Ernährungsmythen und ihre wahren Hintergründe

In Zeiten des Internets und von sozialen Netzwerken, in denen jeder sein Wissen und Bilder seiner selbst teilt, bleibt man von ihnen nicht verschont: Ernährungstipps, Körperideale und vermeintlich zu erreichende Ziele. Nie war der Nährboden für Ernährungsmythen günstiger als jetzt. Keine Kohlenhydrate nach 18 Uhr, Chia-Samen als Powerfood und Smoothies, um den Körper zu entgiften. Doch welchen Ernährungstipps aus dem Netz können Sie trauen und welche sollten Sie besser vergessen? Der folgende Check zeigt, welche Ernährungsmythen Hand und Fuß haben und bei welchen es sich nur um heiße Luft handelt.

Mit Saftkuren zum Wunschgewicht

In jeder Frauenzeitschrift und auch vielen Food-Blogs sind sie immer wieder der große Renner: Saftkuren. Oft werden nicht nur schönere Haut, strafferes Bindegewebe und ein Strahlen in den Augen, sondern auch ein Gewichtsverlust von mindestens zehn Pfund versprochen. Durch seine diversen Vitamine soll der Saft zeitgleich viele Nährstoffe liefern und so den für Kuren üblichen Mangelerscheinungen vorbeugen. Was ist dran am Mythos?

Zunächst einmal: Nicht viel. Wer nur Saft trinkt, nimmt nicht automatisch ab. Gerade Fruchtsäfte enthalten aufgrund ihres hohen Zuckergehaltes jede Menge Kalorien. Da der Körper keinerlei feste Nahrung bekommt, verwertet er diese Kalorien nicht komplett, sondern schaltet in den „Hungersnot-Modus“. Das bedeutet, dass er einen Teil der zugeführten Kalorien in Form von Fettdepots einlagert, um für die nächste Dürreperiode vorzubeugen. Das Gewicht, das Saftkuren-Fans zu verlieren scheinen, ist meist Wasser. Zusätzlich baut der Körper Muskelmasse ab, da diese über eine hohe Energiedichte verfügt und den Körper so mit den Nährstoffen versorgt, die ihm während der Kur verwehrt bleiben. Der Glaube, dass man durch Saftkuren an Fettgewebe verlieren könne, ist also ein Irrtum.

Bitterschokolade als gesunde Alternative

Jeder Schokoladenliebhaber muss es sich mindestens einmal im Leben anhören: Kauf lieber die Bitterschokolade, die ist viel gesünder für dich und deinen Körper. Sorten mit hohem Kakaoanteil wird nachgesagt, dass sie viel gesünder seien und weniger Zucker enthielten. Doch ist das wirklich so?

Ein Blick auf die Verpackungen zeigt: Ja, es stimmt, Zartbittersorten enthalten wesentlich weniger Zucker als Vollmilchschokolade. Das liegt daran, dass die Kakaobohne von Natur aus eher bitter ist. Je süßer die Schokolade am Ende schmecken soll, desto mehr Zucker muss ihr hinzugefügt werden. In diesem Bezug ist Zartbitterschokolade also tatsächlich gesünder als Vollmichschokolade. Aber nicht nur der geringere Zuckergehalt überzeugt Experten. Studien haben nachgewiesen, dass Schokoladenliebhaber ein geringeres Risiko für Herzkreislauferkrankungen und für Schlaganfälle haben. Der hohe Kakaoanteil soll dabei eine besonders schützende Wirkung haben. Doch auch Fans von Vollmilchschokolade können aufatmen: Auch der Verzehr von helleren Schokoladensorten kann bereits schützend gegen die oben genannten Erkrankungen wirken.

Ernährungsendgegner Kohlenhydrate

Ernährungsratgeber und Schlankheitsfetischisten sind sich einig: Kohlenhydrate sind schlecht, machen dick und sind nur ungesund. Wer gesund, schlank und fit leben möchte, sollte so wenig Kohlenhydrate wie möglich zu sich nehmen und auf Brot, Nudeln und Reis verzichten. Doch ist das wahr? Sind die Getreideprodukte wirklich so schlecht wie ihr Ruf?

Dazu gibt es ein ganz klares: Nein! Echte Vollkornprodukte, also Brot, Nudeln und Reis, die aus dem vollen Getreidekorn hergestellt wurden, sind sogar echte Fitmacher und damit für eine gesunde Ernährung unbedingt erforderlich. Sie enthalten jede Menge B-Vitamine, die für einen guten Stoffwechsel unabdingbar sind. Die Vitamine B6 und B12 sind sogar in der Prävention von Diabetes Typ II und anderen Stoffwechselerkrankungen essentiell, da der Körper sie für die Verwertung von Zucker dringend benötigt. Diese Vitamine finden sich in den äußeren Schalen des vollen Korns. Bei Getreideprodukten, die nicht aus Vollkorngetreide hergestellt werden, werden diese Schalen abgeschält und die Vitamine damit auf den Müll geworfen. Anders ist das bei Vollkornprodukten, diese enthalten die wichtigen Nährstoffe noch. Neben den B-Vitaminen enthalten Vollkornlebensmittel zudem Iod, Magnesium, Zink und Flur, weitere Mineralien und Nährstoffe, die für starke Knochen und ein stressresistentes Nervensystem benötigt werden. In Form von Vollkornprodukten sind kohlenhydrathaltige Lebensmittel also durchaus sinnvoll und notwendig für eine gesunde Ernährung.

Bio-Milch ist viel gesünder als konventionelle

Glückliche Kühe geben die bessere Milch. Das jedenfalls propagieren Bio-Vertreter und Tierschützer immer häufiger und fordern damit die artgerechte Freilandhaltung ein. Die Milch dieser Kühe sei viel gesünder und deshalb würden alle davon profitieren, so die Argumentation. Doch ist dem wirklich so?

Ja, das stimmt! Europäische Forscher haben herausgefunden, dass die Milch von Kühen, die ein entspanntes Leben im Grünen führen, wesentlich reicher an Nährstoffen ist als die Milch von Stallkühen. So enthielte Weidemilch wesentlich mehr gesunde Fettsäuren, Beta-Karotin und Vitamin E. Ein klares Plädoyer für Freilandhaltung bei Kühen. Das liegt auch an der anderen Ernährung, die diese Tiere genießen. Im Gegensatz zu ihren Stall-Verwandten werden sie weniger mit Silage und Futtermitteln gefüttert. Stattdessen nehmen sie frisches Gras, Klee und andere Gewächse auf der Wiese zu sich. Da diese vermehrt frische Nährstoffe enthalten, ist auch die produzierte Milch viel nährstoffreicher.

Brauner Zucker ist nicht besser als weißer

Gerade in Diätrezepten für Desserts findet sich neben herkömmlichen Süßstoff auch immer wieder der Verweis auf braunen Zucker. Dieser soll gesünder sein als das weiße Süßungsmittel und damit geeigneter sein, wenn man eine zuckerarme Ernährung etablieren möchte. Stimmt’s?

Nein, das ist ein klarer Mythos! Der braune Zucker besteht, genauso wie weißer, zu 99% aus reiner Saccharose. Genauso wie weißer Zucker treibt also auch die braune Variante den Blutzuckerspiegel in die Höhe und liefert eine Menge unnötiger Kalorien. Die eventuell im braunen Zucker noch vorhandenen Vitamine sind so gering, dass sie kaum ins Gewicht fallen und den braunen Zucker deshalb nicht zur gesünderen Alternative erklären können. Die braune Farbe des Zuckers erklärt sich dadurch, dass er noch Sirupreste aus dem Herstellungsverfahren enthält, da brauner Zucker im Endeffekt nur das „Vorprodukt“ zu weißem Zucker ist. Bis auf die Farbe gibt es also keinen Unterschied zwischen weißem und braunem Zucker.

Tiefkühlgemüse ist minderwertiger als frische Ware

Gerade Freunde von Wocheneinkäufen kennen das Problem: Die Mahlzeiten sollen möglichst viel Gemüse enthalten, doch frische Ware verdirbt unter Umständen, bevor man sie zubereiten konnte. Doch jeden zweiten Tag loszugehen und das Gemüse frisch zu kaufen, wird gerade bei Berufstätigen zur logistischen Herausforderung. Da hilft Tiefkühlware. Diese ist ja schließlich genauso gesund wie frisches Gemüse. Oder etwa nicht?

Vielbeschäftigte können aufatmen: Tiefkühlgemüse ist in der Tat meistens mindestens genauso gesund, wenn nicht sogar gesünder als frische Ware. Das Gemüse, das für die Tiefkühltruhe gedacht ist, wird häufig direkt nach der Ernte vom Feld schockgefroren. Die wichtigen Vitamine und Nährstoffe werden damit in dem Gemüse konserviert. Vor allem die Nährstoffe, die durch Licht oder Wärme zerstört werden, bleiben so erhalten. Bei frischem Lagergemüse, das teilweise tagelang in Kisten transportiert und aufbewahrt wird, gehen diese Vitamine verloren. Verfechter von Tiefkühlware müssen also zukünftig kein schlechtes Gewissen mehr haben, sondern können sich – bei richtiger Zubereitung – an vitaminreicher Nahrung erfreuen.

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