Weihrauchöl – Öl mit einer langen Geschichte

Ein süßlich warmer und balsamischer Unterton sowie eine frische Obernote mit gemütsstimulierender Wirkung kennzeichnen Weihrauch. Schon seit mindestens 5.000 Jahren erfolgt die geschichtliche Dokumentation von Weihrauch, der vor allem aus religiösen Zeremonien bekannt ist. In Ägypten und auch in China wurden zur Hautverjüngung Masken aus Weihrauchöl verwendet, der mittlere Osten betrachtete Weihrauch als heiliges Salbungsöl. Weihrauch war zudem eines der Geschenke der Heiligen Drei Könige an das Jesukind.

Weihrauch ist als „olibanum“ oder auch „Öl von Libanon“ bekannt. Gewonnen wird Weihrauch aus dem Harz der Weihrauchbäume (Gattung: Boswellia, Balsambaumgewächse). Je nach Art erreichen die Bäume Wuchshöhen zwischen 1,5 und 8 Meter. Etwa 82 Prozent des Harzes stammen von Bäumen aus Somalia, aber auch im südlichen Arabien (z. B. im Oman oder im Jemen) sowie in Indien, im Sudan und in Eritrea wird das Harz gewonnen.

Herstellung von Weihrauchöl

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Je nach Standort beginnt etwa im März und April die mehrere Monate andauernde traditionelle Weihrauchernte. Zur Harzgewinnung werden Äste und Stamm eingeschnitten, es tritt eine milchige und klebrige Flüssigkeit aus. Durch das Trocknen an der Luft bildet sich aus der Flüssigkeit innerhalb von wenigen Tagen das Weihrauchharz in Form von Tropfen, die dann mit Hilfe spezieller Werkzeuge vom Baum geschabt werden. Das Harz aus dem ersten Erntevorgang hat dabei die schlechteste Qualität. Doch selbst für Harz mit schlechter Qualität gibt es inzwischen einen Markt. Das Harz wird im Verlauf der weiteren Ernte immer reiner, aus der letzten Ernte geht ein fast weißes Harz von höchster Qualität hervor.

Das ätherische Weihrauchöl wird mit Hilfe von Wasserdampfdestillation gewonnen. Hierfür wird das Harz mit heißem Wasser in einen Destillationskolben gegeben, in den dann heißer Wasserdampf eingeleitet wird. So erfolgt die Lösung des ätherischen Öls.

Aus etwa 10 bis 20 Kilogramm Harz kann so etwa ein Liter Weihrauchöl gewonnen werden.

Die Inhaltsstoffe von Weihrauchöl

In den Harzen von Boswelliagewächsen konnten in wissenschaftlichen Studien je nach Sorte, Standort und Erntezeitpunkt mehr als 200 Substanzen nachgewiesen werden.

Enthalten sind in Weihrauchöl:

  • Ketone (Olibanol)
  • Harzstoffe
  • Terpene (α-Pinen, β-Pinen, Dipenten, Camphen)
  • Phellandren (Bestandteil von ätherischem Öl)
  • Bornylacetat, Incensol, Incensylacetat, Linalool, Octanol, Octylacetat

Wie wirkt Weihrauchöl?

Schon seit Jahrtausenden wird das Öl als Salböl und auch als Heilmittel sehr geschätzt. Dabei ist das indische Weihrauchharz auch im Europäischen Arzneibuch eingetragen, weshalb es vor der Weiterverarbeitung eine Prüfung auf Herkunft, Reinheit und Qualität durchlaufen muss.

Dem Weihrauchöl werden die folgenden positiven Wirkungen nachgesagt:

  • adstringierend (zusammenziehend)
  • desinfizierend
  • entzündungshemmend
  • harntreibend
  • menstruations- und wehenfördernd
  • wundheilend, narbenbildend
  • schleimlösend
  • verdauungsfördernd

Da Weihrauchöl möglicherweise auch zu einer Kräftigung aller Körpersysteme beitragen kann, wird es auch als Tonikum bezeichnet. Es kann zudem das Immunsystem stärken und zu einer Förderung der Nährstoffaufnahme beitragen.

Helfen soll Weihrauchöl demnach bei folgenden Beschwerden:

  • Erkältungen, Erkrankungen der Atemwege
  • Verdauungsstörungen
  • Arthritis, rheumatischer Arthritis
  • Erkrankungen im Mund-/Rachenraum (z. B. auch bei Zahnschmerzen)
  • Probleme mit der Gebärmutter (z. B. Menstruationsbeschwerden)

Inwiefern Weihrauchöl dabei jedoch seine Wirkung entfaltet und Linderung verschaffen kann, ist aus medizinischer Sicht nicht geklärt.

So wird Weihrauchöl angewendet

Weihrauchöl lässt sich auf unterschiedliche Weise anwenden. Mit Hilfe eines Zerstäubers oder Vaporisators kann Weihrauchöl auf einfache Weise inhaliert werden. In sehr geringer Dosierung ist eine innere Anwendung ebenfalls möglich. Weiterhin ist es möglich, Weihrauchöl pur oder zusammen mit einem Trägeröl (z. B. Avocadoöl) auf die Haut aufzutragen.

Die Anwendung von Weihrauchöl ist dabei in der Regel frei von Nebenwirkungen. Dennoch ist es ratsam, zunächst zu testen, ob das Öl vertragen wird. Selten kann es zu Magen-Darm-Problemen (z. B. Übelkeit, Übersäuerung, Bauchschmerzen) oder auch Hautausschlägen kommen. Da es wehenfördernd wirken kann, sollte Weihrauchöl nach Möglichkeit nicht während der Schwangerschaft angewendet werden. Als essenzielles, ätherisches Öl wird auch von einer Anwendung während der Stillzeit abgeraten.

Weihrauchöl lange haltbar

Grundsätzlich gehören ätherische Öle zu den lange haltbaren Ölen. Ein qualitativ hochwertiges Weihrauchöl weist eine Haltbarkeit zwischen fünf und zehn Jahren auf. Es kommt in dieser Zeit sogar zu einer Reifung: Mit Dauer der Lagerung wird es voller und intensiver im Duft.

Für die lange Haltbarkeit ist es notwendig, dass Weihrauchöl möglichst dunkel, kühl und trocken aufzubewahren. Die Flasche sollte fest verschlossen und zudem vor Wärme geschützt sein. Eine Lagerung im Kühlschrank ist jedoch nicht sinnvoll, denn zu viel Kälte verträgt Weihrauchöl nicht.

Wird das Weihrauchöl trüb oder milchig, dann darf es weder äußerlich noch innerlich angewendet werden, da es ansonsten zu Reizungen kommen kann. Der Duft von Weihrauchöl ist erdig, holzig, etwas würzig und leicht fruchtig. Sind derartige Duftnoten nicht mehr vorhanden, ist das Öl ebenfalls nicht mehr verwendbar.

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