Rizinusöl – Ein vielfältiges Öl

Das Rizinusöl führte lange Zeit ein Schattendasein als natürliches Abführmittel. Doch schon im Altertum wusste man bereits um die Vielseitigkeit von Rizinusöl. Schon die alten Ägypter nutzten das Öl in der Heilkunde und außerdem als Brennstoff. Überlieferungen belegen, dass auch im antiken Griechenland Rizinusöl für diese Zwecke verwendet wurde. Als Heilmittel geriet es im Lauf der Geschichte jedoch leider ein wenig in Vergessenheit.

Ab circa in der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Öl zunächst nur als Abführmittel wiederentdeckt. Von Westindien aus verbreitete es sich erneut in der Welt. Heute weiß man um den Nutzen des gesunden Öls deutlich mehr. Seine Heil- und Pflegewirkung machen sich sowohl die Pharmazie als auch die Kosmetikbranche zunutze. Neben seinem Einsatz als Zuschlagstoff in Kosmetika oder Medikamenten gibt es auch viele Möglichkeiten, Rizinusöl für selbst gemachte Produkte oder in reiner Form zu verwenden. Auch in der Industrie wird Rizinusöl in großen Mengen eingesetzt. Hier findet es sich in den Bereichen Technik, Schmierstoffe, Farben und Lacke, Polyamid und Oleochemie. Der weltweite Verbrauch an Rizinusöl beträgt jährlich geschätzt 600.000 Tonnen, davon entfallen auf Deutschland etwa 40.000 Tonnen. Das erfordert entsprechende Anbauflächen und -formen.

Rizinusöl – Herkunft und Gewinnung

Rizinusöl gehört zu den Pflanzenölen und wird aus den Samen des sogenannten Wunderbaumes (Ricinus communis) gewonnen. Auf dem Markt wird raffiniertes und kalt gepresstes Rizinusöl zum Verkauf angeboten. Dabei sind im kaltgepressten Öl noch alle Inhaltsstoffe vorhanden, während bei der Raffinierung einige Stoffe des Öls verloren gehen. Das Öl ist dickflüssig, jedoch nicht zäh. Seine Färbung reicht von kristallklar bis hin zu Gelblich. An der Farbe lässt sich leicht die Qualität erkennen. Je klarer das Öl ist, desto weniger ursprüngliche Inhaltsstoffe sind noch vorhanden. Von daher sollte man beim Rizinusöl Kauf darauf achten, von welcher Farbe das Öl ist.

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Beheimatet ist der Wunderbaum in den Sommerregengebieten der Tropen. Entsprechend des jeweiligen Standortes liefern die Bäume je Hektar Anbaufläche zwischen 450 und 2000 kg Öl. Mit der Entwicklung verschiedener Hybrid-Sorten wurden die Bäume seit der Mitte des 20.Jahrhunderts für die Produktion optimiert. Weit über 80 Prozent der gesamten Produktionsmenge stammen aus den Regionen China, Indien und Brasilien. Die Produktion in den USA ist einiger Zeit zum Erliegen gekommen.

Mit 40 – 50 Prozent liegt der reine Ölanteil an den Samen recht hoch. Daneben enthalten die Wunderbaum-Samen Protein (14-22%), Rohfaser (15-18%) und Asche (2-3%). Die Samen enthalten ebenfalls zwei Giftstoffe in geringer Konzentration, nämlich Rizin (bis 3%) und Rizinin (bis 0,15%). Im handelsfähigen Öl sind diese Giftstoffe jedoch nicht mehr vorhanden.Wichtigster und größter Bestandteil von Rizinusöl ist mit bis zu 85 Prozent das Triglycerid der Rizinolsäure und bestimmend für seine pflegende Rizinusöl Wirkung.

Kalt gepresstes Rizinusöl – Sehr wertvoll

Die Kaltpressung ist die schonendste Gewinnung von Öl. Hierbei werden alle Inhaltsstoffe erhalten und verbleiben unverändert im fertigen Produkt. Die geschälten Samen werden in der kalten Pressung entölt und das Öl weitgehend naturbelassen auf den Markt gebracht. In der Kosmetik und Heilkunde werden mit kalt gepresstem Öl die besten Erfolge bei der Rizinusöl Anwendung erzielt.

Raffiniertes Rizinusöl – Ausreichend für abführende Wirkung

Dem raffiniertem Rizinusöl fehlen durch die Verarbeitungsform einige Inhaltsstoffe. Seine abführende Wirkung hat es jedoch immer noch. Für diesen Zweck ist das deutlich günstigere raffinierte Rizinusöl auch völlig ausreichen. Ebenso findet das raffinierte Öl Verwendung in der Industrie. Hier wird das Öl für verschiedenste Zwecke eingesetzt. So wird es beispielsweise für die Herstellung von Polyester benötigt.

Verwertung der Rückstände

Die festen Rückstände, die bei der Pressung anfallen, nennt man Presskuchen. Auch dieser wird kommerziell genutzt. Der unbehandelte Presskuchen wird als Stickstoff-Dünger vermarktet. In ihm sind die giftigen Bestandteile noch enthalten, aber zur Bodenbearbeitung geeignet. In speziellen Verfahren können dem Presskuchen die Giftstoffe entzogen werden. In dieser Form werden die Rückstände als Futter für Nutztiere vermarktet.

Rizinusöl in der Kosmetik, Naturheilkunde und Pharmazie

Pharmazie – Wichtiges Öl

Die Pharmazie macht sich die hautfreundliche und gut verträgliche Konzeption von Rizinusöl ebenso wie die Kosmetikbranche zu Nutze. Das Öl findet vielfach Verwendung in Augentropfen und dient auch als Lösungsmittel in vielen Medikamenten. Auch in der Geburtsvorbereitung kann Rizinusöl eingesetzt werden. Das erfordert unbedingt Absprache mit dem Geburtshelfer. Durch die Verabreichung eines sogenannten „Wehencocktails“, dem Rizinusöl beigefügt ist, kontrahiert die Gebärmutter und erleichtert so unter entsprechenden Gegebenheiten den Geburtsvorgang.

Naturheilkunde – Entgiftende Wirkung

Naturheilkundler leiten eine Fastenkur gerne mit Rizinusöl ein. Nicht nur die abführende Wirkung ist dabei für den Körper gut, sondern auch eine Kettenreaktion, die im Körper ausgelöst wird und damit effektiv entgiftet. Die Verdauung im Zwölffingerdarm spaltet das Rizinusöl auf. Dabei wird ein Hormon gebildet, welches über die Darmwände in den Blutkreislauf gelangt. Dadurch werden sowohl die Gallenblase als auch die Bauchspeicheldrüse zur Bildung des Sekrets animiert, das für die notwendige Spaltung des Öls sorgt. Die hierbei entstehende Rizinolsäure setzt wiederum natürliche Histamine frei, die für eine beschleunigte Ausscheidung und den Abtransport giftiger Schlacken sorgt.

Folgende weitere Heilwirkungen werden in der Heilkunde an Rizinusöl besonders geschätzt:
(Bitte mit Ihrem Arzt besprechen)

  • Rizinusöl Haut – Hautverletzungen heilen meist schneller ab
  • entzündungshemmende Eigenschaften
  • aktiver Haut- und Zellschutz
  • Rizinusöl Haar – Pflegende und positiven Wirkung bei Schuppenflechte, Neurodermitis, Schrunden und Flechten
  • Glättung der Haut (auch kleine Fältchen und Narben)
  • Förderung der körpereigenen Kollagenprodution
  • lindert Schmerzen durch Arthritis

Kosmetik – Pflegende Eigenschaften

Die Kosmetikbranche setzt auf den pflegenden Faktor. Haar, Wimpern und Haut profitieren von dem in seiner Zusammensetzung einzigartigen Öl. Als Zusatz in Haarpflegeprodukten wie Shampoo und Spülung macht es das Haar weich, geschmeidig und glänzend. Trockenes Haar und Kopfhaut werden mit Feuchtigkeit versorgt. Selbst sprödes Haar kann sich in kurzer Zeit regenerieren und juckende, schuppige Kopfhaut kann abheilen. Für gutes Wimpernwachstum enthalten viele Mascaras ebenfalls Rizinusöl. Es gilt allgemein als wachstumsfördernd für das Haar. Ein weiterer Vorteil des Öls ist die Anregung der Kollagenprodution. Kleine Falten können so verschwinden, die Haut wird gepflegt und erscheint geschmeidig, glatt und weich. Cremes und Lotionen mit einem hohen Anteil Rizinusöl versprechen hohe Wirksamkeit.

Rizinusöl zu Hause

Zu kosmetischen Zwecken lässt sich Rizinusöl auch gut zu Hause verwenden und verarbeiten. Das schont in der Regel das Budget und erfordert keine speziellen Kenntnisse.

Vielfältig verwendbar – Äußerlich wird Rizinusöl für folgende Dinge verwendet:

  • Einreibungen
  • Umschläge
  • Wundversorgung
  • Hautschutz

Die Anwendung ist unkompliziert und denkbar einfach. Für eine Einreibung, beispielsweise bei Hautproblemen, wird eine kleine Menge handwarmes Öl auf die entsprechenden Partien aufgetragen und leicht eingerieben. Bei schuppiger Haut lässt man die Schuppen mithilfe des Öls aufweichen und wäscht es anschließend mit handwarmem klarem Wasser wieder ab. Das Öl hemmt die Entzündung und sorgt zeitgleich für Abheilung sowie Schutz.

Für Umschläge tränkt man ein Tuch mit dem angewärmten Öl und legt es auf. Um die Temperatur zu halten, legt man auf den Umschlag zusätzlich eine Wärmflasche. Die Wundversorgung erfolgt ebenfalls mittels weniger Tropfen direkt auf die Wunde. Auch ältere Narben können damit erfolgreich geglättet werden. Spröde, rissige oder trockene Hände werden nach dem Waschen dünn mit Rizinusöl eingecremt. Neben der pflegenden Wirkung wird die Haut mit einem Wasser und Schmutz abweisenden Schutzfilm überzogen.

Innerlich verwendet man Rizinusöl hauptsächlich

  • als Abführmittel
  • und zur Entgiftung

Hier ist die Dosierung nicht ganz so einfach wie bei der kosmetischen Anwendung. Einige Faktoren beeinflussen die Intensität der Wirkung. Dazu zählen vor allem die Belastung des Körpers mit Schadstoffen und die individuelle Ansprache auf die Einnahme von Rizinusöl. Grundsätzlich sollte man mit der Verabreichung des Öls zunächst vorsichtig starten. Mit einer Einnahme des Öls von ca. 15 ml können Erwachsene die Wirkung und Verträglichkeit zu Beginn testen. Falls nötig, kann diese Dosis bis auf ca. 60 ml erhöht werden.

Ob man kleine Kinder schon mit Rizinusöl behandeln sollte, muss verantwortungsbewusst überlegt werden. Immerhin sorgt die Einnahme auch für einen deutlichen Verlust an Flüssigkeit und Elektrolyten, der schnell ausgeglichen werden muss. Ältere Kinder und Jugendliche starten mit einer Versuchsdosis von ca. 5ml. Rizinusöl hat einen sehr eigenen Geschmack, der oft als unangenehm beschrieben wird. Wer das Öl pur nicht hinunterbringt, kann es mit Fruchtsaft oder warmer Milch zu einer Emulsion aufrühren. Diese sollte schnell ausgetrunken werden, da das Öl sich nach kurzer Zeit wieder von der anderen Flüssigkeit trennt. Da das Rizinusöl im Körper starke Reaktionen hervorruft, können durchaus Bauchschmerzen begleitend bis zur Entleerung auftreten.

Kosmetische Zwecke

Rizinusöl in purer Form kann für viele kosmetische Anwendungen genutzt werden. Um eine möglichst hohe Qualität zu erhalten, empfiehlt es sich, das kalt gepresste Öl zu verwenden. Raffiniertem Rizinusöl fehlen einige wichtige Stoffe, die im Verlauf der Raffinierung verloren gehen.

Anwendungsmöglichkeiten:

  • Aufbesserung von vorhandenen Pflegeprodukten durch Zugabe einiger Tropfen des kalt gepressten Öls (Creme, Lotion, Shampoo, Spülung, Haarkur)
  • Haarkur mit purem Rizinusöl
  • Pflege mit purem Öl von trockener, schuppiger oder spröder Haut
  • Aktivierung von Haarwuchs (Haupthaar, Wimpern und Brauen)
  • Glättung von Fältchen
  • Lippenpflege
  • aktiver Hautschutz

Behandlung von Pickeln und Akne sowie Warzen und Pigmentflecken

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Vor der ersten Anwendung von reinem Rizinusöl sollte geprüft werden, ob es auch vertragen wird. Es reicht, ein paar Tropfen auf der Innenseite des Arms in Pulshöhe aufzutragen. Eine Unverträglichkeit wird sich an der empfindlichen Haut in Kürze feststellen lassen. Zeigen sich keine Irritationen, Brennen oder Jucken, kann das Rizinusöl in der Regel ohne weitere Bedenken angewendet werden. Rizinusöl hat die Eigenschaft, auch in die tieferen Hautschichten einzudringen und wirkt dadurch besonders intensiv.

Beispiele für Anwendungen

1. Haarkur

Mit einer Haarkur aus Rizinusöl wird das Haar optimal gepflegt. Es wird weich und glänzend, sprödes und splissiges Haar wird regeneriert und der Haarwuchs angeregt. Die Pflege beginnt bereits an den Haarwurzeln und erfolgt nicht nur oberflächlich. Auch bei zu trockener, schuppiger oder gereizter Kopfhaut leistet das Rizinusöl ganze Arbeit. Vor der Anwendung wird das Haar wie immer gereinigt, auch hier sollte man schon auf schonende Produkte achten.

Damit das Öl jedes Haar erreicht, muss es sorgfältig gekämmt oder gebürstet werden. Anschließend wird das handwarme Rizinusöl in kleinen Portionen in das Haar und auf die Kopfhaut einmassiert. Wieder gut kämmen, um für eine gute Verteilung zu sorgen. Damit das Öl richtig wirken kann, sollte es für Minimum zwei Stunden im Haar verbleiben. Ist das Haar oder die Kopfhaut stark angegriffen, lässt man das Öl als Kur über Nacht im Haar.

Die Kleidung oder Bettwäsche wird mit einem alten Handtuch vor Verschmutzung durch das Öl geschützt. Am Ende der Einwirkzeit wird das Öl wieder ausgewaschen. Dazu sind meist drei oder mehr Waschgänge nötig bei Verwendung eines guten Shampoos. Der Erfolg ist sofort am Haar sicht- und spürbar.

2. Wimpern- und Augenbrauenpflege

Lange und dichte Wimpern wie auch gepflegte Augenbrauen gehören nach wie vor zum Schönheitsideal. Nur ist nicht jede Frau von Geburt an damit gesegnet. Mit Hilfe von Rizinusöl kann das Wachstum von Brauen und Wimpern angeregt werden. Einige Tropfen des kalt gepressten Rizinusöls werden dazu auf die Wimpern und/oder Brauen aufgetragen und bleiben über Nacht auf den feinen Härchen.

Zum Auftragen eignen sich die sauberen Fingerkuppen, ein fusselfreies Tuch oder idealerweise ein gereinigtes Mascarabürstchen. Wichtig ist dabei, dass zuvor jedes Augen-Make-up sorgfältig entfernt wurde. Am Morgen werden die Ölrückstände an Brauen und Wimpern einfach mit warmem Wasser abgewaschen.

Rizinusöl zeigt eine hohe Verträglichkeit und löst nur in seltenen Fällen Irritationen oder Allergien aus. Daher ist es für die Anwendung an den Augen sehr gut geeignet.

3. Behandlung von Hautunreinheiten (beispielsweise Akne und Pickel)

Akne und Pickel sind sehr belastend, gerade auch für die Psyche. Die wenigsten wissen, dass Rizinusöl meist besser wirkt, als die einschlägig und massiv beworbenen Mittelchen der chemischen Industrie. Verantwortlich für die Heilwirkung ist die Ricinolsäure, die stark antiseptisch wirkt. Sie kann viele Hauterkrankungen lindern und heilen.

Zur Behandlung von Akne und Pickeln mischt man das kalt gepresste Rizinusöl im Verhältnis 1:1 mit einem guten Körperöl. Geeignet sind hier Jojoba-Öl und Mandelöl. Mit dieser Ölmischung wird die vorher gereinigte Haut großzügig eingerieben und nach 15 Minuten wieder abgewaschen. Zum Waschen verwendet man nur warmes Wasser, um die Inhaltsstoffe des Öls auf der Haut besser wirken zu lassen.

Tipps zum Öl-Einkauf und zur Rizinusöl Lagerung

Rizinusöl wird in verschiedenen Qualitäten angeboten. Für Heilzwecke und kosmetische Behandlungen ist das kalt gepresste Rizinusöl vorzuziehen, da hier noch alle Wirkstoffe enthalten sind. Dieses unterscheidet sich schon optisch von raffiniertem Öl; es ist in der Farbe mehr gelb.

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Öl aus biologischem Anbau gewährt zudem die Sicherheit, erstklassige Ware zu erhalten. Für die ausschließliche Verwendung als Abführmittel ist raffiniertes Rizinusöl völlig ausreichend. Aufbewahrt wird Rizinusöl in einem geschlossenen Behältnis, vorzugsweise einer Braunglasflasche, bei Zimmertemperatur. Das Öl hält sich zwischen 6 und 8 Monate bei richtiger Lagerung.

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