Vitamin K - wichtige Aufgaben im Organismus ?

Kaum beachtet, erfüllt Vitamin K wichtige Aufgaben im Organismus. Sein Name des Vitamin K verweist auf den Begriff „Koagulation“, auf die Blutgerinnung, denn genau dafür ist Vitamin K – unter anderem – zuständig:

Reagieren die Thrombozyten, Blutzellen, „richtig“, verkleben und verklumpen sie im Falle einer Verletzung nach entsprechender Zeit und die Wundheilung kann einsetzen. Über-reagieren sie jedoch an falscher Stelle, kann das Blut nicht mehr fließen, es bilden sich Thrombosen oder Embolien. Doch damit sind die Aufgaben des Vitamin K noch lange nicht erschöpft. Wie viele andere Vitamine ist bis heute noch nicht ganz entschlüsselt, welche Funktionen es erfüllt. Offenbar steckt auch in diesem Falle mehr hinter dem Vitalstoff, als bislang angenommen. Unter anderem trägt es maßgeblich beispielsweise zur Stabilität und gesunden Entwicklung der Knochen bei.

Unterschieden werden drei Arten von Vitamin K:

Pflanzliches Vitamin K, auch als K1 bezeichnet, wird über pflanzliche oder tierische Nahrung zugeführt und deckt in der Regel den Bedarf nahezu vollständig. Vitamin K2 wird von Darmbakterien produziert und trägt in geringerem Maße zur alltäglichen Versorgung bei.

Vitamin K3 ist dagegen ein reines „Laborprodukt“. Wissenschaftler sind bislang vorsichtig dabei, Vitamin K1 und K2 jeweils unterschiedlichen Stoffwechselprozessen zuzuordnen. Dabei erfüllt das im Darm synthetisierte K2 möglicherweise sehr viel mehr wichtige Funktionen als bisher angenommen.

Funktion und Aufgaben von Vitamin K

Vitamin K wirkt maßgeblich an den biochemischen Vorgängen mit, die die Blutgerinnung und die Fließ-Eigenschaftes des Blutes bedarfsgerecht steuern. Dabei agiert Vitamin K als Prohormon, also als „Hilfsfaktor“.

Ebenso spielt es eine wichtige Rolle beim Zellwachstum, es aktiviert beispielweise

  • Osteocalcin – ein Protein, das Calcium bindet
  • Calbindin – ein Protein,
  • das Calcium-Ionen an den Ort ihres Bedarfs transportiert.

Zusammen mit den genannten und weiteren Proteinen, einem ausreichenden Anteil an verfügbarem Calcium und Vitamin D steuert Vitamin K den und den Knochenaufbau sowie die Knochenmineralisierung. Brüche, Verformungen, Entmineralisierung und Knochenschwund (Osteoporose) werden verhindert. Frakturen heilen meist umso rascher, je effektiver neues Wachstum von Knochenzellen stattfindet. Auch für gesunde Zähne zeichnet die Vitamin K-Versorgung verantwortlich.

Der durch Vitamin K gewährleistete reibungslose Transport von Calcium verhindert zusätzlich, dass sich daer Mineralstoff in Form von Plaque in den Arterien festsetzt. Damit beugt es gefährlichen Gefäßverengungen vor, die zu Herzinfarkt, Schlaganfall oder typischen Alterserkrankungen wie Demenz führen können. Möglicherweise wirkt Vitamin K auch bei der Regulation des Blutzuckerspiegels und des Körperfettabbaus mit.

Den Vitamin K-Bedarf decken

ist für sich allein gesehen bei einem gesunden Erwachsenen, der sich abwechslungsreich ernährt, relativ unkompliziert. In jedem Lebewesen ist Vitamin K zu finden – bei Pflanzen beispielsweise ist es ein wichtiger Faktor für die Photosynthese. Geflügel, grüne Blattgemüse und die diversen Gattungen von Kohl enthalten es in großer Menge. Empfohlen werden zwischen 60 und 70 Mikrogramm als Tagesdosis für Erwachsene. Ab dem 50. Lebensjahr steigt der Tagesbedarf stetig an. Eine zusätzliche Dosis kann zur Vorbeugung oder zur Verlangsamung von Osteoporose oder bei übermäßiger Blutungsneigung angeraten sein und wird als solche auch zuweilen vom Arzt verordnet.

Mängel treten am ehesten bei Neugeborenen auf, vor allem bei Säuglingen, die ausschließlich gestillt werden. Ihr Vitamin-K-Depot ist noch unterversorgt und sollte daher ergänzt werden. Die Muttermilch enthält relativ wenig Vitamin K. Sobald andere Nahrung, Gemüse oder Fleisch, verabreicht werden, gleicht sich dieser Mangel aus. In dieser Phase ist auch die Darmflora weiter entwickelt und produziert eigenes Vitamin K. Nebenwirkungen oder Folgen einer Überdosierung wurden bei Vitamin K nie beobachtet.

Vorkommen von Vitamin K
Die ausreichende Versorgung mit diesem Vitalstoff ist über die Nahrung und die „hauseigene“ Darmproduktion gut abzusichern. In der Regel nimmt ein Erwachsener bis zu 400 Mikrogramm pro Tag auf und verbraucht nur etwa 50% davon. Reichlich enthalten ist Vitamin K in

  • Spinat oder Mangold sowie in grünem Salat
  • Petersilie oder Schnittlauch
  • Avocados
  • Rosen-, Blumen- oder Grünkohl, sowie in Sauerkraut (das aus Weißkraut hergestellt wird)
  • Hülsenfrüchten wie Erbsen oder Bohnen
  • Fleisch, auch Leber
  • Milchprodukten

Voll im Trend und wahre Vitamin-Bomben sind beispielsweise Weizengras oder Rote Beete-Blätter, die sich auch für die Herstellung von Smoothies eignen.

Die genannten pflanzlichen Nahrungsmittel sind generell zu empfehlen – den Vitamin K kann seine Aufgaben nicht ohne ausreichende vieler anderer wichtiger Mikronährstoffe erfüllen. Eine Portion Spinat oder Kohlgemüse oder ein Scheibchen Kalbsleber beispielsweise decken üblicherweise den Tagesbedarf eines Erwachsenen. Im Gegensatz zu vielen anderen Vitaminen und Vitalstoffen ist Vitamin K nicht durch Lagerung oder Erhitzung zu zerstören. Wer allerdings beispielsweise Garten- oder Feldgemüse länger lagert, sollte es vor Licht schützen.

Geeignete gute Speiseöle mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren erleichtern übrigens die Vitamin K-Aufnahme über den Darm.

Vitamin K Mangel

Ein Vitamin K Mangel äußert sich unter Umständen durch eine erhöhte, möglicherweise gefährliche Blutungsneigung. Säuglinge sind über die Muttermilch und eine unausgereifte Darmflora noch „unterversorgt“ und benötigen hier Unterstützung.

Wer Medikamente einnimmt oder unter bestimmten Erkrankungen leidet, braucht ebenfalls Vitamin K-Zusätze. Calciummangel kann durch Vitamin-K-Gaben ausgeglichen werden, weil es die Bindungsfähigkeit von Calcium an bestimmte Zellen verbessert. Diese Situation tritt etwa bei beginnender Osteoporose ein.

Einige Antibiotika sowie Mittel gegen Krampfanfälle, die beispielsweise Phenobarbital enthalten, führen unter Umständen zu Vitamin K-Mangel. Wenn der Darm Vitamin K weder selbst produzieren noch aus der Nahrung aufschließen kann, tritt ein Mangel auf: Das ist etwa bei einer Gluten-Unverträglichkeit (Zölikakie) oder bei der chronischen Darmerkrankung Morbus Crohn der Fall, aber auch bei bestimmten Krebs-Arten. Durch langen Alkoholmissbrauch bedingte Leberschäden können zu Vitamin K-Knappheit im Körper führen.

Medikamente gegen Thrombosen, wie sie beispielsweise bei einem erhöhten Schlaganfall- oder Embolie-Risiko vorsorglich verabreicht werden, enthalten eigens Vitamin K-hemmende Wirkstoffe. Hier ist es wichtig, mit dem Arzt zu klären, wie sich die Medikamente und die tägliche Ernährung aufeinander abstimmen lassen.

Wer allerdings annimmt, dass nun eine zusätzliche Aufnahme von Vitamin K zwangsläufig die Thrombosegefahr erhöht, liegt falsch: Der Organismus nutzt die vorhandenen Depots ausschließlich nach Bedarf.

Vitamin K gegen Gefäß-Plaque

Hoher Blutdruck, ungesunde Ernährung und diverse andere den Stoffwechsel beeinträchtigende Faktoren beschädigen die Innenwände der Blutgefäße. Zwar ist der Organismus in der Lage, solche Defekte zu heilen. Allerdings benötigt er dazu eine Menge Vitalstoffe, die die Zellwachstumsprozesse anstoßen beziehungsweise das dafür nötige Material heranschaffen helfen. Fehlen beispielsweise die Vitamine C und E, wird nach Ersatz gesucht: Gefäß-Beschädigungen etwa lassen sich notdürftig auch mit Hilfe von LDL-Cholesterin reparieren: Es transportiert Calcium heran und füllt damit die Risse – im Endergebnis offenbar buchstäblich eine „holperige“ und brüchige Angelegenheit, denn dabei verengen sich die Arterien auch auf bedrohliche Weise. Zudem können sich solche Füllmaterialien lösen, die Arterie verstopfen und den Blutfluss gänzlich unterbrechen. Das kann lebensbedrohlich sein: Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine länger anhaltende, partielle Minderdurchblutung des Gehirns bis zum Auftreten von Demenz sind die Folge. Auch in den Nieren kann sich überschüssige Calcium anlagern, im Extremfall bilden sich Nierensteine.

Vitamin K kann helfen, diese Schreckens-Szenarien zu verhindern. Überschüssige Calcium-Bestände werden aus dem Blut abgezogen und stehen weiterhin der Gesunderhaltung von Knochen und Zähnen zur Verfügung.

Belegt wurde dies in einer Reihe von Studien, die die Verhinderung von Gefäß-Plaque dokumentieren (2009) die Schutzwirkung von Vitamin K für das Herz-Kreislauf-System nachweisen (Rotterdam, 2004). Da die Studien teilweise über Jahre liefen, wurde das um bis zu 50% verringerte Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko deutlich. Vitamin K war im Tierversuch sogar in der Lage, bereits begonnene Verkalkungs-Prozesse wieder aufzulösen.

Vitamin K gegen Osteoporose

Bei der Behandlung von Osteoporose wurden sowohl Vitamin K1 als auch K2 in mehreren Studien erprobt. Der Verlust an Knochenstabilität konnte mit höheren Dosierungen sogar wieder rückgängig gemacht werden.

An der Harvard Medical School untersuchte man bis 1999 über 70.000 Probandinnen, dass sich das Risiko eines Knochenbruches signifikant senken lässt, wenn mehr Vitamin K aufgenommen wird. Dabei fiel auch der unbedingte Zusammenhang zwischen Vitamin D und Vitamin K auf: Der eine Vitalstoff ist ohne den anderen praktisch wertlos.

Vitamin K – Schutz vor Krebs?

Diverse Labor-, aber auch klinische Versuche legen nahe, dass Vitamin K eine Rolle bei der der Bekämpfung von Krebszellen spielt. „Kranke“, falsch replizierte Zellen können sich entweder vermehren oder absterben. Was sie jeweils tun, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. 2014 erst belegte eine Analyse mehrerer vorliegender Studien, dass Vitamin K bei Krebsrisiko-Patienten, aber auch bei bereits erkrankten Personen das Sterberisiko zu senken scheint.

Vitamin K – nur im Zusammenspiel mit „Helfern“ wirksam

Ohne eine ausreichende Versorgung mit einer Reihe anderer Vitalstoffe kann Vitamin K seine Aufgaben nicht erfüllen – und spätestens dann fällt seine Bedeutung auf. Mangelsituationen machen sich oft erst nach Jahren schmerzhaft bemerkbar, etwa wenn eine verstärkte Karies-Neigung auftritt.

Ohne Vitamin D im Zusammenspiel mit Vitamin K können bestimmte Biochemische Prozesse gar nicht erst ablaufen. Ein Mangel an Vitamin D – durch zu wenig Sonne, wiederum bedingt durch eine heutzutage typische, exzessive Indoor-Lebensweise – kann ein ausreichendes Vitamin-K-Depot zur Untätigkeit verdammen.

Vitamin-D-Ergänzung macht in Mitteleuropa Sinn: Viele Menschen leben und arbeiten überwiegend in geschlossenen Räumen und haben daher nicht mehr die Chance, ausreichend Vitamin D über Sonneneinwirkung auf die Haut zu bilden. Eine gute Calcium-Versorgung ist Bedingung dafür, dass Vitamin K wirken kann. Magnesium spielt ebenfalls eine wichtige Rolle in diversen biochemischen Prozessen, an denen auch Vitamin K beteiligt ist.

Fazit: Auch wenn viele Experten und Mediziner der Ansicht sind, dass ein Vitamin-K-Mangel sehr unwahrscheinlich ist – eine einseitige Ernährung und ein Mangel an anderen Vitalstoffen können entscheidend dazu beitragen, dass das wichtige Vitamin K nicht zum Einsatz kommt. Eine optimale Versorgung mit den Vitaminen D, A und C beispielsweise können sich in diesem Zusammenhang nachhaltig positiv auswirken.

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