Galgant (Alpinia officinarum)

Der Galgant, der auch in Fachkreisen als „echter Galgant“ (Alpinia officinarum) bezeichnet wird, gehört zur Familie der Zingiberaceae und somit zu den Ingwergewächsen. Hauptsächlich findet Galgant in Bereich der Heilmedizin Verwendung und wird ebenso gern als Gewürz genutzt. Beheimatet ist die Pflanze auf der Insel Hainan und auch in Thailand sowie in Südostasien. Hinter der Pflanze stecken allerhand Mythen und Geschichten, dennoch hat das Gewächs wesentlich mehr zu bieten, als schöne Blüten.

Galgant in seiner schönsten Form

Bei genauerer Betrachtung wird ersichtlich, dass der Galgant überaus ausdauernd und robust ist. Die krautige Wuchsform ermöglicht der Pflanze eine Höhe von bis zu 1,50 m und zeichnet sich vorrangig durch seine zylindrischen als auch schlanken Rhizome aus. Die Blätter sind ganzrandig sowie ungestielt. Diese Laubblätter können eine Länge von bis zu 30 cm erreichen, die ca. 1 – 2 cm breit sind. Sehr interessant sind die Blütenstände, die vor allem Aufsehen erregen. Diese sind recht traubig gehalten und mit kleinen Blättern versehen, welche weiß im Grundkern und mit rötlichen Adern versehen sind. Die Kronblätter wachsen zu regelrechten Röhren heran und können bis zu 10 cm Länge erreichen. Die Fruchtknoten hingegen sind eher behaart; hier finden sich rote, runde Fruchtanlagen an, die einen Durchmesser von rund 1 cm haben. Die Blütezeit wird von April bis September eingegrenzt, die Fruchtbildung eher von Mai bis November.

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Das Rhizom (Erdspross) wird gern für die Gewinnung zum Speisegewürz genutzt, riecht dieses aromatisch würzig und ist im Geschmack eher bitter oder sogar etwas brennend. Deshalb wird das Gewürz ebenso gern mit Ingwer in Verbindung gebracht und ist Bestandteil von Currys. Auch für die Herstellung von Likören, die mit Kräutermischungen angemacht werden, wird dieses Gewürzt vornehmlich gern genutzt. In der Pflanzenheilkunde gilt das Rhizom aufgrund der ätherischen Öle als besonders wertvoll. Die Gingerolen, Flavonoiden, Gerbstoffe und Galangolen regen mitunter die Verdauung an und gelten als karminativ, also krampflösend. Gleichzeitig werden dem Gewürz bakterien- sowie entzündungshemmende Wirkstoffe nachgesagt, die bei Völlegefühl, Blähungen oder Appetitlosigkeit wahre Wunder bewirken können. Auch krampfartige Leiden, wie sie bei Magen-Darm-Beschwerden bekannt sind, können mit dem Galgant sehr gut eingedämpft werden.

Weiterhin konnten bereits tumorhemmende Resultate nachgewiesen werden, sodass der Galgant in Kombination mit speziellen, zytostatischen Mitteln gewisse zytotoxische Eigenschafften im Bereich der Chemotherapien offerieren kann. Derzeit laufen noch Studien an, die Galgant als wahres Arzneimittel gegen den Krebs entlarven sollen. So wurde bereits bekannt, dass die Wunderwurzel bestimmte Wirkstoffe enthält, welche die Krebsgene geschickt deaktivieren könnten und somit auch das Wachstum von Krebszellen zum Einstellen bringt. In Phytotherapien hat die Pflanze jedenfalls schon einen festen Platz erhalten und wirkt als Stomachikum gegen Beschwerden im Magen-Darm-Bereich. Gesonderte Nebenwirkungen sind derweil nicht bekannt.

Die Geschichte des Galgants

Die wohltuende Galgant Wirkung ist schon recht früh erkannt worden. So findet sich im chinesischen Arzneibuch „Sammlung von Rezepten berühmter Ärzte“ des Taoisten und Alchemisten Táo hóng jing, der von 452-536 lebte, das erste Mal ein Eintrag über den Galgant an. Hier wird vor allem der scharfe Geschmack vorgetragen, aber auch die wärmende Wirkung, die zur Behandlung von Magen-Darm-Krankheiten geeignet ist und für Labsal sorgen soll. So ist das Galgant Gewürz vorrangig bei

  • Bauchschmerzen
  • Magenkälte
  • Erbrechen
  • Übelkeit
  • Sodbrennen oder Aufstoßen
  • Schlappheit
  • Herzschmerzen
  • Hexenschuss
  • Koliken
  • Kopfschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Schnupfen
  • Reise- oder Seekrankheit
  • Zahnfleischbluten sowie Zahnfleischentzündungen
  • Abgeschlagenheit und Erschöpfung
  • Gelenkentzündungen

einsetzbar. Im frühen Mittelalter gelangte der Galgant schließlich in den nahen Osten und wurde über Indien weiter nach Westen getragen. Hier wurde der Galgant vorrangig wegen seiner potenzsteigernden Vorzüge geschätzt, der zudem überaus bekömmlich und angenehm in Form und Geruch sei. Eine Kräftigung von Magen, Leber sowie weiterer, innerer Organe wurde kundgetan, sodass Galgant schon recht bald weit verbreitet wurde.

Heute wird die kleine Galgant-Knolle, die wahrlich dem Ingwer zum Verwechseln ähnlich sieht, gern frisch angeboten, oder aber getrocknet oder in Scheiben dargereicht. Während kleinere Knollen durchaus scharf und bitter erscheinen, ist der große Galant milder und würziger und enthält sogar Aromen, die Tannennadeln und Kiefernholz ähneln. Frisch verpackt ist dieses Gewürz über mehrere Wochen im Kühlschrank haltbar, im getrockneten Zustand sogar mehrere Monate. Das Galgant Gewürz lässt sich hervorragend zu Fleisch- oder auch Wildgerichten reichen und wird darüberhinaus sehr gern für asiatische Desserts verwendet. Da die Galgant Wirkung recht weitreichend ist, wurden dem Gewürz zudem therapeutische Eigenschaften zuteil:

  • Antibakteriell sowie keimabtötend
  • Menstruationseinleitend als auch menstruationsfördernd
  • Potenzsteigernd
  • Schmerzlindernd

Ein wahrhaftiges Gewürz, das Lebensbejahend wirkt

Bereits die Klosterfrau Hildegard von Bingen benannte den Galgant schon als „Wunderwurzel“ und war vor rund 800 Jahren davon überzeugt, dass diese Wurzel ein wahres Heilmittel ist. Sie nutzte die Wechselwirkungen, um die menschliche Gesundheit als auch Psyche zu unterstützen und bezeichnete Galgant als „Gewürz des Lebens“. So scheint die knotige Wurzel nicht nur Schmerzen zu lösen, sondern auch Schwäche zu lindern, Schwindel zu beseitigen und Symptome, die mit Herzleiden einhergehen, zu dämpfen. Die Knolle weist keinerlei Nebenwirkungen auf und ist hervorragend verträglich.

Mittlerweile gibt es die Knolle in verschiedenen Darreichungsformen zu erwerben. Wer Galgant kaufen möchte, kann neben grobem Pulver und der getrockneten Version ebenso Teezubereitungen nutzen. Dieser Tee wird mit kochendem Wasser übergossen und für 10 Minuten der Ruhe überlassen. Empfohlen werden zwei bis drei Tassen pro Tag, die vor den Mahlzeiten einzunehmen sind.

Soll es nicht Tee oder Pulver sein, so helfen auch Galganttabletten weiter, welche weiterhin für Wohlbefinden sorgen können. In heißem Wasser oder gar Wein aufgelöst, kann die Arznei seine Kräfte frei entfalten und den Körper durchströmen. Selbstverständlich können die Galganttabletten auch einfach in ihrer schlichten Form eingenommen werden und lindern somit Schmerzen unterschiedlichster Art.

Wie wende ich frischen Galgant an?

Wer auf Galganttabletten verzichten und lieber frischen Galgant kaufen möchte, kann die Knollen sehr gut in asiatischen Läden oder im Reformhaus erhalten. Die Knolle wird zuerst vollständig von der Schale befreit, sodass das weiße, teils rötliche Fruchtfleisch zum Vorschein kommt. Anschließend kann die Wurzel in kleine Stücke zerschnitten oder aber mit einer Reibe behandelt werden. Soll der Galgant mit anderen Gewürzen wiederum vermengt werden, so ist ein Mörser hilfreich. Hiermit wird der gemahlene Galgant so lange verarbeitet, bis eine gleichmäßige Paste entsteht.


Anschließend kann die Paste mit Öl oder Ghee vermengt werden. In der Pfanne erhitzt entstehen wohlige Aromen. Nach und nach kann das Gericht vervollständigt werden. Natürlich kann das Gewürz in getrockneter Form auch käuflich erworben werden. Mit etwas Pfeffer und Honig vermengt, kann diese Mischung eine drohende Erkältung abwehren. Auch in der Suppe als abschließende Zutat, wird das Gericht zu einem genussvollen Ereignis, welches nebenbei Schüttelfrost und Fieber abklingen lässt.

Neben diesen Vorzügen beruhigt die Knolle dank der vielseitigen Heilwirkungen Bauchbeschwerden. Hierzu sollte die frische Wurzel mit einer Reibe zerkleinert und mit etwas Zitronensaft verfeinert werden. Auch wenn der Genuss etwas gewöhnungsbedürftig erscheint, so machen sich die positiven Eigenschaften recht schnell bemerkbar. Auch verschiedene Bereiche im Menstruationsbereich oder für Potenzzwecke lässt sich Galgant überaus gut einsetzen. Hier lohnt sich das Experimentieren mit dem Gewürz, um individuelle Vorteile zu erlangen. Es ist demnach recht gleich, ob Speisen verfeinert oder Getränke mit einer feinen Schärfe versehen werden sollen – ob Currygerichte, Eintöpfe, Fleisch- und Gemüsepfannen sowie Fleischgerichten: verschiedene Genüsse lassen sich sehr gut mit der Knolle aufwerten. Gleichwohl schmecken diese Speisen nicht nur unvergleichlich gut, sondern schaffen auch ein zitronige bis frische Note, die jedes Gericht komplettiert.

Tipp:
Galgant lässt sich auch in unseren Gefilden sehr gut selbst anbauen und sogar züchten. Hierzu wird eine Wurzelknolle in einen geeigneten Topf mit feuchtem, nährstoffreichem Boden gelegt. Binnen kurzer Zeit sind erste Triebe erkennbar, die eine schöne und außergewöhnliche Pflanze offenbaren. Das Gewächs bevorzugt einen warmen, aber nicht zu sonnigen Ort, der am besten mit hoher Luftfeuchtigkeit zu versehen ist.

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