Wie kann man Karies heilen? Definition, Ursachen, Stadien & Behandlung

Karies Bei den meisten Lesern werden beim Stichwort Karies sofort unangenehme Erinnerungen an Schmerzen, Zahnarztbesuche und hohe Behandlungskosten wach. Karies ist die weltweit am stärksten verbreitete Krankheit, in Deutschland sind nach wie vor 98 Prozent der Erwachsenen betroffen. Dabei ist Karies ganz klar eine sogenannte Zivilisationskrankheit, die durch den in westlichen Ländern vorherrschenden Lebens- und insbesondere Ernährungsstil begünstigt wird. Besonders problematisch für die Zahngesundheit sind kurzkettige Kohlenhydrate, vor allem verschiedene Zuckerarten, die in Industrie und Schwellenländern in vergleichsweise großen Mengen konsumiert werden. Hinzu kommt die Tatsache, dass viele Menschen heute nicht mehr drei große Hauptmahlzeiten essen, sondern den ganzen Tag über immer wieder Zwischenmahlzeiten zu sich nehmen.

Die Zähne sind damit mehrmals am Tag den Säuren, die beim Abbau der kurzkettigen Kohlenhydrate entstehen, ausgesetzt. Insbesondere stark zuckerhaltige und saure Getränke und andere Limonaden, die bisweilen über lange Zeiträume verteilt getrunken werden, oder sogar den Großteil des Flüssigkeitsbedarfs decken, sind buchstäbliches Gift für die Zähne. Es mag banal anmuten, den Zucker für die Omnipräsenz von Karies in den westlichen Gesellschaften verantwortlich zu machen, doch korreliert der Zuckerkonsum auf derart signifikante Weise mit der Kariesrate, dass der Zusammenhang offensichtlich ist. Während des Zweiten Weltkrieges war Zucker in Deutschland stark rationiert, sodass auch hierzulande kaum Karies verzeichnet wurde, in den 50er-Jahren nahm er mit steigendem Wohlstand massiv zu. Und noch heute leiden indigene Völker, die naturbelassene und zuckerarme Nahrungsmittel essen und sich meist auf wenige Mahlzeiten pro Tag beschränken, kaum unter der sogenannten Zahnfäule. Karies kann nicht nur äußerst schmerzhaft sein, sondern auch hohe Behandlungskosten verursachen.

Erfolgreiche Prävention

Der Zusammenhang zwischen Ernährungsgewohnheiten und Karies, aber auch zwischen Mundhygiene und Karies ist in der Wissenschaft seit langem bekannt und wird in großangelegten Aufklärungskampagnen an die Bevölkerung vermittelt. Diese tragen in den meisten Industrienationen Früchte. In Deutschland waren in den 1980er-Jahren bei den Zwölfjährigen noch durchschnittlich sieben Zähne von Karies betroffen, 2014 waren es gerade mal noch 0,7 Zähne, wie die vierte Deutsche Mundgesundheitsstudie ermittelte. Obwohl der Zuckerkonsum in den letzten dreißig Jahren nur leicht zurückgegangen ist, hat sich die Mundgesundheit massiv verbessert. Die Forscher führen dies zum einen auf konsequentes Zähneputzen, das in Schulen und Kindergärten als Gruppenprophylaxe, aber auch beim Zahnarzt als Individualprophylaxe regelmäßig thematisiert wird, und zum anderen auf Fluoridbeigaben in Zahnhygieneprodukten, zurück. Karies ist also kein Schicksal, sondern kann mit gezielten Präventionsmaßnahmen vermieden werden.

Wie entsteht Karies?

Karies

Die unangenehme Zahnfäule ist auf Beläge aus Mundschleimhautzellen und Speiseresten, die sich am unteren Zahnrand in Zahnfleischnähe ablagern, zurückzuführen. Insbesondere die Zahnzwischenräume sind für diese sogenannten Plaques anfällig, weil sie beim unsorgfältigen Putzen schlecht erreicht werden. In den Plaques reichern sich Bakterien an, die den Zucker aus der Nahrung verstoffwechseln und dabei Säuren produzieren, die den Zahnschmelz angreifen und langsam auflösen. Die darunter liegende Zahnsubstanz wird dadurch freigelegt und ebenfalls geschädigt, es kommt zu fauligen Verfall des betroffenen Bereiches. Es liegt nahe, dass eine zuckerarme, hochwertige Ernährung, die den Bakterien relativ wenig Nahrung bietet, eine sorgfältige Zahnreinigung, die Zuckerreste konsequent entfernt, sowie Fluoridgaben, die die Widerstandskraft des Zahnschmelzes gegen Säuren steigern, Karieserkrankungen erfolgreich vorbeugen. Auch die regelmäßige Anwendung von Zahnseide, die ein bis zweimal jährlich stattfindende professionelle Zahnreinigung und bei besonders kariesanfälligen Zähnen morgendliches Ölziehen, beispielsweise mit Schwarzkümmelöl, haben sich bewährt.

Behandlung

Kommt es dennoch zu Karies, ist eine möglichst rasche Diagnose wünschenswert, damit der Kariesbefall nicht zu viel Zahnsubstanz schädigen kann. Aus diesem Grund ist der regelmäßige Zahnarztbesuch unabdingbar. Entdeckt der Zahnarzt Karies, muss die betroffene Stelle aufgebohrt und entfernt werden. Auf diese Weise entstehende „Löcher“ im Zahn müssen anschließend mit einer Füllung wider verschlossen werden. Dazu wird ein weiches, formbares Material in den Hohlraum gebracht und dieser damit verschlossen, bevor das Material aushärtet. Spezielle Füllungen sind die sogenannten Inlays, welche in erster Linie in Seitenzähnen eingesetzt werden und passgenau im Labor vorgeformt werden, bevor sie in die betroffene Stelle geklebt werden können. Inlays ersetzen Teile der Kaufläche, während Onlays auch einzelne Zahnhöcker abdecken. Wird die gesamte Kaufläche mit sämtlichen Zahnhöckern ersetzt, spricht man von einem sogenannten Overlay. Alle drei weisen in der Regel eine längere Lebensdauer auf als klassische Füllungen. Bei größeren Zahnschäden, die die Entfernung eines Teiles des Zahns oder sogar des ganzen Zahns erforderlich machen, muss hingegen eine Krone eingesetzt werden. Durch Füllungen, Inlays und Kronen werden nicht nur die Funktionstüchtigkeit des Gebisses garantiert, sowie allfällige kosmetisch unschöne Lücken geschlossen, sondern auch einem erneuten Kariesbefall vorgebeugt.

Für Zahnfüllungen geeignete Materialien

Es gibt verschiedene Materialien, die für die nach einer Karieserkrankung notwendige Zahnrekonstruktion geeignet sind, wobei sie je eigene Vor- und Nachteile aufweisen. Die gängigsten unter ihnen sind:

  • Amalgam
  • Gold
  • Keramik
  • galvanische Keramik
  • Kunststoffe

Untersuchung beim Zahnarzt Nach wie vor am meisten verbreitetet wird das Metallgemisch Amalgam; ungefähr 40 Millionen Amalgamfüllungen werden in Deutschland pro Jahr hergestellt. Es besteht zur Hälfte aus einem Zinn-Silber-Kupfer-Pulver und zur Hälfte aus Quecksilber. Die Vorteile des Amalgams sind seine leichte Verarbeitung und der geringe Preis. Nachdem der Zahnarzt die Mischung hergestellt hat, bleibt sie 10 bis 30 Minuten weich und formbar, sodass er das Material in die betroffene Stelle geben und die Füllung modellieren kann. Circa 24 Stunden später ist die Füllung dann komplett ausgehärtet und sehr widerstandsfähig. Weil Amalgamfüllung im Vergleich zu Gold, Keramik oder Kunststofffüllungen besonders kostengünstig sind, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse außer im Front- und Schneidezahnbereich nur die Kosten für diesen Materialtyp. Und dass, obwohl das Amalgam auf Grund des hohen Quecksilberanteils massiv in die Kritik geraten ist. Quecksilber wirkt auf den menschlichen Körper hochtoxisch und kann zu verschiedensten organischen und psychischen Beschwerden führen. Offiziell gilt Amalgam als unbedenklich, weil das enthaltene Quecksilber im Amalgam angeblich fest gebunden ist und nicht in den Stoffwechsel gelangen kann. Immer mehr Experten bezweifeln dies allerdings und raten von zahnerhaltenden Maßnahmen mit Amalgam ab. Hinzu kommt, dass das metallisch glänzende Amalgam im Mund sehr gut sichtbar ist. Viele Kariespatienten wünschen sich daher aus ästhetischen Gründen eine Alternative.

Gold

Ein ähnliches Problem tritt auf, wenn ein Goldinlay eingesetzt wird. Dieses ist durch seine strahlend gelbe Färbung ebenfalls sofort sichtbar. Allerdings hat das Goldinlay den Vorteil, dass es im Vergleich zum Amalgam weicher ist und sich im Laufe der Zeit perfekt in das Zahnloch einfügt. Auf diese Weise wird das Loch hermetisch verschlossen und ein erneuter Kariesbefall an der gleichen Stelle praktisch ausgeschlossen. Zudem ist Gold im Gegensatz zu Quecksilber für den menschlichen Körper unbedenklich, natürlich aber wesentlich teurer.

Keramik

Keramikinlays bestehen aus bruchfester Keramik, die unterschiedliche Zusammensetzungen aufweisen kann. Das Inlay kann von einem Zahntechniker im Dentallabor hergestellt werden oder direkt in der zahnärztlichen Praxis von einem Schleifroboter, der das Inlay in der benötigten Form aus einem Keramikblock schleift. Wenn die Herstellung durch einen Zahntechniker und nicht maschinell erfolgt, kann das Inlay an die individuelle Zahnfarbe angepasst werden und ist damit für Laien im Mund kaum zu erkennen. Da das Keramikinlay aufwändiger in seiner Herstellung ist, ist es allerdings auch deutlich teurer als das Goldinlay.

Galvanische Keramik

Ein galvanisches Keramikinlay verbindet die Vorteile von Gold- und Keramikinlay. Zunächst wird der durch die Kariesbohrung entstandene Hohlraum mit einer dünnen Goldschicht überzogen und somit quasi hermetisch versiegelt, bevor er mit einem Keramikinlay aufgefüllt wird. Auf diese Weise ist beim Lachen und Sprechen nur ein schmaler Goldrand zu sehen, der von manchen Patienten aber dennoch als störend empfunden wird.

Kunststoff

Kunststoffinlays werden vom Zahntechniker aus Komposit gefertigt. Sie können ebenfalls an die Zahnfarbe angepasst werden, allerdings weniger genau als Keramikinlays, sodass sie oftmals etwas dunkler ausfallen als die eigentliche Zahnfarbe.

Situationsabhängige Kariesbehandlung

Welches Material für die Rekonstruktion des ausgebohrten Zahnbereiches letzten Endes zur Anwendung kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen muss beachtet werden, wo im Mund sich die kariöse Stelle befindet. Im Front- und Schneidezahnbereich sind Füllungen aus Amalgam sowie Inlays aus Gold aus kosmetischen Gründen ungeeignet, wobei sie von manchen Patienten auch im Backenzahnbereich nicht gewünscht werden. Die galvanische Keramik ist da etwas dezenter, wenngleich trotzdem sichtbar. Sie eignet sich für Menschen, die sehr kariesanfällig sind und daher von den Vorteilen einer hermetischen Abdichtung des Zahnloches mit Gold profitieren, die Sichtbarkeit der rekonstruierten Stelle jedoch etwas kaschieren möchten. Gerade für Menschen mit einer Quecksilberallergie, für schwangere Frauen und Kleinkinder kommt zudem die Amalgamfüllung auf Grund des hohen Quecksilbergehaltes nicht in Frage.

Aber auch Menschen, die keine besondere Anfälligkeit für Quecksilber aufweisen, möchten oftmals auf Amalgam verzichten, weil dessen Unbedenklichkeit durchaus umstritten ist. Insgesamt weisen In-, On- und Overlaytechniken in der Regel eine längere Lebensdauer als klassische Füllungen auf. Aufgrund des aufwändigeren Verfahrens sind sie aber auch deutlich teurer, wobei die Mehrkosten nicht von der gesetzlichen Kasse übernommen werden. Damit sie trotzdem in Anspruch genommen werden können, kann sich eine zusätzliche private Zahnversicherung lohnen. Am besten ist es natürlich, man lässt es gar nicht erst zu Karies kommen, indem man auf eine ausgewogene Ernährung und eine gründliche Mundhygiene achtet.

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