden ihre folgende Eigenschaften nachgesagt:

  • entzündungshemmend
  • keimtötend
  • reinigend und abschwellend
  • antibakteriell, antiviral, antimykotisch
  • schmerzlindernd
  • durchblutungsfördernd
  • adstringierend (zusammenziehend)
  • harntreibend
  • schweißfördernd
  • verdauungsanregend
  • krampflösend

Verantwortlich für diese Wirkeigenschaften sollen die Inhaltsstoffe der Ringelblume sein, welche – zumindest im Reagenzglas – aufzeigten, dass die Wundheilung schneller voranschreitet.

Ist bei der Anwendung von Ringelblume mit Nebenwirkungen zu rechnen?

Menschen mit empfindlicher Haut können auf Ringelblumenprodukte mit Reizungen reagieren (z. B. Rötungen, Brennen, Juckreiz), auch bei einer Allergie gegen Korbblütler kann es zu allergischen Reaktionen kommen.

Erkenntnisse über die Anwendung der Ringelblume während der Schwangerschaft und der Stillzeit liegen bislang nicht vor. Aus Sicherheitsgründen sollte eine Anwendung nur nach Rücksprache mit dem Arzt erfolgen. Dies gilt auch für Kinder unter zwölf Jahren, wenn es sich nicht um speziell für Kinder entwickelte Produkte handelt.

Ringelblume und ihre Anwendungsbereiche in der Naturheilkunde

Die Naturheilkunde setzt die Ringelblume sowie Zubereitungen aus ihr bei folgenden Beschwerden ein:

  • bei frischen Wunden sowie Verbrennungen und Verbrühungen
  • bei Wundheilungsproblemen
  • bei Mundschleimhaut- und Zahnfleichentzündungen
  • bei Blasen sowie wunder Haut
  • bei Hautschäden aufgrund von Strahlentherapie bei Krebspatienten
  • bei Husten und Asthma
  • bei Herzklopfen
  • bei Schlaflosigkeit
  • bei Angstzuständen
  • bei unregelmäßigem Zyklus sowie schmerzhafter Menstruation und starker Monatsblutung
  • bei Schwellungen der Brust
  • bei Beschwerden während der Wechseljahre

Dabei kommen verschiedene Anwendungsmöglichkeiten in Betracht.

Ringelblumen werden traditionell vorrangig zur äußeren Anwendung auf der Haut in Form von Tinkturen oder Salben genutzt. Doch auch Ringelblumen-Tee wird immer öfter für die innerliche und auch äußerliche Anwendung zubereitet. Zudem kommen auch Öle oder Bäder mit Ringelblumen sowie Ringelblumen-Saft zum Einsatz.

Ringelblumen-Tinktur

Bei Hautproblemen werden in der Regel Tinkturen aus Ringelblumenblüten zur Einreibung verwendet. Diese lassen sich auch ganz einfach selbst herstellen. Dafür sind entweder Alkohol oder als Alternative hausgemachte Essig-Auszüge notwendig. Die Ringelblumenblüten werden hierfür in ein Glas mit Schraubdeckel gelegt und dann mit dem Alkohol oder dem Essig-Auszug übergossen, bis sie gut bedeckt sind. Das Glas wird dann verschlossen und die Tinktur muss an einem warmen Ort für etwa zwei bis sechs Wochen ziehen. Nach der Ziehzeit wird die Tinktur abgefiltert und in eine dunkle Flasche gefüllt, in der sie etwa ein Jahr haltbar ist.

Ringelblumen-Tee

Mit einem Ringelblumen-Tee kann das Lymphsystem angeregt werden, geschwollenen Lymphknoten und Mandeln tut er gut. Außerdem kann er bei schmerzhafter Menstruation, Magenbeschwerden und Darmstörungen sowie Gallenproblemen lindern wirken. Mit Ringelblumen-Tee kann der gesamte Organismus entgiftet werden. Er eignet sich natürlich auch zum Einreiben der Haut.

Für den Tee werden zwei bis drei Ringelblumen-Blüten mit 250 Milliliter kochendem Wasser übergossen und nach einer Ziehzeit von zehn Minuten abgeseiht. Von dem Tee können täglich maximal drei Tassen getrunken werden. Für die äußerliche Anwendung werden vier Blüten mit 250 Milliliter Wasser übergossen und müssen dann etwa 20 Minuten ziehen.

Ringelblumen-Öl

Neben in Tee oder Tinkturen getränkten Kompressen kann auch Ringelblumen-Öl zum Einreiben der Haut verwendet werden. Ein Ölauszug aus Ringelblumen ist sehr einfach herzustellen.

Dazu werden die Blüten der Ringelblume in ein desinfiziertes Glas mit Schraubdeckel gegeben und Sonnenblumen- oder Olivenöl in Bio-Qualität darüber gegossen, bis die Blüten bedeckt sind. Der Ölauszug muss nun etwa zwei bis vier Wochen bei Zimmertemperatur ziehen. Um die Bildung von Schimmel zu vermeiden, sollte das Glas täglich gut geschüttelt werden. Nach der genannten Zeit werden die Blüten abgeseiht und das Ringelblumen-Öl muss an einem kühlen und dunklen Ort aufbewahrt werden.

Ringelblumen-Bad

Frauen, die unter Weißfluss oder Unterleibsblutungen leiden, können mit einem Ringelblumen-Sitzbad, welches mit einem Aufguss oder einer Tinktur hergestellt wird, ihre Beschwerden lindern. Grundsätzlich eignen sich Ringelblumen-Blüten auch im Allgemeinen als Badezusatz, denn sie haben eine positive Wirkung auf die Haut.

Ringelblumen-Salbe

Calendula-Salben sind sehr gut für die Pflege von wunder Haut geeignet. Neben Fertigprodukten kann eine Wundsalbe auch selbst hergestellt werden.

Hierzu werden 100 Gramm Schweineschmalz im Wasserbad geschmolzen und dann etwa zehn Gramm frische Ringelblumen-Blüten eingerührt. Das Gemisch sollte etwa für zehn Minuten im Wasserbad ziehen und dann für etwa zwei bis drei Tage im Kühlschrank zugedeckt ruhen. Anschließend wird die Mischung erneut im Wasserbad geschmolzen, durch einen Teefilter aus Papier gefiltert und die Salbe in einer Schraubdose aufbewahrt. So ist sie im Kühlschrank etwa ein halbes Jahr haltbar.

Als Alternative zu Schweineschmalz kann auch Vaseline verwendet werden. Die Salbe kann problemlos auf Wunden aufgetragen werden und soll so zu einer besseren Wundheilung beitragen.

Ringelblumen-Saft

Für die Behandlung von Hühneraugen und Warzen kann Ringelblumen-Saft verwendet werden. Für dessen Gewinnung ist eine spezielle Kräuter-Saftpresse notwendig. Vor der Anwendung muss der Saft mit Salz gemischt werden. Anschließend wird er mehrmals pro Tag auf die betroffene Hautstelle aufgetragen.

Die Ringelblume in der Ernährung

Von der Ringelblume sind sehr junge Blätter essbar und können kleingeschnitten in einen Salat gemischt werden. Die Blüten eignen sich vor allem als Dekoration in Salaten und anderen Speisen. Zudem können sie als farbgebendes Gewürz verwendet werden und dienen sehr oft als Ersatz für den doch recht teuren Safran.

Sehr beliebt ist Ringelblumenbutter. Hierzu wird traditionell als Basis Ziegenbutter genutzt, aber auch normale Butter ist geeignet. Pro 250 Gramm Butter werden etwa 50 Gramm ausgezupfte Blütenblätter der Ringelblume benötigt. Die Butter wird auf kleiner Flamme in einem Topf geschmolzen und anschließend die Blütenblätter hinzu gegeben. bei geringer Hitzezufuhr muss das Ganze nun etwa 20 Minuten durchziehen. Anschließend wird die flüssige Butter abgeseiht oder – je nach Geschmack und Vorliebe – mit den Blütenblättern kalt gestellt.

Studien zur Wirksamkeit der Ringelblume

In den Jahren 1992 und 1999 wurden durch Isaac und Baranov Studien zur Wirksamkeit des Ringelblumen-Extrakts bei Ulcus cruris (tiefe, meist nässende Wunden im Unterschenkelbereich) durchgeführt. Auch die Wirkung auf bestehende und teilweise deutlich fortgeschrittene Dekubitalgeschwüre (Wundliegegeschwüre) sowie auf venöse Erkrankungen (z. B. akute Thrombose der oberflächlichen Venen mit Entzündung der Gefäßwand, primäre Varikosen, Schwangerschaftsvarikosen und chronische venöse Insuffizienz) konnte nachgewiesen werden. Wissenschaftliche Beweise liegen ebenfalls in Bezug auf die Linderung von Verbrühungen und Verbrennungen vor.

 

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