Astragalus – Wichtige Heilpflanze aus der traditionellen chinesischen Medizin

In der traditionellen chinesischen Medizin gehört Astragalus (Tragant) zu den bekanntesten und wichtigsten Heilpflanzen und ist als klassisches Stärkungsmittel bekannt. Allein, aber auch in Kombination mit anderen Heilkräutern, lässt sich Astragalus sehr vielfältig anwenden. Selbst in wissenschaftlichen Untersuchungen wird die Pflanze, der eine lebensverlängernde Wirkung nachgesagt wird, immer wieder untersucht. Bereits seit mehr als 2.000 Jahren verwendet die traditionelle chinesische Medizin Astragalus bei verschiedenen Beschwerden.

Astragalus – Kleiner Exkurs in die Pflanzenkunde

Astragalus wird der Pflanzenfamilie der Hülsenfrüchtler zugeordnet und gehört hier als Pflanzengattung zur Unterfamilie der Schmetterlingsblütler. Ihren Ursprung hat die Pflanze im chinesischen Grenzgebiet zur Mongolei, ihr hauptsächliches Verbreitungsgebiet liegt in Eurasien. Aber auch in Nord- und Südamerika sowie im tropischen Afrika ist Astragalus zu finden.

Astragalus ist eine einjährige krautige und ausdauernde Pflanze, die als Strauch oder Halbstrauch wächst. Je nach Art sind die Hülsenfrüchte sehr unterschiedlich: Sie können kahl oder behaart sein und enthalten mehrere Samen. Die Fruchtwand ist lederig und häutig, einige Arten weisen eine harte Fruchtwand auf und wirken nussartig. In der traditionellen chinesischen Medizin kommt nur die Wurzel zur Anwendung.

Astragalus – Inhaltsstoffe und Wirkung

In Astragalus kommen folgende wirksamen Stoffe vor:

  • Triterpen-Saponine
  • Polysaccharide
  • Isoflavone
  • organische Säuren
  • Phytosterol

Die Polysaccharide Astragalane und Astraglucane sowie die Triterpen-Saponine Astragaloside und Isoastragaloside sind die medizinisch interessanten Wirkstoffe der Pflanze.

Diesen Stoffen werden folgende Wirkungen nachgesagt:

  • antioxidativ, verjüngend
  • antiviral und antibakteriell
  • immunstimulierend
  • entzündungshemmend
  • entwässernd und entgiftend
  • tonisierend und vitalisierend
  • herzschützend
  • nervenschützend
  • entstressend
  • antitumoral

Astragalus ist dafür bekannt, dass es aufgrund der zugeschriebenen immunstimulierenden Wirkung gut bei Erkältungen und immer wiederkehrenden Infekten sowie bei allgemeiner Schwäche und bei Störungen der Wundheilung helfen soll.

Mögliche Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Gegenanzeigen von Astragalus

Die bislang durchgeführten Tierversuche zeigten keinerlei toxische Wirkungen, die von Astragalus ausgehen. Auch beim Einsatz bei Menschen sind bis dato keine Nebenwirkungen bekannt. Allerdings erstreckt sich diese Erkenntnis nur auf geprüfte Extrakte, die oral eingenommen werden. Kräutermischungen sind davon nicht betroffen. Es sind aktuell 62 chinesische Studien bekannt, bei denen es nur in vier Fällen zu Nebenwirkungen aufgrund einer intravenösen Injektion kam. Hier wurden ein langsamer Herzschlag, ein niedrigerer Blutdruck, Schwindel, Magen-Darm-Beschwerden und Übelkeit sowie trockener Husten beobachtet.

Unter Umständen kommt es bei der gleichzeitigen Anwendung von Astragalus und Medikamenten, welche bei Transplantationspatienten zur Unterdrückung des Immunsystems zum Einsatz kommen, zu Wechselwirkungen. Auch bei Medikamenten für Autoimmunerkrankungen sowie bei Krebstherapie können Wechselwirkungen auftreten.

Da durch die Wurzel der Blutzucker gesenkt wird, sollten Diabetiker bei der Einnahme besondere Vorsicht walten lassen. Weiterhin verstärkt Astragalus die Wirkung von Blutdruck senkenden Mitteln.

Da bislang ausreichende Informationen zu der Zubereitungen fehlen, sollte eine Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit nicht erfolgen.

Auch bei Patienten mit Nierenschäden sollte die Einnahme zumindest nicht ohne therapeutischen Rat erfolgen, da bislang keine größeren Untersuchungen in Bezug auf die Sicherheit vorliegen. Dies ist vor allem auch deshalb wichtig, da es bislang nur eine Untersuchung in Bezug auf die Schwermetallbelastungen bei einem Astragalus-Spezialextrakt gibt und solche Stoffe bei Problemen mit den Nieren gemieden werden sollten.

Astragalus und seine Anwendungsgebiete

Astragalus kommt in der traditionellen chinesischen Medizin vor allem bei folgenden Beschwerden zur Anwendung:

  • zur Behandlung Erkältungen und Beschwerden der Atemwege
  • zur Stärkung des Immunsystems
  • bei der Behandlung von Allergien (z. B. Heuschnupfen)
  • bei der Behandlung von Blutarmut
  • zur Linderung von Beschwerden bei HIV/Aids
  • gegen Müdigkeit

Außerdem kommt es bei Diabetes, Erkrankungen des Herzens sowie bei Problemen mit Leber und Nieren zum Einsatz. Jedoch liegen noch nicht für alle Indikationen wissenschaftliche Daten in Bezug auf die Wirkung beim Menschen vor. In Tierversuchen wurde die Wirkung in traditionellen Anwendungsbereichen allerdings schon bestätigt. Da diese Studienergebnisse sehr viel versprechend sind, wird es zukünftig wohl auch Studien am Menschen geben.

Astragalus richtig einnehmen und dosieren

In der Regel werden Astragalus und membranaceus und Angelicae Sinensis (Chinesische Engelwurz) gemeinsam eingenommen, weil es in diesem Fall zu einer gegenseitigen Verstärkung der Effekte kommt. In der traditionellen chinesischen Medizin wird diese Kombination als „Dang-gui buxue tang“ bezeichnet und in der Standarddosierung von 30 Gramm Astragalus und sechs Gramm Engelwurz verordnet.

Das isolierte Wurzelpulver von Astragalus membranaceus wird mit einer Standarddosierung von 30 Gramm empfohlen, für den isolierten Wirkstoff Astragaloside IV liegt die standardmäßige Einnahmemenge bei fünf bis zehn Milligramm.

Die Astragalus-Wurzel wird in China meist in Form von Tees, Extrakten, Kapseln und Suppen eingenommen. Zur Anwendung kommt sie außerdem in Mischungen mit anderen Heilpflanzen (z. B. Engelwurz, Süßholz, Ginseng).

Studien rund um die Wirkung von Astragalus

Mittlerweile werden immer mehr Studien zu Astragalus membranaceus durchgeführt. Einige wurden auch schon veröffentlicht. Immer wieder stellt sich dabei heraus, dass Astragalus sich positiv auf den Alterungsprozess sowie auf physische und metabolische Beschwerden auswirken kann. Inwiefern die nachgesagte lebensverlängernde Wirkung tatsächlich zutrifft, kann derzeit aber noch nicht sicher gesagt werden.

Die Wirkung der Wurzel lässt sich Studien zufolge auf die bioaktiven Bestandteile zurückführen, von denen Astragaloside IV wohl die wichtigste Komponente ist. Dieser Stoff erhielt unter der Bezeichnung TA-65 sogar eine Patentierung. Es erfolgten bereits einige Untersuchungen dieser Substanz, die darauf hindeuten, dass Astragalus kardiovaskuläre Effekte zu haben scheint.

Studie zur Wirkung von Astragalus bei Diabetes

Anhand erster Untersuchungen an Tieren lässt sich vermuten, dass Astragalus hilfreich bei der Behandlung von Diabetes sein kann. Die orale und auch die intravenöse Einnahme scheinen sich sowohl auf den Blutzuckerspiegel als auch auf die Ansprechbarkeit auf Insulin regulierend auswirken zu können.

Die Studien zeigen, dass die Effekte wahrscheinlich auf den phytochemischen Bestandteilen beruhen, zudem scheinen Saponine, Flavonoide und Polysaccharide auf die Produktion und die Ausschüttung von Insulin positive Effekte. (1)

Dabei sollen auch Begleiterkrankungen von Diabetes wie Diabetische Nephropathie und Neuropathie mit Astragalus behandelt werden können.

Weiterhin stellte sich heraus, dass Astragalus die Adiponektin-Produktion erhöht. Dabei handelt es sich um ein Hormon, welches vermutlich vor bestimmten Zivilisationskrankheiten (z. B. Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Fettleber, Arteriosklerose) schützen kann. Diese Erkenntnis ist in unseren Breitengraden noch neu und muss weiter erforscht werden, in China wurde sie erstmalig während der Ming-Dynastie dokumentiert.

Studien zur Wirkung von Astragalus auf Herz und Kreislauf

Im Rahmen einer in-vivo-Studie wurde bei 90 Patienten mit einer chronischen Herzschwäche die Wirkungen von Astragalus genauer untersucht. Dabei zeigten sich bei den Herzkontraktionen Verbesserungen in Abhängigkeit von der Dosierung. So kam es bei Dosierungen zwischen 4,5 und 7,5 Gramm zu Besserungen, während Gaben von 2,23 Gramm als wirkungslos eingestuft wurden. (2)

Astragalus wird in China sehr genau untersucht. Einige Studien haben bereits eine positive Wirkung auf das kardiovaskuläre System bestätigen können, wenngleich die wissenschaftliche Qualität noch ungeklärt ist. Hier fehlt leider eine Analyse zur Qualität des verwendeten Astragalus-Extrakts.

Studien zur Wirkung von Astragalus bei Nierenproblemen

Verschiedene Forschungsergebnisse zeigen, dass Astragalus bei bestimmten Erkrankungen der Nieren eine positive Wirkung haben kann. (3)

Dabei zeigten sich sowohl bei der oralen als auch bei der intravenösen Einnahme Verbesserungen der Funktion der Nieren bei Patienten, die unter einer diabetesbedingten Nierenerkrankung leiden. Auch weitere Studien deuten auf diese Wirkung hin.

Studien zur Wirkung von Astragalus bei der Krebstherapie

Mittlerweile gibt es erste Untersuchungen, in denen sich herausstellte, dass durch eine intravenöse Zufuhr von Astragalus eine Reduzierung der Nebenwirkungen einer Chemotherapie (z. B. Übelkeit, Durchfall) erreicht werden kann.

Im Jahr 2006 wurde eine Studie durchgeführt, die Hinweise darauf gibt, dass die Toxizität von Chemotherapien durch die Anwendung von Astragalus gesenkt werden kann. Zudem soll auch die Effektivität der Chemotherapie erhöht werden. Die Chemotherapie bei Lungenkrebs basierte dabei auf Platin. (4)

In Laborversuchen zeigte sich zudem, dass Astragalus-Extrakte zu einer Hemmung der Tumorentstehung und des Tumorwachstums beitragen können. Im Rahmen von Tierversuchen stellte sich heraus, dass das eigene Immunsystem Tumoren abwehren kann.

Weitere Untersuchungen zur Wirkung von Astragalus

In Laborversuchen wurde Astragalus auch auf weitere Wirkungen hin untersucht.

So wird ihm eine stimulierende Wirkung auf das Immunsystem nachgesagt, bei einem experimentell geschwächten Immunsystem konnte eine Stärkung der Immunantwort erzeugt werden. Dabei werden vermutlich die Killerzellen und die zellvermittelte Immunität (T-Zellen) aktiviert, es kommt zu einer Steigerung der Fressaktivität und der Produktion von Antikörpern.

In einzelnen Versuchen konnte zudem festgestellt werden, dass auch eine überschießende Immunität mit Astragalus behandelt werden könnte. Bei Versuchen an Mäusen mit allergischem Asthma zeigte sich eine Reduzierung der entzündlichen Prozesse in der Lunge, auch die Schleimsekretion verringerte sich. In einer europäischen Studie mit 48 Patienten, die an Heuschnupfen litten, zeigten sich auch positive Effekte durch die Einnahme eines Astragalus-Extrakts. Ursächlich sind dafür vermutlich die immunausgleichenden Wirkungen der Inhaltsstoffe von Astragalus, allerdings sind gesicherte Aussagen dazu noch nicht vorhanden. Neue Studien werden aber sicherlich folgen, denn auf diesem Gebiet wird aktuell intensiv geforscht.

Weiterhin stellte sich in Tierversuchen heraus, dass Astragalus auch bei der Wundheilung hilfreich sein kann. Entzündungen fielen geringer aus, das Wachstum der Zellen ging schneller vonstatten. Zudem zeigte sich eine beschleunigte Versorgung des Wundgebiets durch Blutgefäße.

Auch auf die Leber soll Astragalus positive Auswirkungen haben. In einem Experiment an Tieren schützte ein Extrakt vor einer künstlichen Leberschädigung. Zudem konnte beobachtet werden, dass bei Ratten die Entwicklung einer Fettleber aufgrund von Alkohol verhindert wurde.

In der traditionellen chinesischen Medizin ist in allen Mitteln zur Behandlung einer Fettleber auch Astragalus enthalten. Eine Leberzirrhose, die als letztes Stadium der Leberschädigung gilt und nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, konnte im Tierversuch mit einem Astragalus-Extrakt zumindest aufgehalten werden.

Einige noch unbestätigte Laborversuche weisen zudem darauf hin, dass auch Patienten mit chronischer Hepatitis von Astragalus profitieren könnten.

Überlieferungen zufolge soll Astragalus weiterhin vor Schäden aufgrund eines Schlaganfalls schützen können. In einem Tierversuch wurde ein solcher durch eine zeitlich begrenzte Unterbrechung der Blutversorgung simuliert. Die daraus resultierenden Schäden konnten durch eine Kräutermischung mit der Hauptkomponente Astragalus verringert werden, auch das Infarktgebiet reduzierte sich. Noch müssen hier aber weitere Untersuchungen folgen.

Astragalus soll zudem hilfreich für Patienten sein, die an HIV beziehungsweise Aids leiden. Allerdings sind die Beweise für eine Wirkung eher widersprüchlich. Wird ein Kombinationspräparat mit Astragalus eingenommen, kann es zu einer Verbesserung der Symptome und der Immunfunktionen kommen. Jedoch ist es bislang nicht gelungen, die Ergebnisse eindeutig zu bestätigen.

Astragalus – Positive Wirkungen, die aber noch bestätigt werden müssen

Anzeige:

Astragalus gilt als Pflanze mit lebensverlängernder Wirkung und wird mit diesem Versprechen auch gern vermarktet. Allerdings sind derartige Aussagen nicht bestätigt. Dennoch scheint die Pflanze auf die Gesundheit positive Wirkungen zu haben, weshalb auch weiterhin an Astragalus geforscht werden dürfte.

(1) http://www.hindawi.com/journals/ecam/2013/654643/
(2) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21390582
(3) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmedhealth/PMH0069179/
(4) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16421421

Mehr zum Thema
© 1996-2018 | Zeitung.de - zeitungen und fachzeitschriften : regional und international - Impressum